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Corona: Student will Dresdner Schulen helfen

Erik Gebel studiert Lehramt. Er hat eine Initiative gestartet, die Schulen, Schüler und Eltern entlasten könnte. Was er tun will, und wie die Idee ankommt.

Lehramtsstudent Erik Gebel vor seinem alten Gymnasium in Radeberg. Er hat eine Intitiative für Lehramtsstudenten gegründet, die in Schulen während der Coronakrise aushelfen will.
Lehramtsstudent Erik Gebel vor seinem alten Gymnasium in Radeberg. Er hat eine Intitiative für Lehramtsstudenten gegründet, die in Schulen während der Coronakrise aushelfen will. © René Meinig

Dresden. Aufmerksam verfolgt Erik Gebel die aktuelle Situation an den Dresdner Schulen. "Aus der Berichterstattung merkt man, dass einzelne Schulleitungen gerade unter immense Belastungen gestellt und häufig alleine gelassen oder nur unzureichend unterstützt werden", sagt der 22-Jährige. Als Lehramtsstudent für die Fächer Deutsch und Gemeinschaftskunde  bereitet ihm das Sorge. "Wie wäre es, wenn Lehramtsstudierende, welche sich schon in einem fortgeschrittenem Status der Ausbildung befinden, einzelne Schulen bei den zahlreichen Aufgaben auf freiwilliger Basis unterstützen und diese somit personell entlasten könnten?", fragt Gebel.

Er denkt dabei an ganz praktische Hilfen wie Onlinebetreuung von Schülern, Desinfektion von Stühlen und Tischen in den Schulen oder auch Aufsichtstätigkeiten in Hofpausen. "Wenn so ein Verfahren bei Medizinstudenten in Krisensituationen denkbar ist, warum nicht auch bei den Pädagogen", sagt Gebel. Dabei könnten angehende Lehrkräfte auch ganz praktische Erfahrungen sammeln, die niemals in einem klassischen theoretischen Studium dran wären.

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Seine Idee hat der Student bereits in der Fachschaftsratsitzung der TU Dresden für allgemeinbildende Schulen in Dresden präsentiert. Mit Erfolg. "Die haben einstimmig beschlossen, mich zu unterstützen", sagt Gebel.  Auch der Leiter des Zentrums für Lehramts- und Schulbildung der TU-Dresden, Professor Axel Gehrmann, sei von dieser Initiative angetan gewesen und würde seine Infrastruktur zu Verfügung stellen, erzählt der Student. Nun hat sich Gebel auch an den sächsischen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) gewandt.

"Grundsätzlich freuen wir uns über solches Engagement in schwierigen Zeiten", sagt Susann Meerheim von der Pressestelle des Kulturministeriums. Wie die Unterstützung  konkret aussehen könnte, müsste Gebel jedoch mit dem Landesamt für Schule und Bildung oder, noch besser, mit den einzelnen Schulen besprechen. 

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Annette Hähner, die Leiterin des Marie-Curie-Gymnasiums Dresden, reagiert zwiegespalten auf die Initiative des Lehramtsstudenten. "Ich finde es super, dass er sich einbringen will, aber für uns würde es zusätzlich Aufwand mit sich bringen. Die Studenten müssten eingewiesen werden und dazu sind Kollegen notwendig", sagt die Schulleiterin. Außerdem sei jede weitere Person im Schulhaus nicht zielführend. 

"Und leider sind unsere und die technischen Möglichkeiten der Schüler nicht so gut, dass alle die Online-Nachhilfe-Angebote wahrnehmen könnten", sagt Hähner. Sie könnte sich eher ein Nachmittagsangebot für die Schüler vorstellen, zu dem man sich beispielsweise mit großem Abstand an den Elbwiesen trifft und wo Schüler ihre Fragen stellen können. Das müssten die Studenten aber selbstständig organisieren.

"Idee praktisch nicht umsetzbar"

Jürgen Karras, der Schulleiter des Gymnasiums Cotta glaubt nicht, dass Gebels Idee funktioniert. "Wir haben selbst genug damit zutun, vernünftige Lösungen für unsere Schüler zu finden, dass wir nicht noch Zeit haben, Studenten einzuweisen", sagt er. "Klar  ist die Idee erstmal gut, aber praktisch in der jetzigen Situation nicht umsetzbar."   

Erik Gebel war klar, dass es schwierig wird, seine Idee umzusetzen. "Ich verstehe völlig, dass unsere Integration zusätzliche Arbeit wäre. Aber ich finde den Hinweis von der Schulleiterin des Marie-Curie-Gymnasiums sehr gut, direkt mit den Schülern zu kommunizieren", sagt er. Denkbar wäre, sein Angebot über Eltern- oder Schülerräte bekannt zu machen.  

Jetzt wartet er zunächst auf eine Antwort aus dem Kulturministerium, um dann ein konkretes Konzept auszuarbeiten. "Ich denke, dass eine Krise von uns allen Solidarität, Improvisation und das Vertrauen in unkonventionellen Lösungen fordert."

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