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Löbau

Corona-Streife kommt per Feuerwehr

Ob sich alle an die geltenden Regeln halten, kontrollieren in Löbau städtische Teams. Eine Suche nach Knackpunkten und Disziplin der Bürger.

Im Feuerwehrauto kontrollieren Löbaus Angestellte die Corona-Regeln auch auf Spielplätzen. Gäbe es einen Feuerwehreinsatz, hätte der aber Priorität.
Im Feuerwehrauto kontrollieren Löbaus Angestellte die Corona-Regeln auch auf Spielplätzen. Gäbe es einen Feuerwehreinsatz, hätte der aber Priorität. © Matthias Weber/photoweber.de

Rums, die Schiebetür des roten Kleinbusses rastet ein und der Mannschaftstransportwagen der Löbauer Feuerwehr ruckelt über das Pflaster des  Löbauer Altmarktes. Ein ungewöhnlicher Einsatz steht bevor. An Bord: zwei Mitarbeiter der Löbauer Stadtverwaltung - zugleich Feuerwehrmitglieder. Ihre Mission: kontrollieren, dass sich alle an die Corona-Regeln, also die sogenannte Allgemeinverfügung, halten. Ihr Einsatzgebiet: die Stadt Löbau sowie die Orte der Verwaltungsgemeinschaft, also Lawalde, Großschweidnitz und Rosenbach. "Wir sind jeden Tag - auch am Wochenende - in Teams zu mehreren Runden unterwegs", erzählt der Mann, der am Steuer sitzt und der hier Frank Meier heißen soll, weil er seinen echten Namen nicht in den Medien lesen will.

Seit Montag vor einer Woche laufen die Kontrollstreifen per Feuerwehrauto, in dem man sich auch im Innenraum definitiv nicht zu nahe kommen muss. Obendrein ist das Rot des Wagens für viele Bürger Signal genug: "Wenn wir um die Ecke biegen, sieht man manchmal, dass sich ganz rasch drei, vier Menschen trennen, die zuvor noch zusammengestanden und sich unterhalten haben", erklärt Meier, lenkt dann aber sofort ein: "Größtenteils halten sich die Leute aber an die Regeln, es ist inzwischen weitaus mehr Bewusstsein für die Lage da als noch vor 14 Tagen." Dass manche älteren Mitbürger die Corona-Regeln ein bisschen legerer nehmen, haben auch die beiden schon bemerkt: "Aus welchem Grund auch immer", sagt Meier und zuckt die Schultern. "Mancher muss eben jeden Tag einkaufen gehen, weil er das sonst auch immer tut", kommentiert er und schmunzelt.  

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Einkaufsmärkte besonders im Visier

Einkaufen! Die großen Märkte in der Stadt sind die Orte, wo man derzeit die meisten Menschen trifft. Und so führt die erste Tour an diesem sonnig-frischen Vormittag zu den Supermärkten, mit denen Löbau reich gesegnet ist. Zunächst biegt der Feuerwehrwagen auf den Parkplatz des kleinen Einkaufscenters in der Sachsenstraße ein. Autos stehen hier einige, voll ist der Parkplatz um 10.15 Uhr aber nicht. Das Bild bei Kaufland oder Netto ist ähnlich. Frank Meiers Augen und die seines Kollegen scannen die Gegend ab. Nichts Verdächtiges zu sehen. "Die meisten Märkte haben Sicherheitsdienste", erklärt Meier beim Vorbeifahren. Nur, wenn das nicht funktionieren sollte, greift die Corona-Streife der Stadt ein. Von Prügeleien um Klopapierrollen oder Gerangel beim Anstehen haben sie jedenfalls noch nichts zu hören bekommen. Und wenn es soweit wäre, müsste ohnehin die Polizei anrücken.

Dass es beim Einkaufen bestimmte Rhythmen gibt, haben Meier und seine Kollegen, die sich in die Dienste teilen, rasch festgestellt: Vormittags gebe es einen ersten Ansturm, dann folgt die Mittagsdelle und danach der Nachmittagseinkauf. Nach wie vor ist vor dem Wochenende die Kunden-Frequenz besonders hoch. Oder, wenn es spezielle Angebote gibt. "Ehrlich gesagt, wäre ich dafür, in diesen Zeiten die Werbung für Sonderangebote zu verbieten", überlegt Meiers Kollege laut. Das stachele die Leute nur an, in die Einkaufsmärkte zu gehen, obwohl sie das vielleicht sonst nicht getan hätten.

Verdächtig viele Autos auf Parkplatz

Dass Löbau ein Zentrum der Kontrollen ist, liegt auf der Hand: Supermärkte, Firmen, Geschäfte gibt es in den Gemeinden ringsum weitaus weniger. Gerade bei den Gewerbetreibenden mussten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung in den ersten Tagen zunächst einmal besonders hinschauen: "Da haben wir schon einige darauf hingewiesen, dass sie schließen müssen", beschreibt Meier die Unsicherheit der ersten Tage mit häufigen Änderungen der Lage. Das habe sich jetzt entspannt, schwarze Schafe, die ihre Türen unerlaubterweise öffnen, seien nicht gesichtet worden. Genau hingesehen wird aber noch immer: Auf dem Obi-Parkplatz im Gewerbegebiet West fährt die Corona-Streife langsam am Eingangstor des Marktes vorbei. Mehrere Autos stehen auf dem Parkplatz. Hat der Markt heimlich geöffnet? Nein, alles zu, das ist rasch klar.

Illegale Spielplatznutzer haben die Löbauer Corona-Streifen ebenfalls nicht aufgescheucht. Als das Feuerwehrauto in die Fritz-Ebert-Straße einbiegt, liegen auch dort Klettergerüst und Rutsche verwaist in der Sonne. "Die Spielplätze der Stadt sind, wenn möglich, abgeschlossen oder mit Zäunen, Flatterband und Hinweisschildern versehen, Schaukeln haben wir abgehängt", erklärt Frank Meier. "Daran haben sich die Leute gehalten - selbst am Sonnabend, als so schönes Frühlingswetter war", lobt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung. An diesem Tag ist die städtische Corona-Streife auch im Landesgartenschaugelände unterwegs gewesen. Auch da habe man keine großen Probleme gesehen, betonen die Corona-Wächter. Ohnehin sei das Gelände derzeit nur durch wenige Zugänge - wie den in der Vorwerkstraße - zu betreten.

Keine aggressive Stimmung

Beliebt sind auch der Löbauer Berg und der Honigbrunnen. Wie eine kurze Stippvisite bergauf zeigt, herrscht aber auch hier Corona-Ruhe. Keiner genießt die herrliche Aussicht vom "Balkon der Oberlausitz", der mit rot-weißem Flatterband abgesperrt ist. Dass die Verunsicherung der Bürger durchaus groß ist, hört man im Rathaus immer wieder, bestätigt Pressesprecher Marcus Scholz: "Uns erreichen viele Fragen, ob man noch spazieren gehen dürfe, ob man zur Grabpflege auf den Friedhof gehen kann", zählt er auf.

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Die Männer im Feuerwehrauto schätzen die Stimmung aber insgesamt entspannt ein. "Die Kinder winken uns zu, die Leute grüßen", schildert Frank Meier. Angst haben er und seine Kollegen keine. Und da sie im Auto sitzen, bleiben auch die Kontakte zu anderen Menschen gering. Auf dem Rückweg der ersten Tagesrunde noch einmal ein Blick auf die Einkaufsmärkte: Bei Lidl steht inzwischen eine Kundenschlange vor der Eingangstür, ein Security-Mann lässt einzeln ein. Ein anderer reinigt die Einkaufswagen mit einem Hochdruckreiniger. Aber alles ist ruhig: "Die Löbauer sind insgesamt eben sehr diszipliniert", bilanziert Frank Meier.

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