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Dresdner Tourismus: "Es ist nicht alles wieder gut"

Die Gästezahlen steigen, aber reicht das? Ein großes Innenstadt-Hotel wird im Oktober schließen - vorläufig, heißt es. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Restaurants, Cafés, aber auch Hotels werden wieder voller. Doch nicht alle Herbergen profitieren davon.
Restaurants, Cafés, aber auch Hotels werden wieder voller. Doch nicht alle Herbergen profitieren davon. © dpa-Zentralbild/Robert Michael (Symbolbild)

Dresden. Es ist kaum zu übersehen: Dresdens Innenstadt-Restaurants platzen an den Wochenenden aus den Nähten. Wer abends spontan auf einen freien Platz hofft, braucht Geduld. Ganz klar, Touristen machen wieder Urlaub in der Stadt. Aber reicht das? Hat sich das Geschäft der Hotels und Gaststätten schon wieder erholt?

Wie viele Touristen besuchen Dresden?

Der Trend seit der Wiedereröffnung der Hotels für Urlauber ist klar: Es geht nach oben. Im Juni zählte das Statistische Landesamt knapp 95.000 Übernachtungsgäste und etwa 209.000 Übernachtungen. Soweit, so erfreulich. Allerdings liegen die Zahlen damit immer noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Zum Vergleich: Im Juni letzten Jahres zählten die Hoteliers mehr als doppelt so viele Übernachtungen.

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Zeigt sich das auch an den Umsätzen?

In Dresden hängen nach Angaben der städtischen Marketinggesellschaft etwa 13 000 Arbeitsplätze am Tourismus. "Wir müssen positiv denken, aber auch ehrlich sagen, dass noch nicht alles wieder gut ist", sagt Axel Klein, Geschäftsführer des sächsischen Gaststätten- und Hotelverbandes Dehoga. Im April verzeichneten die Mitgliedsbetriebe noch Umsatzverluste von durchschnittlich 89 Prozent, im Juli waren es trotz steigender Touristen- und Gästezahlen immer noch 34 Prozent, wie aus einer Dehoga-Umfrage hervorgeht.  

Während der sonst stärkste, touristische Monat, der August, zu Ende geht, blickt das Gastgewerbe nun auf den Dezember. Man werde für das Weihnachtsgeschäft kämpfen, so Klein. Einerseits gehe es darum, die Weihnachtsmärkte überhaupt stattfinden zu lassen, andererseits müssten sie flächenmäßig und zeitlich entzerrt werden. Die Dehoga fordert deshalb die Verlängerung des Dresdner Striezelmarktes. Er soll laut Klein eine Woche eher öffnen, allerdings nicht vor dem Totensonntag. Der Dezember war 2019 touristisch gesehen der zweitstärkste Monat und verhalf Dresden zu einem Touristen-Rekord.

Wie bewerten Hoteliers den Trend?

Tatsächlich ist die Stimmung gut. Verglichen mit allen anderen Hotels der Gruppe Innside by Meliá stehe man mit dem Haus in Dresden am besten da, sagt General Manager Florian Stühmer. "Einzelne Wochenenden sind bereits bis zu 100 Prozent ausgelastet, ein erfreuliches Ergebnis." 

Im Steigenberger Hotel de Saxe am Neumarkt ist die Belegungsquote von 30 Prozent im Juni auf über 50 Prozent im Juli angestiegen. Rund 90 Prozent der Gäste kamen aus dem Inland, sagte Pressesprecher Christopher Sparkes. Für den August und den September plante das Hotel ebenfalls mit einer Auslastung von mehr als 50 Prozent.

Doch nicht alle Hotels blicken so hoffnungsvoll in die Zukunft: Das The Student Hotel (TSH) auf der Prager Straße (ehemals Hotel Lilienstein) wird voraussichtlich ab dem 1. Oktober zeitweise schließen, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Als Grund wurden die Folgen der Pandemie und die schwierigen Zukunftsaussichten genannt. Das Hotel mit gut 300 Zimmern bietet insbesondere Studenten und Geschäftsreisenden nicht nur Zimmer an, sondern auch Arbeitsplätze, die man zeitweise mieten kann - sogenannte Coworking-Spaces. Speziell bei den Buchungen von deutschen und ausländischen Studenten, Coworkern und Firmenkunden gehe man von sinkenden Buchungszahlen aus, obwohl im Herbst das neue Semester starte, so die Sprecherin. Denn viele Studenten würden wegen der Corona-Krise von zu Hause aus arbeiten. Mitarbeiter und Gäste seien bereits informiert worden. 

"Wir hoffen, das TSH Dresden sobald wie möglich wieder eröffnen zu können", sagte TSH-Gründer Charlie MacGregor am Freitag. Leider sei es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, ein genaues Datum zu nennen, da die Entwicklungen der Corona-Pandemie nicht vorhersehbar seien. "Wir hoffen, diese Entscheidung wirkt sich positiv auf das Geschäft aus, um unser Hotelkonzept für Dresden bald wieder aufleben lassen zu können."

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Was sagt die Tourismus-Chefin zur Entwicklung?

Corinne Miseer leitet die Dresden Marketinggesellschaft, die während der Hotel-Schließungen kräftig Werbung für die Region im In- und Ausland machte. „Die Tourismusbilanz für Dresden Elbland für den Juni entspricht unseren coronabedingten Prognosen, liegt bei minus 50,1 Prozent in den Übernachtungen und minus 53,9 Prozent in den Ankünften im Vergleich zum Vorjahresmonat", sagt sie. "Ebenfalls wie erwartet konnten wir vor allem wieder mehr Besucherinnen und Besucher aus Deutschland bei uns begrüßen." 

Aber auch die ersten ausländischen Gäste kehrten langsam zurück, allem voran Niederländer, Polen und Tschechen. "Optimistisch für ein den Umständen entsprechend gutes Sommergeschäft stimmt uns die Zimmerauslastung von Dresden", so Miseer weiter. Hier schneide Dresden im Vergleich der deutschen Großstädte mit einer Zimmerauslastung von 32,6 Prozent gut ab und liege auf Rang zwei. Die Kampagnen während der Corona-Krise seien hierfür eine wichtige Basis gewesen. Eine, die aktuell läuft und dafür sorgen soll, dass Touristen eine lebendige Stadt erleben, sind die Kulturinseln, die im Dresdner Zentrum sowie in der Neustadt donnerstags bis sonntags von Künstlern im Freien bespielt werden.

Wird sich der Tourismus dieses Jahr noch erholen können?

Eines ist klar, die Branche braucht einen langen Atem, schätzt Axel Klein ein. Niemand weiß, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird, welche Länder Reisewarnungen für Deutschland aussprechen und wie zurückhaltend oder reisefreudig deutsche Urlauber in den nächsten Monaten sein werden. Bezogen auf das Gesamtjahr rechnen die sächsischen Dehoga-Betriebe derzeit immer noch mit einem Umsatzrückgang im Schnitt von mindestens 41 Prozent.

„Eine umfassende Expertise zum Tourismus in Dresden Elbland vor dem Hintergrund der coronabedingten Restriktionen ist dann möglich, wenn auch die Juli- und Augustergebnisse vorliegen", sagt Corinne Miseer. Ende September sollen belastbare Zahlen vorliegen.

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