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So wird jetzt an der Grenze getestet

Am Freitag ist das neue Corona-Testcenter an der A4 bei Görlitz eröffnet worden. Einfach mal so hinfahren kann man aber nicht - es ist für Einreisende da.

Der Dresdner Arzt Klaus Heckemann nimmt einen Abstrich in dem neuen Testcenter an der A4.
Der Dresdner Arzt Klaus Heckemann nimmt einen Abstrich in dem neuen Testcenter an der A4. © Nikolai Schmidt

Camelia Blanke ist mit ihrer Familie zwei Wochen durch Danzig gereist. Nun ist sie auf der Heimreise nach Baden-Württemberg. Bislang ist die Danziger Region kein Corona-Risikogebiet. Dennoch möchte sie gerne einen Test. „Ich bin Erzieherin“, erzählt sie. Eine Arbeit mit vielen Kontakten und bei dem Abstandhalten sich leichter anhört, als es ist. Nun steht Camelia Blanke vor einem der drei Container, die auf dem A4-Rastplatz „An der Neiße“ aufgebaut sind. Ebenso wie Antje Blankertz-Teichert aus der Kodersdorfer Gegend. Eine Woche Österreich – das war ihr Urlaubsprogramm.

Rückkehrer aus Risikogebieten müssen Test machen

„Wir waren in keinem Risiko-Gebiet. Aber wir wollen einfach Gewissheit haben", sagt sie. Jeder, der über die A4 nach Sachsen einreist, ob deutscher Staatsangehöriger oder nicht, kann sich im neuen Testcenter an der A4 testen lassen. Verpflichtend ist ein Corona-Test für Reisende, die aus Risikogebieten kommen. 

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Allerdings müssen die dafür nicht die Teststation an der Grenze nutzen. Innerhalb von 72 Stunden nach ihrer Rückkehr können sie beispielsweise auch zum Hausarzt gehen. Wenn sie sich aber direkt bei der Einreise testen lassen, können sie – bei negativem Ergebnis – die verpflichtende zweiwöchige Quarantäne verkürzen, erklärt Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen. Innerhalb von ein bis zwei Tagen soll das Ergebnis vorliegen. Die Kassenärztliche Vereinigung betreibt die Stationen – auch an der A17 wurde jetzt eine eröffnet – gemeinsam mit dem Sächsischen Sozialministerium, auch die Malteser sind bei der Infrastruktur mit im Boot.

In einem der Container werden die Daten elektronisch erfasst.
In einem der Container werden die Daten elektronisch erfasst. © Nikolai Schmidt

Der erste Schritt erinnert noch ein bisschen an Urlaub: In der Sonne vor den Containern ist eine Biergarnitur aufgebaut, wo Einreisende zunächst den Antrag auf Coronatestung unterzeichnen und ihre Telefonnummer notieren. Schritt zwei: Im ersten Container sieht es nicht medizinisch aus, sondern technisch. Zwei Computerplätze sind aufgebaut. Über die Krankenkassenkarte werden weitere benötigte Daten wie die Adresse aufgenommen.

Ziel: Dunkelziffer reduzieren

In Bayern war das ein Grund, warum 44.000 Reiserückkehrer, darunter über 900 Infizierte, tagelang auf ihr Ergebnis warteten: Wegen der händischen Datenübertragung und der unerwartet hohen Nutzung der Teststationen war es zu Verzögerungen gekommen. Darüber urteilen wolle sie nicht, so Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. „Ich werde keinen Stab über jemanden brechen, dem so etwas passiert ist“, sagt sie. Auch in Sachsen sei seit Beginn der Coronakrise vieles zunächst händisch gemacht worden. Und auch jetzt gebe es noch Nachholbedarf bei der Automatisierung und Vernetzung von Stellen. Für die Datenerfassung der Reiserückkehrer hat Sachsen eine Software, die auch an der A4 zum Einsatz kommt. „Dasselbe Problem werden wir sicherlich nicht bekommen“, so Heckemann. Eine gewisse Unsicherheit besteht durch eine andere Frage: Wie viele Menschen werden sich an der A4 testen lassen? 

Bereits am Freitag haben zahlreiche Reisende die Möglichkeit genutzt.
Bereits am Freitag haben zahlreiche Reisende die Möglichkeit genutzt. © Nikolai Schmidt

Klaus Heckemann hat für doppelten Schutz gesorgt: Im zweiten Container steht er mit Gesichtsvisier hinter einer Plexiglasscheibe: Schritt 3, der Abstrich. Heckemann, selbst Arzt in Dresden, hat die ersten Abstriche am Freitag in Görlitz vorgenommen. Anzunehmen , dass mit den Teststationen die Zahl der bestätigten Fälle steigt, erklärt er. An den Flughäfen Leipzig und Dresden seien von bislang etwa 3.500 Tests 28 positiv ausgefallen. Eine generelle Zunahme der Neuinfektionen sei daraus aber nicht abzuleiten, „sondern wir reduzieren auf diese Weise die Dunkelziffer.“

Keine leichte Suche nach Ärzten für Testcenter

Bis Oktober ist die Teststation geplant, geöffnet ist sie von 10 bis 20 Uhr. In dieser Zeit soll immer ein Arzt vor Ort sein, ein freiwilliger Einsatz, erklärt Robert Baierl, Geschäftsführer der KV-Bezirksgeschäftsstelle Dresden. Grundlage für die Arbeit im Testcenter ist die Approbation, heißt, es können sich niedergelassene wie etwa auch Klinikumsärzte melden. In der Oberlausitz sei die Suche etwas schwieriger gewesen als etwa für die A17-Teststelle - die näher an Dresden liegt.

Jetzt heißt es abwarten, sagt Antje Blankertz-Teichert, bevor sie sich auf den Weg nach Kodersdorf macht. Ihr Abstrich dagegen reist nach Görlitz, ins medizinische Labor Ostsachsen. Geleitet wird es von Claudia Friedrichs. Einfach mal so hinfahren zur Teststation kann man zwar nicht - sie ist für Einreisende. Dennoch sind die Zahlen ungewiss. „Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt“, sagt sie. Denn was sich an den Flughäfen durch Flugpläne etwa einschätzen lässt, ist bei der Autobahn schwieriger: Etwa 500 Autos pro Stunde passieren die A4 in Richtung Görlitz. Auch Lkw-Fahrer können sich testen lassen.

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Für eine gewisse Unsicherheit sorgt auch die Frage, wie sich die Zahl der Pflichttests für Rückkehrer aus Risikogebieten entwickelt. Nun liegen weder Mallorca noch Antwerpen östlich der Neiße. Aber beispielsweise sind in Rumänien mehrere Bezirke als Risikogebiet eingestuft, einige auch in Bulgarien, Serbien ist Risikogebiet. In wenigen Tagen wird es Claudia Friedrichs genauer wissen.

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