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Döbeln

Stillstand hier, volle Produktion da

Die Wirtschaft in der Region Döbeln ist von der Corona-Krise unterschiedlich betroffen. Mit Vorsicht wird aber überall agiert.

Die Firma Partzsch Elektromotoren hat in diesen Tagen trotz Corona-Krise noch gut zu tun.
Die Firma Partzsch Elektromotoren hat in diesen Tagen trotz Corona-Krise noch gut zu tun. © Lisa Stagge

Döbeln. Auch wenn das öffentliche Leben aufgrund der Corona-Krise weitgehend eingeschränkt ist, wird doch in vielen Betrieben in der Region noch gearbeitet. Es gibt aber auch Firmen, die Kurzarbeit anmelden mussten. In einigen Autohäusern ist der Verkauf praktisch zum Erliegen gekommen.

Partzsch produziert ohne Abstriche

​Bei der Firmengruppe Partzsch Elektromotoren läuft die Produktion in vollem Umfang. „Das Corona-Virus hat bisher keine negativen Auswirkungen“, sagt Marketingleiterin Madlen Gabsch. Das betreffe auch die Materialversorgung. Wie lange das so bleiben kann, vermag sie nicht zu sagen. „Wir schauen von Tag zu Tag“, so Gabsch. Einige Mitarbeiter arbeiten verkürzt. Das liegt aber vor allem daran, dass sie ihre Kinder betreuen müssen. „Wir versuchen, für alle Angestellten eine praktikable Lösung zu finden“, so Gabsch. 

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Im Firmengelände wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen, um die Gefahr einer Ansteckung auf ein Minimum zu beschränken. Kundenbesuche und Dienstreisen finden aktuell nicht statt. Jeglicher Kontakt zu Kunden und Lieferanten wird momentan telefonisch, via Skype-Konferenzen oder Mailverkehr getätigt. „Man merkt in dieser Situation deutlich, wie alle enger zusammenrücken und gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Madlen Gabsch.

Fahren für die Supermärkte

​Die 95 Mitarbeiter der Spedition Kipping in Hartha haben ebenfalls gut zu tun. Ein Großteil der Aufträge wird für die Lebensmittelbranche gefahren. Die Auswirkung der Corona-Krise merken die Fahrer vor allem dadurch, dass sich die Be- und Entladezeiten deutlich verlängert haben. „Von Staus an der Grenze sind wir nicht betroffen, weil wir fast nur in Deutschland unterwegs sind“, sagt Liddy Massow von der Geschäftsleitung. Sie hält dennoch nicht viel davon, das Sonntagsfahrverbot für Lkw zu lockern. „Es müssen ja dennoch die Ruhezeiten eingehalten werden. Und nicht jeder Supermarkt wird jetzt sonntags öffnen“, so Massow.

Keine Engpässe bei Pierburg

​Das Werk der Pierburg Pump Technology GmbH in Hartha aktuell von der Krise nicht betroffen. Die Werkschließungen der Fahrzeughersteller schlagen im Pierburg Werk in Hartha noch nicht durch. „Welche Auswirkungen dies aber künftig haben wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Bislang gibt es keine akuten Engpässe in der Lieferkette, sodass die Produktion stabil versorgt werden kann“, sagte Manuela Schall, Pressereferentin bei der Rheinmetall Automotive AG. 

Ein Krisenstab kommt täglich zusammen und stimmt notwendige Themen und Maßnahmen ab. Die Hygienemaßnahmen wurden maximal erhöht, Meetings auf das betrieblich Notwendige reduziert und externe Besuche drastisch eingeschränkt. „Zugleich wurde ein flächendeckendes Dienstreiseverbot ausgesprochen. Mobiles Arbeiten wird forciert und gewährt, wo es die betriebliche Möglichkeit erlaubt“, so Schall. Kantinenzeiten und Essensausgaberegeln wurden angepasst sowie Risikofragebögen implementiert. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<< 

Außerdem gibt es einen Info-Newsletter für alle Mitarbeiter, der die Belegschaft auf dem aktuellen Stand hält. „Insgesamt gehen die Mitarbeiter sehr gefasst und vorbildlich mit der Situation um. Bislang gibt es im Werk in Hartha keinen bestätigten Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus“, sagt Manuela Schall.

Die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus werden bei der Beiersdorf AG sorgfältig verfolgt. „Tagesaktuell wird über etwaige Anpassungen unserer umfangreichen betrieblichen Maßnahmen zur Prävention und Geschäftskontinuität entschieden“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens, zu dem auch das ehemalige Florena-Werk in Waldheim gehört. Alle Beiersdorf-Standorte sowie Tochtergesellschaften haben Pläne entwickelt und umfangreiche Vorkehrungen getroffen, um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und gleichzeitig den Betrieb auch unter diesen herausfordernden Bedingungen möglichst erfolgreich weiterzuführen. In Waldheim werden zurzeit medizinische Desinfektionsmittel produziert (wir berichteten). 

Maßnahmen zur Risikominimierung sind frühzeitig angelaufen: intensivierte Desinfektions- und Sicherheitsroutinen in den gesamten Einrichtungen, Reise-, Konferenz- und Zutrittsbeschränkungen sowie regelmäßige Mitarbeiterinformationen zu Präventionsmaßnahmen, Maßnahmen zum Schichtwechsel sowie zu den Kantinen und Gemeinschaftsräumen, um Mitarbeiteransammlungen und nicht notwendige soziale Kontakte präventiv zu reduzieren. Außerdem befinden sich einige Mitarbeiter aus dem administrativen Bereich seit Anfang dieser Woche im Home Office.

Schichtarbeit angepasst

​Die etwa 300 Mitarbeiter bei Endress+Hauser in Waldheim stellen Sensoren für Flüssigkeitsanalyse her. Trotz Corona-Krise läuft die Produktion in vollem Umfang. Allerdings wurden einschneidende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. „Wir haben die Zeiten der Schichten in der Produktion so angepasst, dass sich die Mitarbeiter nicht mehr begegnen“, sagt Pressesprecher Stephan Köhler. Dort wo es möglich ist, arbeiten die Mitarbeiter der Verwaltung von zu Hause aus.

Kurzarbeit unumgänglich

​Die Rasoma Werkzeugmaschinen GmbH in Döbeln bekommt die Auswirkungen der Pandemie dagegen deutlich zu spüren. Von 90 Mitarbeitern wurden 60 in die Kurzarbeit geschickt. „Die Maschinen stehen vorabgenommen und versandfertig bei uns. Die Auslieferung und der Aufbau beim Kunden sind aber kaum möglich, weil die Auftraggeber niemanden in ihre Unternehmen lassen“, sagt Geschäftsführer Marcus Kamm. Die Firma habe deshalb Kurzarbeit beantragt. „Wir sind dabei gut von der Arbeitsagentur unterstützt worden“, sagt Kamm. 

Er hofft, dass die Auswirkungen möglichst gering bleiben. Durch die spätere Auslieferung verschiebe sich der Geldeingang nach hinten. Auch beim Aufbau der Maschinen könnte es dadurch Probleme geben. Für die Mitarbeiter, die nicht in Kurzarbeit geschickt wurden, gelten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen. „Dort, wo es möglich ist, arbeiten die Kollegen von zu Hause aus“, so Kamm. Besprechungen werden bewusst in kleineren Runden abgehalten, um den nötigen Abstand einhalten zu können.

Verkaufsstopp in Autohäusern

​Kunden, die im Autohaus Döbeln ein neues Fahrzeug kaufen wollen, müssen sich wohl noch eine ganze Weile gedulden. „Der Verkauf von Fahrzeugen, Ersatzteilen und Zubehör ist bis zum 20. April 2020 vom Gesetzgeber als unzulässig erklärt und findet in dieser Zeit nicht statt. Unser Verkaufsteam kann Sie gern telefonisch oder per E-Mail beraten“, heißt es in einer Information, die am Autohaus ausgehängt ist. „Bei Verkaufsgesprächen ist der notwendige Sicherheitsabstand nicht gewährleistet. 

Die Maßnahme dient dem Schutz der Kunden und des Personals“, begründet eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Reparatur von defekten Fahrzeugen sei aber weiterhin möglich. Die Gruma Automobile GmbH weist auf ihrer Facebook-Seite darauf hin, dass Präsentationsräume und Verkaufsflächen vorerst geschlossen bleiben. Dennoch sei das Vertriebsteam telefonisch oder per E-Mail erreichbar. „Verkaufsgespräche sind also ab sofort auch von zu Hause aus möglich“, heißt es. Eine reduzierte Besetzung durch das Service- und Werkstattteam bleibe gewährleistet. 

Im Autohaus Ertl in Döbeln werden die Verkaufsgespräche in der Filiale ebenfalls gestoppt. Allerdings werden bereits gekaufte Fahrzeuge noch ausgeliefert. Auch der Reparaturservice bleibt vorerst bestehen.

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