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Zittau

Corona: Viel Arbeit - auch ohne Besucher

Trotz Schließung müssen die Tiere im Zittauer Tierpark weiter gefüttert und gepflegt werden. Da hilft mancher Mitarbeiter auch an anderer Stelle aus.

Vor einigen Tagen ist wieder ein junges Pinguin-Küken im Zittauer Tierpark geschlüpft. Bis es die Besucher bestaunen können, werden wohl noch einige Wochen vergehen.
Vor einigen Tagen ist wieder ein junges Pinguin-Küken im Zittauer Tierpark geschlüpft. Bis es die Besucher bestaunen können, werden wohl noch einige Wochen vergehen. ©  Matthias Weber

Ein so erfolgreiches Jahr bei der Pinguinzucht hat Tierpflegerin Cornelia Jungmichel noch nicht erlebt. Im Dezember sind bereits drei Küken im Zittauer Tierpark geschlüpft, im Januar folgten drei weitere Küken und nun gibt es erneut Nachwuchs. Die beiden Pinguine Thea und Ben sind am vorigen Freitag Eltern geworden. Am Dienstag dieser Woche erblickte ebenfalls ein Küken das Licht der Welt. "Und wir haben noch vier Eier in Aussicht", sagt die Tierpflegerin.

Von diesem Erfolg bekommt außer den Tierpflegern derzeit nur keiner etwas mit. Denn der Zittauer Tierpark ist wegen der Corona-Pandemie wie alle Freizeit- und Kultureinrichtungen geschlossen. "Sonst haben wir im März ordentliche Besucherzahlen", sagt Andreas Stegemann, Technischer Direktor des Zittauer Tierparks. Nun tummeln sich auf den Wegen keine Besucher. Ruhig ist es deshalb auf dem weitläufigen Gelände nicht: Die Hühner gackern, die Ziegen meckern, die Pferde wiehern und die Vögel trällern im Angesicht der Frühlingssonne, was das Zeug hält.

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Alle Kollegen weiter im Dienst

Anders als andere Einrichtungen kann der Zittauer Tierpark nicht einfach seinen Betrieb herunterfahren - die Tiere müssen ja weiterhin gefüttert und gepflegt werden. Aus diesem Grund seien auch alle Kollegen weiter im Dienst, so Stegemann. Das gilt ebenso für die Bundesfreiwilligendienstler, die sogenannten Bufdis, wie auch für alle, die andere Freiwilligendienste ableisten. Die Einzigen, die ihrer normalen Tätigkeit nicht nachgehen können, sind die Mitarbeiter an der Kasse. Aber auch sie sitzen deshalb nicht zu Hause, sondern greifen den anderen Kollegen unter die Arme. "Die Arbeit wurde anders strukturiert", erklärt der Technische Direktor.

Das trifft auch die Zoopädagogik. Hier werden Kinder und Jugendliche sowie Senioren in Themen wie Natur, biologische Vielfalt und Tierpflege geschult. Schulungen dieser Art sind derzeit aber nicht möglich. Deshalb übernehmen die Mitarbeiter der Zoopädagogik nun auch andere Aufgaben. So wie Elias, der ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Zittauer Tierpark absolviert. Er hilft jetzt in der Tierpflege aus, ist gerade in der Vogelvoliere zugange. 

In vielen Gehegen gibt es Nachwuchs

Die Gebirgsloris und Sittiche scheinen sich in ihrem Gesang gegenseitig zu übertrumpfen. Vielleicht ja auch aus Freude. Denn bei den Gebirgsloris gab es vor zwei Wochen Nachwuchs. So wie in vielen anderen Gehegen - beispielsweise bei den Kängurus. "Vorige Woche lugte das erste Mal ein kleiner Kopf aus dem Beutel", erzählt Andreas Stegemann. Mindestens ein weiteres Känguru hat ebenfalls Nachwuchs, wie an dem größeren Beutel deutlich zu erkennen ist. 

Während die Känguru-Jungen noch einige Zeit im Beutel der Mutter verbringen werden, springen die drei jungen Zicklein im Streichelgehege bereits zwischen den großen Tieren hin und her. Mitte März kam zuerst ein kleines Ziegenböckchen zur Welt, wenige Stunden später folgten die Zickel-Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. "Wenn man den sich prächtig entwickelnden Zickleins beim Spiel zuschaut, vergisst man für einen Moment die traurige Situation. Das ist Balsam für die Seele", sagt Andreas Stegemann.

Den Ziegen merkt man sofort an, dass ihnen das Streicheln der Besucher fehlt. Sie kommen auf jeden, der ihr Gehege betritt, sofort neugierig zu. Anderen Tieren gefällt die ungewohnte Ruhe sicher etwas mehr, denn nicht alle Besucher halten sich an das Gebot, die Wege in den begehbaren Gehegen nicht zu verlassen.

Toiletten werden renoviert

Die besucherfreie Zeit nutzt der Tierpark auch dafür, einige Baumaßnahmen anzupacken. So werden aktuell die Toiletten im Eingangsbereich renoviert. "Die erstrahlen dann in noch nie dagewesener Schönheit und laden zum Verweilen ein", meint Andreas Stegemann mit einem Augenzwinkern. Darüber hinaus soll in Kürze ein Stück des Weges auf den Hirschberg befestigt werden, weil dieser Abschnitt oft verschlammt ist. Da die Mitarbeiter hier oft mit den Fahrzeugen hochfahren, zum Beispiel um Futter auf den Hirschberg zu bringen, sei es wichtig, diesen Abschnitt zu befestigen, erklärt Stegemann. Danach seien dann alle Hauptwege befestigt, fügt er hinzu.

Am Nerzgehege laufen bereits die Umbauarbeiten. Schon von Weitem weist ein Gerüst daraufhin. Und auch am Wasserspielplatz neben der Festwiese soll es demnächst losgehen. Ein erster Schacht ist bereits ausgehoben. Im Streichelgehege entsteht ebenfalls Neues, zum Beispiel ein neuer Schwimmbereich für die Enten und eine Händewaschstelle für die Besucher.

Alle diese Projekte wären auch ohne Corona-Pandemie umgesetzt worden, aber vielleicht nicht unbedingt in dieser Konzentriertheit. "Wir hätten sie gerne unter den Blicken unserer Besucher realisiert", sagt der Technische Direktor. So können die Besucher dann eben die fertigen Bauwerke bestaunen.

Nach dem Hochwasser 2010 mehrere Wochen geschlossen

Wann das der Fall sein wird, kann derzeit noch keiner sagen. Zu den Ostertagen, an denen in der Regel sehr viele Besucher in den Zittauer Tierpark strömen, bleibt die Einrichtung aber auf jeden Fall noch geschlossen. Denn die Allgemeinverfügung der sächsischen Landesregierung gilt vorher bis zum 19. April. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Tierpark dann über einen Monat zu. So lange hatte die Einrichtung bisher nur einmal geschlossen - nach dem verheerenden Hochwasser 2010, das schwere Schäden im Tierpark angerichtet hatte.

Der Verband der Zoologischen Gärten hat sich bereits mit der Forderung nach Soforthilfe in Höhe von 100 Millionen Euro an die Bundesregierung gewandt. Denn viele zoologische Einrichtungen müssen nun ganz ohne Einnahmen leben, während die Ausgaben gleich bleiben. Der Zittauer Tierpark ist da etwas besser dran. Gut zwei Drittel der Einnahmen sind Zuschüsse vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien und von der Stadt Zittau. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern machen etwa ein Drittel aus.

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