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Stickig und teuer: Unmut über die Masken wächst

Die ersten weigern sich, der Maskenpflicht nachzukommen. Schuld daran ist auch der Streit über ihre Wirksamkeit.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen gilt in fast allen Bundesländern eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkaufen.
Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen gilt in fast allen Bundesländern eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Einkaufen. © dpa/Sebastian Gollnow

Die Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln empfinden viele als Belastung. Auch beruflich sind viele Menschen zum Masketragen verpflichtet – stundenlang. Das schaffen nicht alle, dabei ist noch nicht mal Sommer.

Mir wird unter der Maske die Luft knapp. Was kann ich tun?

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Vor allem Pollenallergiker, Asthmatiker und Menschen mit chronisch verengten Atemwegen können unter der Maske Atemprobleme bekommen. „Für 15 Minuten im Geschäft oder in der Bahn sollte das Masketragen aber auch für sie möglich sein. Wenn nicht, handelt es sich meist um Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf. Diese sollten sich dann fragen, ob die Wege unbedingt notwendig sind“, sagt Dr. Christian Geßner, Vorsitzender des Berufsverbandes der Pneumologen in Sachsen. Über mehrere Stunden die Maske im Job tragen zu müssen, sei schon eine höhere Belastung, zum Beispiel beim Pflegepersonal. „Wer das nicht schafft, sollte mit seinem Arbeitgeber sprechen, ob eine alternative Tätigkeit möglich ist. Der Pneumologe – der Lungenfacharzt – kann auch ein Attest ausstellen.“ Grundsätzlich sollten Masken nicht ununterbrochen getragen werden. Häufige kurze Pausen zum Durchatmen seien wichtig. Ohnehin müssten durchfeuchtete Masken getauscht werden.

Ich schwitze unter der Maske. Ist das schädlich für die Haut?

„Bei längerem Tragen, ja“, erklärt Norbert Kolbig von der Stabstelle Wundmanagement am Uniklinikum Düsseldorf. Wenn man die Maske sechs bis acht Stunden am Tag tragen müsse, bilde sich Feuchtigkeit auf dem entsprechenden Hautareal. Sie weiche die Hornschicht der Haut auf, sodass Keime leichter eindringen könnten. „Außerdem kommt es zu einer Verschiebung des pH-Wertes auf der Hautoberfläche, wodurch die Haut ihren natürlichen Säureschutzmantel einbüßt.“ Entzündungen könnten die Folge sein. Nach dem Sars-Ausbruch 2003 in Singapur wurde medizinisches Personal dazu befragt. Dabei hätten 51 Prozent über vermehrte Akne, knapp 60 Prozent über Juckreiz im Gesicht und 36 Prozent über Kontaktdermatitis mit Ausschlag geklagt.

Was kann ich gegen Hautprobleme durch langes Masketragen tun?

Die Fachleute des Düsseldorfer Uniklinikums empfehlen, die Haut kurz mit sanften, pH-neutralen Reinigungsmitteln zu reinigen, die Kontaktzeit mit Wasser aber so gering wie möglich zu halten, wobei körperwarmes Wasser heißem vorzuziehen sei. Eine Hautpflege ohne Duftstoffe sollte dünn und mehrmals täglich aufgetragen werden. Alle zwei Stunden werden Pausen empfohlen, in denen die Haut ohne Maske gut abtrocknen kann. Danach die Maske wechseln. Wenn die Haut zu jucken beginnt, könne eine Kontaktallergie die Ursache sein. Dann sollte eine Maske aus anderem Material verwendet werden.

Lästiges Problem: Die Brillengläser laufen beim Masken-Tragen an. Doch es gibt einen Trick.
Lästiges Problem: Die Brillengläser laufen beim Masken-Tragen an. Doch es gibt einen Trick. © Bernd Thissen/dpa

Meine Brillengläser beschlagen mit der Maske. Wie lässt sich das verhindern?

Das Problem entsteht, wenn warme Atemluft durch die Maske nach oben entweicht und an den kälteren Brillengläsern kondensiert. „Die Maske sollte deshalb so eng wie möglich anliegen, besonders im oberen Teil direkt unter der Brille“, sagt Timm Koedel, Apotheker aus Potsdam. So ströme weniger Atemluft an die Gläser. Er empfiehlt einen Trick, der sich auch im Winter gegen beschlagene Brillengläser bewährt hat: „Milde Flüssigseife ohne Alkohol wird in geringer Menge mit einem Tuch auf den Gläsern verteilt. Kurz antrocknen lassen, nicht abspülen, sondern trocken polieren.“

Es gibt zwar wieder genügend Masken. Doch warum sind sie so teuer?

„Das liegt an der extremen Nachfrage weltweit“, sagt Uwe Haufe, Inhaber von Kunath-Hygiene Großröhrsdorf, der als Großhändler auch Apotheken beliefert. „In Deutschland gibt es ja keine Produktion mehr. Die Masken kommen fast alle aus China, und die halten jetzt die Hand auf.“ Der Großhändler hofft, dass Deutschland lernt und den Mundschutz wieder selbst produziert. Die Preise seien ihm zufolge um das 50- bis 100-fache gestiegen. Hinzu kommen die Transportkosten. „Früher kamen die Masken per Schiff, heute werden sie eingeflogen. Das kostet.“ Bekam man vor Corona 50 Stück dreilagige OP-Masken für 1,20 Euro, müsse man das heute im Einkauf schon pro Stück einplanen. Für den Endverbraucher liege der Preis dann durchaus bei drei bis vier Euro pro Stück. „Wir sind noch weit entfernt vom Normalen“, sagt er. Online gibt es auch günstigere Angebote. Im Schnitt werden dort – abhängig von Packungsgröße und Bestellmenge – 50 Cent pro Maske fällig.

Was passiert, wenn ich mich weigere, eine Maske zu tragen

Geschäftsinhaber oder deren Beauftragte sind verpflichtet dafür zu sorgen, dass die bestehenden Regelungen eingehalten werden, so das Sozialministerium Sachsen. Das gleiche gilt für den ÖPNV. Bußgelder werden nicht verhängt, im Extremfall muss mit Geschäftsschließung gerechnet werden. Der Verkehrsbetrieb kann den Fahrer anweisen, nur Personen zu befördern, die eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Sind die Masken überhaupt sinnvoll? Und wen schützt man damit?

Diese Fragen werden selbst in der Ärzteschaft kontrovers diskutiert. Während sich Virologen der Charité und der Chef des Robert-Koch-Institutes zu Beginn der Corona-Pandemie noch gegen eine Maskenpflicht aussprachen, sehen sie in ihr jetzt einen „guten Infektionsschutz“. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung betrachtet die Maske aber nach wie vor nur als „Symbol“, solange kein rechtmäßiger Gebrauch gewährleistet sei. Schützen würden nur bestimmte Masken – vornehmlich die Person gegenüber. Dagegen argumentiert der langjährige Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Professor Klaus-Dieter Zastrow: „Selbstverständlich schützt eine handelsübliche OP-Maske zu 99 Prozent auch den Träger. Als Hygienearzt bin ich verpflichtet, vor dem Betreten eines Zimmers, in dem infektiöse Patienten liegen, einen Mund-Nase-Schutz aufzusetzen. Sicher nicht, um die Patienten vor mir zu schützen, sondern umgedreht.“ Die Behauptung, die Maske schütze nur den anderen, würde auch die Maskenpflicht im OP konterkarieren. Um seine Aussage zu bekräftigen, empfiehlt er ein Experiment. Dazu solle man sich mit vorschriftsmäßig angelegter Schutzmaske vor eine brennende Kerze setzen. Beim normalen Ausatmen bewege sich die Flamme nicht. Die Luft entweiche an den Seiten der Maske. Das heißt, das Gegenüber ist weitestgehend geschützt. Doch auch beim kräftigen Einatmen bleibe die Flamme ruhig, was aus seiner Sicht den Eigenschutz belegt. „Viren haben keine Flügel. Sie brauchen Wassertröpfchen, um transportiert zu werden. Eine Mund-Nasen-Maske – auch selbst genäht – ist eine zuverlässige Barriere.“

Wieso muss ich dann trotz Maske noch einen Sicherheitsabstand halten?

Professor Zastrow zufolge braucht man mit Maske keinen Sicherheitsabstand mehr. Zahnärzte tragen den Mund-Nasen-Schutz, um sich vor Spritzern und Blut-Wasser-Aerosolen aus der Mundhöhle des Patienten zu schützen, denn auf diesem Weg können Krankheiten übertragen werden. Den empfohlenen Abstand von 1,5 oder zwei Metern hätte noch niemand untersucht. Das sei eine erdachte Distanz. Beim Husten und Niesen fliegen die Tröpfchen weiter als 1,5 Meter, und beim normalen Sprechen fallen sie vorher herunter.

Wie lange ist im öffentlichen Raum noch Schutzmaske zu tragen?

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Das hängt von den Vorgaben der Landesregierungen ab, die sich an den Infektionszahlen orientieren. Wird die Pflicht aufgehoben, empfiehlt Zastrow gefährdeten Personen, weiterhin eine Maske zu tragen, wenn sie mit anderen zusammenkommen. „Denn Corona ist nicht weg. Erst wenn etwa 70 Prozent der Bevölkerung dagegen immun sind, kann man von einem ausreichenden Schutz auch für Risikopersonen ausgehen“, so der Hygieniker. Das sei der Fall, wenn es eine Impfung oder ein wirksames Medikament gebe. Komme beides nicht, dauere der Prozess fünf bis sieben Jahre. Bis dahin könne man das Verbreiten der Viren durch eine Maske verhindern.

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