merken
PLUS Sachsen

Corona-Tests: Zu wenig Geld und Personal

Seit Sonnabend haben die Testzentren für Reiserückkehrer an den Flughäfen in Dresden und Leipzig geöffnet. Doch es fehlt an Mitarbeitern.

Corona-Testcenter am Flughafen Dresden: Das Interesse ist deutlich gestiegen, seit die Tests kostenlos sind. Das stellt die Kassenärztliche Vereinigung vor Herausforderungen.
Corona-Testcenter am Flughafen Dresden: Das Interesse ist deutlich gestiegen, seit die Tests kostenlos sind. Das stellt die Kassenärztliche Vereinigung vor Herausforderungen. © Matthias Rietschel

Dresden. Urlaubsstimmung kommt an diesem Montagvormittag nicht auf. Draußen ist es grau und nieselt, im Ankunftsbereich des Flughafens Dresden haben fast alle Geschäfte geschlossen. Es herrscht Menschenleere, nur vor einer der Ladenzeilen stehen fünf Personen in einer Schlange. 

Doch es ist kein Bäcker oder Tabakladen, der sie anlockt, sondern ein Schild mit der Aufschrift "Corona-Testung".  Für Flughafen-Chef Götz Ahmelmann ist das Schild ein Symbol des Aufschwungs. 

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

"Die letzte Zeit waren schwierig, doch jetzt sind wir wieder da", sagt der Vorstandsvorsitzende der Mitteldeutschen Flughafen AG. Drei Monate lang war das Terminal in Dresden quasi geschlossen, noch immer zeugen abgestellte Flugzeuge auf Teilen des Rollfelds von der wirtschaftlichen Durststrecke. 

Doch seit Anfang Juli starten die Urlaubsflieger wieder, die einen Großteil des Geschäfts am Flughafen Dresden ausmachen. Aufgrund steigender Infektionszahlen durch Reiserückkehrer erließ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vergangenen Freitag eine Verordnung. Seitdem kann, wer aus dem Ausland einreist, einen kostenlosen Corona-Test machen. Urlauber aus Risiko-Gebieten sollen in Kürze sogar dazu verpflichtet werden. 

Montag bis Freitag drei Tests, am Wochenende über 1000

Die neuen sächsischen Testzentren, eines am Flughafen Leipzig/Halle und eines in Dresden, mussten innerhalb von weniger als einer Woche fertiggestellt werden. Eine Herausforderung für alle Beteiligten. "Die Verordnung kam holterdipolter", kritisiert Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. "Ich wünsche mir mehr Zeit. Es war seit Wochen klar, dass die Urlauber jetzt zurückkommen."

Bereits vor einer Woche hatte der Flughafen Leipzig/Halle eine provisorische Teststation errichtet, dort konnten sich allerdings nur Hallenser testen lassen und mussten dafür zu Beginn 150 Euro bezahlen. Nur drei Urlauber nahmen dieses Angebot bis Freitag an, für die Stadt Halle und den Flughafenbetreiber ein äußerst enttäuschendes Ergebnis im Kampf gegen eine weitere Verbreitung des Virus.

Doch seit die Tests kostenlos sind, ist die Bereitschaft der Urlauber offensichtlich deutlich gestiegen. In Dresden gaben am Wochenende rund 500 Rückkehrer einen Rachenabstrich ab, in Leipzig am Sonnabend und Sonntag jeweils 300. Damit hat sich etwa ein Viertel aller Passagiere aus dem Ausland testen lassen, so Ahmelmann. Mit dieser Quote sei man "sehr zufrieden".

Flugbegleiterin Nastasia Döring lässt im Testzentrum einen Corona-Abstrich machen. Bis zum Ergebnis dauert es in der Regel eineinhalb Tage.
Flugbegleiterin Nastasia Döring lässt im Testzentrum einen Corona-Abstrich machen. Bis zum Ergebnis dauert es in der Regel eineinhalb Tage. © Matthias Rietschel

"Kostenlose Tests gibt es aus rechtlichen Gründen nur für deutsche Staatsbürger", betont Uwe Gaul, Staatssekretär im sächsischen Sozialministerium. Auch viele Ausländer, die am Wochenende nach Sachsen eingereist sind, seien an den Corona-Tests interessiert gewesen.

Bei Testpflicht droht massive Überlastung

Wie aber funktionieren die Tests in der Praxis? "Wir sprechen Urlauber nicht direkt an, sondern weisen mit Durchsagen auf die Möglichkeit des Tests hin", erklärt Heckemann. Das Testzentrum in Dresden befindet sich nur wenige Meter von der Zollschleuse in der Ankunftshalle entfernt. Hier entnimmt ein Arzt mit einem Stäbchen den Abstrich. Medizinisches Fachpersonal kopiert den Ausweis der Getesteten und prüft die Reiseunterlagen. 

Dann müssen die Urlauber ein Formular mit ihren Kontaktdaten ausfüllen und abgeben. Anschließend geht der Test ins Labor. Ist er positiv, erhalten die Urlauber nach durchschnittlich eineinhalb Tagen Bescheid vom Gesundheitsamt. Wer die Corona-Warn-App besitzt, kann auch den QR-Code auf seinem Formularabschnitt scannen. 

Momentan gebe es noch keine Kapazitätsprobleme, heißt es. Doch im Hintergrund sorgt man sich schon um die drohende Testpflicht für Risiko-Rückkehrer. "Wenn sich jetzt alle Urlauber aus Risikogebieten am Flughafen testen lassen wollen, müssen wir das Angebot erweitern", sagt Heckemann. Das zuständige Labor in Dresden könne derzeit nur 1.600 Tests pro Tag durchführen, die beiden Labore in Leipzig wären damit jeweils schon stark überlastet. 

Hinzu kommen Unterfinanzierung und Personalprobleme. Die Testzentren sind jeden Tag von 5 bis 23 Uhr geöffnet. Gerne hätte auch Elisabeth aus Dresden den Test gemacht, als sie am Sonnabend aus Griechenland zurückkam. Doch weil der Flieger Verspätung hatte, war die Teststation bereits geschlossen. Theoretisch hätte sie aber die Möglichkeit, den Gratis-Test beim Hausarzt nachzuholen. Heute fliegt die Lehrerin mit ihrer Freundin Marianne bereits wieder für einen Kurzurlaub nach Amsterdam. "Ich würde den Test auf jeden Fall machen", sagt Marianne. Wenn er positiv ist, könne sie zwar berufliche Seminare nicht belegen, aber "es geht nicht um mich, sondern um andere". 

Familie Fabisch aus Dresden, die am Sonnabend aus dem Kroatien-Urlaub zurückgekehrt ist, hat den Test bereits hinter sich. In den Medien haben sie gehört, dass auch sie den kostenlosen Abstrich machen können, obwohl sie nicht mit dem Flieger, sondern mit dem Auto kamen. Einziger Grundsatz: Seit Einreise dürfen nicht mehr als 72 Stunden vergangen sein. 

"Wir haben die Chance genutzt, weil wir uns schon länger auf Corona testen lassen wollten", erzählt Vater Sven Fabisch. Außerdem wolle die Familie auf Nummer sicher gehen: Die beiden Söhne werden die nächsten Wochen der Sommerferien bei den Großeltern verbringen. Oma und Opa sollen sich auf keinen Fall mit dem Virus anstecken. Die Fabischs freuen sich über die Möglichkeit. 

Familie Fabisch aus Dresden: Corona-Tests, um die Großeltern zu schützen.
Familie Fabisch aus Dresden: Corona-Tests, um die Großeltern zu schützen. © Daniel Krüger

Grund zur Freude gibt es aus Personalsicht jedoch eher nicht. Denn die Mitarbeiter in den Corona-Stationen werden bisher aus Bereitschaftspraxen in Leipzig und Dresden abgezogen - und fehlen dann vor Ort. Zwar werden sie für ihre Arbeit regulär bezahlt, doch bisher sieht die Verordnung von Gesundheitsminister Spahn nur rund 15 Euro an Personalkosten pro Test vor. Viel zu wenig, kritisiert Heckemann. "Das ist zu günstig und nicht finanzierbar." Die Krankenkassen könnten also auf einer Menge Geld sitzen bleiben, wenn der Bund seine Zuschüsse nicht erhöht. Bisher trägt die Kosten der Steuerzahler.

KV-Vorsitzender: "Brauchen dringend Medizinstudenten"

Heckemann ruft daher Medizinstudenten dazu auf, in den aktuellen Semesterferien in den Testzentren mitzuarbeiten. Das sei auch deshalb vorteilhaft, weil diese in der Regel gut Englisch sprächen.Der Freistaat Sachsen plant indes, weitere Teststationen an Bahnhöfen und den Grenzübergängen nach Tschechien und Polen einzurichten. 

"Corona ist nicht vorbei. Die Menschen sind schon wieder viel zu sorglos, was das Virus angeht", sagt Staatssekretär Gaul. Sollte die zweite Welle schneller kommen als erwartet weiß auch er, dass es eng wird - für die Flughafenwirtschaft und die Corona-Testzentren. 

Weiterführende Artikel

Dresden: Corona-Test zur eigenen Sicherheit

Dresden: Corona-Test zur eigenen Sicherheit

Seit Sonnabend müssen Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten zum Test. Doch auch ohne diese Pflicht wird das Angebot in Dresden-Klotzsche genutzt.

Corona-Test mit Hindernissen

Corona-Test mit Hindernissen

Das Flugzeug einer Radebergerin landet dann in Dresden, wenn das Testcenter schon geschlossen hat. Auf den Test verzichten will sie nicht. Was sie tun kann.

Dresden: Was Reiserückkehrer wissen müssen

Dresden: Was Reiserückkehrer wissen müssen

Am Klotzscher Flughafen ist ein Corona-Testzentrum eingerichtet worden. Wer darf sich dort untersuchen lassen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Als an diesem Montag um 12.15 Uhr die erste Auslandsmaschine des Tages aus Kreta in Dresden landet, scheint sich die Ein-Viertel-Regel des Wochenendes zu bestätigen. Von rund hundert Menschen mit Koffern, die in den ersten Minuten aus dem Zollbereich kommen, reihen sich 24 in die Testschlange ein. Einem jungen Mann mit Lederjacke und Brille ist das zuviel. Er überlegt kurz und läuft dann weiter.

Auf Nachfrage gibt er zu, dass ihm die Wartezeit zu lange sei. "Mein Zug fährt in 15 Minuten und den muss ich erwischen. Außerdem fühle ich mich gut und war nicht in einem Risikogebiet", sagt er und läuft die Rolltreppe in Richtung S-Bahn. 

Mehr zum Thema Sachsen