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Görlitz

Wie Zoo-Tieren die Knuddler und Fütterer fehlen

Nachwuchs ohne Ende und keiner kann ihn sehen: Ostern ist eigentlich Hoch-Besuchszeit im Tierpark. Corona ändert alles, nur nicht die Arbeit der Pfleger.

Hallo, kommt wer? Nein? Enttäuscht wartet ein Kamel im Tierpark Görlitz auf Besucher.
Hallo, kommt wer? Nein? Enttäuscht wartet ein Kamel im Tierpark Görlitz auf Besucher. © Nikolai Schmidt

Molly macht Pause. Entspannt, satt und daher zu keiner Regung fähig, liegt die Sattelschweindame in der Frühlingssonne. 13 Kinder, die es eigentlich zu beobachten und im Griff zu halten gibt? Egal! Mutti braucht Ruhe. Davon hat sie nun als Bewohnerin des Görlitzer Tierparks mehr als genug, trotz quirligem Nachwuchs. Eigentlich sollte der auch der Publikumsliebling im Zoo sein. Nicht aber in diesen Tagen. Niemand knuddelt und füttert die kleinen schwarz-weiß gefärbten Schweinchen. Niemand außer dem Chef selbst. Tierparkdirektor Sven Hammer hat sich gemeinsam mit Zoopädagogin Isa Plath ein paar Minuten Zeit genommen und krault dem Schweinenachwuchs die Ohren. Besucher, derzeit ein seltenes Ereignis für die Tiere.

Tiere stehen im Gehege und warten auf Besucher

"Jeder gute Pfleger hat ein paar leckere Pellets in der Tasche", schmunzelt Sven Hammer und kramt in seiner Jacke. Dabei ist ihm zum Lachen eher weniger zumute. Ein Tierpark, gerade der Görlitzer, der auf enge Kontakte zwischen Mensch und Tier setzt, ohne Gäste - ein Unding. Seit vielen Jahren hat der Görlitzer Tierpark diese Philosophie aufgebaut, verinnerlicht. Corona hat sie nun erst einmal zerstört. "Die Zoobewohner merken sehr deutlich, dass etwas nicht stimmt", sagt Sven Hammer. Die Beschäftigung mit den Besuchern, sei es nun die direkte Kontaktaufnahme, das erlaubte Füttern, alles fehlt. "Früh stehen die Tiere manchmal da in ihren Gehegen und warten. Aber es kommt niemand", sagt der Zoochef. Niemand außer den Pflegern. Die haben jetzt alle Hände voll zu tun. Zu einem Teil müssen sie das übernehmen, was sonst Tierparkbesucher tun. "Das heißt: Nicht nur Futter geben, sondern sich mehr als sonst mit den Tieren befassen", so Sven Hammer.

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75.000 Euro Verlust pro Corona-Monat

Er klopft bei den Stachelschweinen an. Trotz schönstem Wetter wollen die ihre Unterkunft nicht verlassen. Gut, es ist noch ein bisschen frisch am Vormittag. Aber auch sonst: Die Futterklappe, in die Besucher sonst Leckerlies legen, ist leer. Warum also rauskommen? "Es sind Gäste da", ruft Sven Hammer,  und es klingt ein bisschen bitter. Zwei Stachelschweine kommen dann doch mal schauen, was los ist. Der Nachwuchs, zwei gerade geborene Jungtiere, bleiben drin. Apropos Nachwuchs: Der Görlitzer Zoo strotzt derzeit geradezu davon, Tiere, die nun wegen der Corona-Krise niemand sehen kann. "Zehn Prozent unseres Jahresumsatzes machen wir über Ostern", schildert Sven Hammer. Aber eben nicht 2020. 75.000 Euro Verlust fährt der Tierpark pro Monat momentan ein. Noch gibt es Zuschüsse von der Stadt, dem Kulturraum. Die Einrichtung setzt aber nun vor allem auch auf die Görlitzer, die Freunde des Zoos und ihre Spenden.

So süß: Nachwuchs bei den Ziegen. Wer möchte da nicht mal ins flauschige Fell fassen?
So süß: Nachwuchs bei den Ziegen. Wer möchte da nicht mal ins flauschige Fell fassen? © Nikolai Schmidt

Keine Kurzarbeit für die Tierpfleger möglich

Für das Personal gibt es derweil genug zu tun. Rund 40 Mitarbeiter hat der Zoo, sie versorgen etwa 600 Tiere. Kurzarbeit trifft nur die etwa zehn Kollegen von der Kasse und vom Imbiss. "Ansonsten haben wir einen 356-Tage-Job", sagt Sven Hammer. Die Belegschaft ist in zwei Teams eingeteilt, alle fünf Tage wird gewechselt. Die Mitarbeiter der Mannschaften laufen sich nicht über den Weg, damit  im Fall einer Virus-Infizierung nicht die komplette Belegschaft in Quarantäne gehen muss. "Das wäre das Aus", sagt Sven Hammer. 

Der Tierparkdirektor schaut inzwischen ein Stück weit in die Zukunft, in die Zeit nach Corona. Einfach werde es auch dann nicht, ist er sich sicher. "Es ist ja dann nicht gleich so, dass die Gäste jeden Tag in den Zoo kommen und wir so die verlorenen Tage kompensieren können", sagt Sven Hammer. So oder so: Er freue sich jedenfalls schon darauf, wenn Besucher wieder durch den Haupteingang kommen.  

Tierparkdirektor Sven Hammer und Zoopädagogin Isa Plath schauen beim Schweinenachwuchs vorbei. Sie sind heute die einzigen Besucher bei der munteren Truppe.
Tierparkdirektor Sven Hammer und Zoopädagogin Isa Plath schauen beim Schweinenachwuchs vorbei. Sie sind heute die einzigen Besucher bei der munteren Truppe. © Nikolai Schmidt

Tierpark bietet Internet-Alternative

Zoopädagogin Isa Plath hat sich derweil etwas ausgedacht. „Wenn die Kinder vorübergehend nicht zu uns in den Tierpark und in die Zooschule kommen können, dann kommen wir eben zu ihnen nach Hause. Material haben wir jedenfalls genug“, sagt sie.  Gesagt, getan - kurzerhand wurde eine online-Plattform eingerichtet, auf der ab sofort jeden Freitag neue Rätsel, Videos, Malbilder, Bastelanleitungen und vieles mehr zu finden sind. 

Vielleicht ist ja auch Schweinedame Molly mit ihrem Nachwuchs dort von der Partie. Sie hat sich übrigens während des ausnahmsweise genehmigten SZ-Besuchs im Zoo keinen Zentimeter bewegt. Ein bisschen mehr Ruhe als sonst, hat ja auch was.

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Spenden für den Zoo über das Konto  IBAN: DE07 8505 0100 0000 0122 03, Kennwort „für unseren Tierpark“ oder über paypal.me/zoogoerlitz. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Tierparks Görlitz. 

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