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Görlitz

Gegen Corona-Einsamkeit: Omas skypen im Heim

Die Pflegeeinrichtungen sind für Besucher geschlossen. Da braucht es neue Wege, um mit der Familie im Kontakt zu bleiben.

Lydia Gaumer (96) skypt im „Seniorenzentrum Am Stadtpark“ im Görlitzer Ständehaus mit ihrem Sohn Andreas Gaumer. So ist sie ihm näher als per Telefon.
Lydia Gaumer (96) skypt im „Seniorenzentrum Am Stadtpark“ im Görlitzer Ständehaus mit ihrem Sohn Andreas Gaumer. So ist sie ihm näher als per Telefon. © Foto: privat

In der Görlitzer Altstadt ist Lydia Gaumer gut bekannt: Noch mit 91 Jahren arbeitete sie als Verkäuferin in der Bäckerei Borrmann auf der Weberstraße. Als der Bäckermeister 2015 starb und die Bäckerei schloss, musste sie ihr Berufsleben beenden – fast 32 Jahre nach dem Eintritt ins Rentenalter im Jahr 1983.

Am Anfang wurden viele Briefe geschrieben

Inzwischen haben ihre körperlichen Kräfte nachgelassen. Deshalb lebt sie nun im „Seniorenzentrum Am Stadtpark“ im Ständehaus. Geistig aber ist sie fit. Seit dem Beginn der Corona-Krise hat sie das gleiche Problem wie fast alle Heimbewohner in Deutschland: Sie kann keinen Besuch mehr empfangen, weil die Heime geschlossen sind. Telefonieren geht natürlich immer. Aber Bergit Kahl, die Besitzerin und Inhaberin des Seniorenzentrums, suchte mit ihrem Team nach weiteren Wegen. „Anfangs haben wir mit denen, die es noch können, vor allem Briefe geschrieben“, sagt sie. Dann aber folgte sie einer Idee, die auch schon im AWO-Heim auf der Krölstraße und anderen Einrichtungen praktiziert wird: „Warum nicht auch mal skypen?“

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Skype ist eine Art Bildtelefonie, bei der die Bewohner ihre Gesprächspartner sehen können, während sie miteinander reden. „Das ist natürlich eine sensible Sache, manche Bewohner fangen vielleicht an zu weinen“, sagt Bergit Kahl. Aber einen Versuch sollte es Wert sein. Etwa 20 von den insgesamt 100 Bewohnern ihres Hauses wären in der Lage, es zu nutzen, sagt sie.

Eine Telefonnummer für einsame Senioren

Lydia Gaumer war die Erste, die sich am Dienstag tatsächlich vor den Bildschirm gesetzt hat. Für sie war Skype schon vorher ein Begriff. „Es hat gut geklappt“, freut sich Bergit Kahl. Sowohl die 96-Jährige als auch Sohn Andreas haben sich über das Wiedersehen gefreut. Jetzt will Lydia Gaumer auch mit ihren Enkeln skypen. Und bis Donnerstag sind bereits vier weitere Bewohner dem Beispiel von Lydia Gaumer gefolgt.

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Bergit Kahl überlegt derweil schon, wie es während der Corona-Zeit gelingen könnte, einsame Menschen, die nicht im Heim leben, besser am Leben teilhaben zu lassen. Am heutigen Freitag startet sie einen Versuch: Wer allein ist und niemanden zum Reden hat, kann zwischen 8 und 15 Uhr im Ständehaus anrufen. Hier gibt es jemanden zum Zuhören. Das Angebot gilt ab sofort jeden Freitag und kostet nichts.

Telefon: 03581 4218510

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