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Neustart nach vier Wochen Handelspause

Maskenpflicht, strengere Hygiene, Warteschlangen auf Abstand: So läuft es jetzt in den Geschäften im Landkreis Bautzen.

Sie müssen Mundschutz tragen, können aber endlich wieder arbeiten: Silvana Herrmann (l.) und Nancy Wollmann sortieren im Geschäft Atrium an der Bautzener Reichenstraße Ware ein.
Sie müssen Mundschutz tragen, können aber endlich wieder arbeiten: Silvana Herrmann (l.) und Nancy Wollmann sortieren im Geschäft Atrium an der Bautzener Reichenstraße Ware ein. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Bischofswerda/Kamenz. Lotte mag nicht. Immer wieder streift sich die Dreijährige die kleine Maske vom Gesicht. Doch kaum ist das Stückchen Stoff ab, zieht es Mama Diana wieder drauf. „Du brauchst doch ein paar neue Schuhchen“, erklärt die junge Frau ihrer Tochter. „Wenn Du das hier aufhast, siehst Du mit den neuen Schuhen ganz besonders schick aus.“ Das zieht, Lotte gibt ihren Widerstand auf, und beide betreten maskiert die Deichmann-Filiale im Bautzener Marktkauf-Center.

Außer dem Modehändler Kress haben hier seit Montag alle Geschäfte wieder offen. Das lockt so viel Kundschaft, dass die Autoschlange vorm Parkplatz an die Vorweihnachtszeit erinnert. Kistenweise werden Balkonpflanzen aus dem B-1-Baumarkt gekarrt. Vor dem Eingang hat die Marktleitung mit Bändern einen Weg für die Wartenden markiert. Vor allem Männer reihen sich ein.

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Niemand murrt, stattdessen sagen viele: „Endlich!“ Nebenan, bei der Billigmarktkette Tedi, reibt eine Verkäuferin mit Desinfektionsmittel über jeden Einkaufswagen. Während diese Filiale wieder Kunden empfängt, muss Tedi seine Neueröffnung im Bautzener Kaufland weiter verschieben – die Ladenfläche dort ist zu groß. Vor dem Eingang zum Kaufland steht ein Mann vom Wachschutz. Er achtet penibel darauf, dass nur Leute mit Mundschutz hineingehen. Wer so etwas noch nicht hat, kann bei ihm für vier Euro eine einfache Maske kaufen.

Schlangestehen vorm B 1-Baumarkt im Bautzener Marktkauf-Center. Gleich am ersten Tag, an dem die Baumärkte wieder öffnen durften, herrschte hier Hochbetrieb.
Schlangestehen vorm B 1-Baumarkt im Bautzener Marktkauf-Center. Gleich am ersten Tag, an dem die Baumärkte wieder öffnen durften, herrschte hier Hochbetrieb. © SZ/Uwe Soeder

Ein Einkaufsbummel auf der Bautzener Reichenstraße gerät an diesem Montagvormittag zum Schaulaufen der Masken-Fantasie. Wenige Menschen tragen nur einfach ein Stück weißen Stoff vor Mund und Nase. Es dominieren Farben. Blaudruckmaske grüßt Regenbogenschal. Eine Frau hat sich mit viel Geschick ein Textil mit Blumenmotiven genäht. „Aber schreiben Sie nicht meinen Namen in die Zeitung“, bittet sie. „Sonst komm’ ich nicht mehr zum Schlafen.“

Über einer bunten Maske leuchten die Augen von Marie Lasseg. Die junge Frau verkauft in Evis Deko-Café am Reichenturm gerade zwei Törtchen. „Es waren schon einige Kunden da“, freut sie sich. „Es muss ja auch alles erst wieder anlaufen.“ Der Törtchen-Käufer verlässt den Laden mit dem derzeit meist zu hörenden Wunsch: „Bleiben Sie gesund!“Gegenüber strömt verführerischer Duft aus dem kleinen Laden von Kräuter-Seifert. Weil vieles hier als Lebensmittel gilt, durfte das Geschäft als eines von wenigen in den jüngsten Wochen offen bleiben. „Ich bin froh, dass die anderen jetzt wieder aufhaben“, sagt die freundliche Verkäuferin. „So ist wieder mehr Laufkundschaft unterwegs.“

Ein paar Meter weiter, im Modegeschäft Atrium, sortieren Silvana Herrmann und Nancy Wollmann Jeans in die Regale. „Die ersten Kunden waren schon da“, sagt Nancy Wollmann durch ihr buntes Textil vorm Gesicht. „Bisher halten sich auch alle an die Maskenpflicht.“ In der Parfümerie Thiemann holt sich eine Kundin duftende Produkte ab, die sie während der Schließung per Internet bestellt hatte.

Hinter dem Tresen lächelt Heike Basler. „Wir haben heute mit Ansturm gerechnet, und der ist auch gekommen. Auf Wellness und schöne Düfte wollen die Menschen eben auch in diesen Zeiten nicht verzichten.“ Nun müssten nur noch die anderen Läden an der Reichenstraße wieder aufmachen, sagt Heike Basler. Der Modeladen Colloseum, das Kunsthandwerksgeschäft und einige andere sind nach wie vor zu.

Im Hagebaumarkt in Großröhrsdorf desinfiziert Azubi Theo Schneider die Einkaufwagen.
Im Hagebaumarkt in Großröhrsdorf desinfiziert Azubi Theo Schneider die Einkaufwagen. © Matthias Schumann

Vor dem Hagebau-Markt in Großröhrsdorf desinfizieren zwei Mitarbeiter alle Wagen und kontrollieren den Mundschutz. Falls doch mal Kunden ohne auftauchen, kann auch Mundschutz gekauft werden. „Wir wollen keinen Kunden abweisen“, so Vorstand Mirko Lösch von der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft Kamenz. Bei Kaufland, eine Etage tiefer, stoppt der Wachdienst einen älteren Herrn, der es „ohne“ probieren will. Der Mann hält das Ganze für etwas überzogen, lässt er durchblicken.

Eine Krankenschwester auf dem Weg zum Einkauf nicht. Sarah Geissler hat für sich, Kollegen und Freunde genäht: „So schützen wir die anderen vor den Keimen.“ Bei Fuß und Schuh am Kamenzer Markt zupft Daniela Burkhardt ihren Mundschutz zurecht. Sie bedauert, dass der verkaufsoffene Sonntag gefehlt hat, und hofft, dass die Kunden nun ihre Einkäufe nachholen.

Am Kamenzer Markt bilden sich an so manchem Laden kleine Schlangen, wie am Uhren- und Schmuckgeschäft. Dort hat sich Gerd Kupka eingereiht mit seiner defekten Küchenuhr, wie alle mit Mundschutz. Der sei in Ordnung: „Hauptsache, die kleinen Läden haben endlich wieder offen.“ Das sagen auch Rita und Jürgen Haase in Pulsnitz. Der Rentner ist vom selbst genähten Schutz überzeugt. Die Gattin meint, man hätte schon eher beginnen sollen, sich aber auf Nahverkehrsmittel beschränken.

Auch Kerstin Frommberger vom Wäschegeschäft auf dem Pulsnitzer Markt ist heilfroh, dass sie ihren Laden wieder aufschließen darf. Lange wäre es finanziell nicht mehr gegangen. Die Hilfe für Kleinunternehmen sei auch noch nicht eingetroffen. Kein Stück habe sie von der Frühjahrsware bisher verkaufen können. Die Zeit sei quälend gewesen – nicht krank, nicht im Urlaub und doch zu Hause.

Im Uhrengeschäft am Kamenzer Markt hatte Steffen Anders am Montag viel zu tun. Bis zum Nachmittag tauschte er knapp 50 Uhrenbatterien.
Im Uhrengeschäft am Kamenzer Markt hatte Steffen Anders am Montag viel zu tun. Bis zum Nachmittag tauschte er knapp 50 Uhrenbatterien. © Matthias Schumann

Bischofswerdaer Innenstadthändler reflektieren den ersten Öffnungstag nach vier Wochen Zwangsschließung unterschiedlich. „Relativ gut“ lief es in der Buchhandlung Heinrich an, sagt Inhaberin Mandy Heinrich. Annemarie Gierth vom Haus der Dame differenziert: Gleich am Morgen seien einige Stammkunden dagewesen. Ansonsten laufe es langsam an. „Vor allem ältere Kundinnen sind verunsichert, auch weil sie noch keine Maske haben.“

Annemarie Gierth hatte einige Schutzmasken besorgt. Die waren in der ersten halben Stunde weg. Auch Reisebüros sind wieder geöffnet. Aber bis Normalität einzieht, werde es noch Monate dauern, erwartet Ria Meusel vom Reisebüro Unger. „Die meisten Reisen, die wir verkaufen, gehen ins Ausland. Da läuft im Moment wegen der Beschränkungen gar nichts.“ 

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