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Döbeln

Städte verschärfen Krisenmanagement

Sperrungen, Kontrollen, Schließungen – weil es immer wieder Unbelehrbare gibt, greifen die Verwaltungen durch.

Roßwein hat am Donnerstag den Markt gesperrt.
Roßwein hat am Donnerstag den Markt gesperrt. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Die Stadt Roßwein hat auf die Ansammlung vorwiegend Jugendlicher auf dem Marktplatz reagiert. „Wir haben seit Donnerstag den Markt gesperrt“, sagte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Lediglich der Wochenmarkt mittwochs ist noch genehmigt.

Markt in Roßwein gesperrt

​Am Mittwoch hatte die Polizei eine Gruppe von Jugendlichen aufgelöst, die sich dort versammelt hatte (wir berichteten). „So etwas wollen wir künftig verhindern“, so Lindner. Zumindest am Donnerstagabend habe die Marktplatz-Sperrung gefruchtet. „Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt.“ Es könne auch sein, dass sich die Jugendlichen derzeit anderswo treffen.

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Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien unterwegs, um Gruppenansammlungen auch an anderen Orten aufzulösen. „Wir beziehen da auch die Bushaltestellen oder das kleine Häuschen am Hammerweg mit ein“, sagte Lindner. Größtenteils seien es junge Menschen, die sich uneinsichtig zeigten. Ich möchte da vor allem an die Eltern appellieren, ihre Kinder dahingehend verstärkt aufzuklären“, so Lindner. Der beste Schutz sei es jetzt, zu Hause zu bleiben. Gleichzeitig bedankte sich Linder bei allen, „die in der jetzigen Situation die Fahne hochhalten und aus beruflichen Gründen raus müssen.“

Waldheim schließt Rathaus ganz

​Ab Montag, 23. März, schließt die Stadtverwaltung Waldheim auch das Bürgerbüro. Dieses war als letzte Anlaufstelle für die Waldheimer bislang noch offen gehalten worden. Die Bürger sollen nun ausschließlich per Telefon (034327 57210 oder 034327 57216) oder per E-Mail Kontakt zum Rathaus aufnehmen. Persönliche Vorsprachen sind ausschließlich nach Vereinbarung möglich. „Die aktuelle Lage zwingt uns zu weiteren Maßnahmen“, sagte Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Eine Infektion von Mitarbeitern soll verhindert werden, um die Verwaltung arbeitsfähig zu halten. „Wir müssen die Möglichkeit haben, beim Ausfall von Personal andere Kollegen einsetzen zu können“, so Ernst.

Eine Quarantäne für das gesamte Haus müsse unbedingt vermieden werden. Auch innerhalb der Verwaltung seien vorsorglich einige Maßnahmen umgesetzt worden. So arbeiten die meisten Kollegen nur noch einzeln in den Büros. Auch der innerbetriebliche Kontakt laufe fast ausschließlich über Telefon oder auf elektronischem Weg per E-Mail.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<< 

Außerdem hat die Kommune auf ihrer Internetseite ein Informationsportal speziell zur Corona-Krise eingerichtet. Dort finden die Bürger zeitnah neue Informationen, genauso wie in Aushängen in den Schaukästen am Rathaus und in den Ortsteilen.

Zu rigorosen Maßnahmen wegen größerer Menschenansammlungen sei es bis Freitagnachmittag in Waldheim nicht gekommen. „Wir sind einem Hinweis nachgegangen, dass sich auf dem Augustinerplatz etliche Leute versammelt haben“, sagte Ernst. „In so einem Fall sprechen wir die Leute freundlich an und klären sie auf“, sagte er. Die meisten seien einsichtig und bringen Verständnis auf. Für Steffen Ernst ist dieses auch unbedingt notwendig: „Schließlich wollen wir alle gesund aus dieser Nummer wieder rauskommen.“

Mehr Kontrollen in Hartha

​Auch in der Stadt Hartha wird seit Donnerstag verschärft kontrolliert. Wie Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) berichtet, seien Mitarbeiter vom Ordnungsamt unterwegs und würden Menschenansammlungen auflösen. Vor allem bei Jugendlichen würden die aktuellen Maßnahmen noch nicht so recht wahrgenommen. „Die Treffs der Gruppen verlagern sich nun von der Schule auf öffentliche Plätze. Die Mitarbeiter sind angehalten, die Bürger zu sensibilisieren“, sagte Kunze.

Auch ältere Bürger seien noch sehr zahlreich im Stadtgebiet unterwegs. „Das ist sehr kritisch anzusehen, weil genau sie die Risikogruppe darstellen, die wir versuchen zu schützen“, erklärte der Bürgermeister. Er richtet seinen Appell noch einmal ganz deutlich an diese Bevölkerungsgruppe: „Bitte bleiben Sie zu Hause. Rufen Sie Ihre Nachbarn an und fragen Sie diese, ob sie Lebensmittel mitbringen können.“ Auch Spaziergänge in Gruppen sollten vermieden werden. Die Krankheit sei sehr gefährlich und ansteckend. „Auf Bildern aus Italien sehen wir viele Bilder von Corona-Leichen. Das mögliche Ergebnis einer Ansteckung sollte nun auch hier ankommen“, meinte das Stadtoberhaupt.

Die Verwaltung in Hartha ist unterdessen weiterhin per Telefon und E-Mail zu erreichen. Persönliche Gespräche seien nur im äußersten Notfall erlaubt. „Ansonsten kommunizieren wir auch viel über die Wechselsprechanlage“, so Kunze. Bestätigte Fälle oder Verdachtsfälle sind dem Bürgermeister bisher nicht bekannt.


Appell an die Leisniger

​Die Stadt Leisnig hat einen Krisenstab eingerichtet. Dieser hat am vergangenen Sonnabend zum ersten Mal getagt. Zugegen waren auch externe Berater. „Seit Montag gibt es täglich Beratungen in kleinerer Runde“, sagte Uwe Dietrich, Leiter des Ordnungsamtes. Das Rathaus bleibt vorerst für Bürger und Besucher geschlossen (wir berichteten). Alle Veranstaltungen sind abgesagt, das Vereinsleben ist praktisch stillgelegt. Die Feuerwehr hat ihre Jahreshauptversammlung verschoben, die Dienste in den einzelnen Ortswehren sind vorerst ausgesetzt.

Bürgermeister Tobias Goth richtet einen Aufruf an die Bürger. „Das Coronavirus zwingt uns jetzt zu vielen schwierigen und bitteren Entscheidungen in unserem gesellschaftlichen Leben. 

Das ist neu. Das kannten wir bisher nicht. Deshalb appelliere ich an uns alle, die vom Bund und dem Freistaat Sachsen erlassenen Verfügungen, Maßnahmen und Verhaltensregeln unbedingt zu beachten und einzuhalten. Meiden Sie so gut wie möglich die sozialen Kontakte! Zum Schutz aller Menschen, seien Sie solidarisch und bleiben Sie zu Hause, wenn Sie nicht dienstlich oder zur Eigenversorgung Ihre Wohnung verlassen müssen. Wenn wir uns alle daran halten, werden wir gemeinsam diese schwere Zeit überstehen“, sagte Goth. Die Stadt habe in den vergangenen Tagen Kontrollen durchgeführt und werde dies auch weiterhin tun. „Einige Bürger haben wir auf ihr Fehlverhalten hingewiesen“, so Bürgermeister Goth.

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