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90 Prozent wollen das Abi jetzt schreiben

Strenge Hygiene-Regeln für alle, aber verschiedene Wege bei der Benotung. Im Landkreis Bautzen kehren die Abschlussklassen an die Schulen zurück.

Lehrerin Ute Langer vom Bischofswerdaer Goethe-Gymnasium hat einem Abiturienten einen Mundschutz gereicht und desinfiziert ihm die Hände. Szenen wie diese spielen sich dieser Tage an vielen Schulen im Kreis Bautzen ab.
Lehrerin Ute Langer vom Bischofswerdaer Goethe-Gymnasium hat einem Abiturienten einen Mundschutz gereicht und desinfiziert ihm die Hände. Szenen wie diese spielen sich dieser Tage an vielen Schulen im Kreis Bautzen ab. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Lehrer desinfizieren den Schülern im Eingangsbereich die Hände, sie verteilen Mundschutz und weisen die jungen Leute bestimmte Wege entlang, damit sie in die Klassenzimmer gelangen. Es sind groteske Szenen, die sich am Dienstagmorgen im Bischofswerdaer Goethe-Gymnasium abspielen. Szenen, wie sie vor noch gar nicht langer Zeit völlig abwegig klangen – und wie sie dieser Tage an vielen Schulen im Kreis Bautzen zu beobachten sind.

Denn für die Abitur- und Abschlussprüfungsjahrgänge dürfen die Schulen wieder öffnen, um die Schüler auf die Prüfungen vorzubereiten. Seit Montag können dafür die Gymnasien ihre Abiturienten wieder ins Gebäude hineinlassen, ab Mittwoch auch die Oberschulen und die Berufsbildenden Schulen ihre Prüfungsjahrgänge. Etwa einen Monat lang waren die Schulen geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Weil die Pandemie damit aber noch nicht vom Tisch ist, geht die Wiedereröffnung der Schulen nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen.

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Einige Schüler wollen das Abi später schreiben

„Die Schüler kommen in Gruppen“, erklärt Bodo Lehnig, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, „zeitversetzt, jeweils für zwei Stunden“. Jeden Tag werden die 87 Abiturienten in einem Fach vorbereitet, von Dienstag bis Donnerstag. Damit die Gruppen nicht zu groß sind, werden die Kurse dafür unterteilt. „Die Lehrer ziehen an einem Tag mehrmals dasselbe Programm durch“, erklärt Bodo Lehnig. Weil viele der Lehrer an der Schule zur Risikogruppe zählen, steht vor den Schülern nicht immer derjenige, der sie in den letzten Jahren unterrichtet hat.

Am Freitag wird es für die ersten in Bischofswerda ernst: Das Physik-Abitur steht an. „Wir haben eine Abfrage gestartet“, erzählt Bodo Lehnig, „etwa 90 Prozent wollen die Prüfung zum ersten Termin schreiben“. Die Staatsregierung erlaubt den Prüflingen auch, auf den Nachtermin auszuweichen.

Schon einen Tag eher als die Bischofswerdaer Abiturienten, nämlich am Montag, sind in Bautzen die des Philipp-Melanchthon-Gymnasium in die Schule gekommen. Da hatte das Gymnasium seine Pforten geöffnet, um die Schüler der Klasse zwölf, also des Abiturjahrgangs, über den Prüfungsablauf zu informieren. Etwa zehn Prozent von ihnen, das erfuhr Schulleiter Karsten Vogt, wollen auch hier ihre Prüfung auf den Zweittermin schieben. Endgültig ist die Zahl nicht: „Noch bis zum Prüfungstag dürfen die Abiturienten darüber entscheiden“, so Vogt.

Auf dem Pausenhof werden die Gruppen getrennt

Noch etwas länger hin zu den Prüfungen ist es an den Oberschulen, aber auch dort finden jetzt Vorbereitungen statt. Die Zehntklässler dürfen dafür in die Schulen kommen – und die Neuntklässler, die ihre Hauptschulprüfung absolvieren wollen. „Mit dem Zollstock“, sagt Jana Schwan von der Oberschule Elstra, „haben wir abgemessen, dass 1,50 Meter Abstand zwischen den Tischen sind“. Und auch auf dem Pausenhof bekommt jede Schülergruppe einen eigenen Abschnitt zugeteilt.

In dieser Woche, so handhabt es Jana Schwan und so berichten es auch andere Schulleiter der Oberschulen, werden die Schüler nur in den Prüfungsfächern Mathe, Deutsch und Englisch vorbereitet. Dann – und auch das machen andere im Kreis Bautzen ähnlich – sollen die Schüler angeben, in welchem naturwissenschaftlichen Fach sie ihre Prüfung absolvieren wollen. Die Entscheidung dürfen sie zwar noch ändern, aber das sei notwendig, um den Unterricht der nächsten Wochen zu organisieren. „Einen vollen Stundenplan für alle 60 Schüler? Das geht unter diesen Umständen nicht“, erklärt Jana Schwan.

Oberschüler können Noten noch verbessern

Nicht ganz einheitlich handhaben es die Schulen mit der von den Abschlussprüfungen unabhängigen Benotung. An der Oberschule Elstra, sagt Jana Schwan, bekommen die Schüler jetzt einen Notenspiegel ausgehändigt: „Es geht schließlich um ein Abschlusszeugnis. Die Schüler sollen angeben, wo sie ihre Noten noch verbessern wollen.“ Auch in diesen Fächern können die Schüler dann noch Unterricht erhalten.

An der zweiten Oberschule in Kamenz läuft das etwas anders. Schulleiter Stefan Cyriax erklärt: „Wer zum Beispiel mit einer 3,5 auf der Kippe steht, der kann eine schriftliche Arbeit abgeben.“ Die Prüfungsvorbereitungen sollen ohne Noten, ohne Druck ablaufen.

Und noch einmal anders handhabt es Christine Pallmer, Schulleiterin der Daimler-Oberschule Bautzen. „Die Schüler sind auch in der Pflicht, sich ihre Wünsche einzufordern“, sagt sie. Denn natürlich sollen auch hier die Schüler eine Möglichkeit haben, ihre Abschlussnoten noch ein wenig zu verbessern. Schüler, die das betrifft, sollen sich bei den Fachlehrern melden – diese entscheiden, ob sie schriftliche Aufgaben erteilen oder noch einmal eine Unterrichtsstunde stattfindet.

Die Organisation stellt viele Schulen vor Herausforderungen. Dennoch, das sagen viele Schulleiter, freuen sich die Lehrer, dass nun wieder Leben in die Schulgebäude einzieht. Die Regeln, wie sie jetzt sind, bestehen erst einmal bis zum 3. Mai. Bis dahin soll entschieden werden, wie es weitergeht. „Wir haben das geschafft“, sagt Sabine Grünke von der Oberschule in Bischofswerda. „Falls die Schulen aber auch für die niedrigeren Stufen wieder geöffnet werden“, sagt sie, „dann wird es schwierig, die Gruppen räumlich so zu trennen, dass sie sich möglichst nicht begegnen“.

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