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Löbau

Corona trifft Bauern und Gartenbauer

Ob zur Erdbeerernte genug Helfer kommen und wie Gärtnereien ihre Pflanzen an den Kunden bringen, ist unklar. Einige Bauern starten einen Hilfsaufruf für den Notfall.

Klaus Möse mit Erdbeerpflanzen der Sorte Korona, die er in Eichgraben zieht. Er hofft, dass Pflanzen und Früchte in diesem Jahr zu den Kunden finden.
Klaus Möse mit Erdbeerpflanzen der Sorte Korona, die er in Eichgraben zieht. Er hofft, dass Pflanzen und Früchte in diesem Jahr zu den Kunden finden. © Matthias Weber/photoweber.de

Klaus Möse mag Korona. Aber nur, wenn es um die Erdbeersorte geht, die mit K geschrieben wird und ab Juni im Freiland leckere Früchte trägt. Damit Korona trotz Corona-Krise auch in diesem Jahr vielen Leuten auf der Zunge zergeht, verkauft der Zittauer Beerenspezialist derzeit Pflanzen - über Umwege: "Bis zum Sonnabend konnte ich zum Glück über den Großhandel verkaufen.

Außerdem laufen auch die Vorbereitungen zum Online-Pflanzenversand", sagt er. Den digitalen Verkauf nutze er seit einigen Jahren, aber möglicherweise wird in diesem Jahr das Thema besonders wichtig werden. "Bislang machte er aber gerade einmal zehn Prozent des Verkaufes aus", sagt Möse. Er hofft nun deshalb, dass die Paketdienste weiterhin funktionieren.

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Onlineversand und Paketdienste nutzen seinem Kollegen Thomas Berndt wenig. Der Chef des gleichnamigen Blumenhauses in Oderwitz hat noch etwa die Hälfte seines Stiefmütterchen- und Hornveilchen-Bestandes im Gewächshaus stehen. Zum Verkauf öffnen darf er seinen Laden allerdings nicht mehr.

"Wenn wir Nahrungsmittel hätten, wäre das etwas anderes", sagt er. Aber nur mit Blühpflanzen hat er keine Chance - so wie viele andere Blumenläden auch. Und auf Wochenmärkte ausweichen - sofern die noch öffnen dürfen? Das sei schwierig: "Wem will man das jetzt zumuten", wägt Berndt ab.

Corona-Krise trifft mitten in Hauptsaison

Wochenmarkt und Verkauf ab Betrieb wäre für Klaus Möse erst in einigen Wochen zur Ernte ein Thema - wie immer. Ob die Ernte der Erdbeeren reibungslos funktionieren wird, kann er noch nicht sagen - er ist aber guten Mutes: "Wir haben viele Erntehelfer vor allem aus Polen", sagt er. Mit einem entsprechenden Arbeitsvertrag kommen die auch über die Grenze, weiß Möse. Bislang jedenfalls. Was ihm aber jetzt schon fehlt, sind die im Frühling typischen regionalen Märkte: "Karaseks Naturmarkt in Seifhennersdorf oder die Märkte im Faktorenhof in Eibau, im Erlichthof bei Rietschen oder die Konventa - das waren für uns immer wichtige Termine", sagt Möse.

Für den Gartenbau sind Frühling und Sommer die Jahreszeiten zum Geldverdienen. Noch hofft Thomas Berndt, dass er davon etwas abbekommt: Geranien, Petunien und Pelargonien gedeihen schon in seinen Gewächshäusern für die Zeit nach den Frühlingsblühern. "Wir hoffen, dass es bis dahin eine Lösung gibt", sagt Berndt, der sieben Angestellte hat. Jetzt noch auf Essbares - beispielsweise Kräuter - umzusteigen, damit man zu den Lebensmittelverkäufern gehört, sei nicht realistisch: "Da wäre ich zu spät dran", sagt er.

Einen Funken Hoffnung gibt es seit Montagnachmittag aber: Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wolfram Günther teilte überraschend mit, dass "selbst produzierende und vermarktende Baumschulen und Gartenbaubetriebe weiterhin geöffnet bleiben dürfen". Was das ganz genau bedeutet - für Klaus Möse oder Thomas Berndt - wird bis Wochenmitte noch präzisiert und als neue Allgemeinverfügung veröffentlicht, bestätigte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Robert Schimke auf SZ-Nachfrage. 

Bauern müssen Produktion sichern

Lebensmittel produzieren die Landwirte hingegen täglich - und füllen damit die Supermarktregale. Deshalb fordert Rainer Peter, Geschäftsführer des Bauernverbandes Oberlausitz, dass die Landwirtschafts-Berufe als systemrelevante Berufe stärker im Fokus stehen. "Was passiert, wenn auf den Höfen Arbeitskräfte fehlen oder Futtermittel nicht mehr beschafft werden können - es gibt da keine Notfallpläne", sagt er.

Robert Otto von der Agrargenossenschaft Eibau treibt genau das um: "Was ist, wenn Mitarbeiter oder deren Familienmitglieder positiv auf Corona getestet werden und in Quarantäne müssen?", fragt er sich. Vorsichtsmaßnahmen hat das Unternehmen getroffen so weit es geht: "Wir trennen die Arbeitsbereiche der Kollegen im Arbeitsalltag", skizziert Otto. Melker haben dadurch keinen Kontakt mehr zu denen, die für die Fütterung zuständig sind. Die Pausenzeiten werden versetzt, die Werkstatt-Kollegen essen jetzt eben ein bisschen später zu Mittag als andere Kollegen.

Dennoch arbeitet Robert Otto an einem Plan B: "Für den Fall, dass bei uns viele Kollegen ausfallen, bitten wir Menschen, die gerade nicht arbeiten können, sich bei uns zu melden und auszuhelfen", sagt er. In der Landwirtschaft gebe es Tätigkeiten, die auch Ungelernte ausführen können, damit sich das verbliebene Personal auf die wichtigen und anspruchsvolleren Arbeiten konzentrieren könne: "Wir müssen jeden Tag unsere 2.800 Rinder versorgen und die Felder bestellen", sagt er. Derzeit wachsen Raps und Getreide auf den Feldern, sie müssen gepflegt und gedüngt werden. "Wer im Fall des Falles bei der Agrargenossenschaft Eibau aushelfen würde, kann sich gern melden", betont er. Dann wäre dem Landwirtschaftsbetrieb geholfen und demjenigen, der sich etwas zuverdienen kann, auch. 

Rückbesinnung auf regionale Kreisläufe

Ganz praktisch zu schaffen macht Landwirtschaftsbetrieben zum Teil auch der weite Weg zu Schlachtereien. Die nächste, die Schweine schlachtet, liegt in Weißenfels, etwa 250 Kilometer von hier entfernt. Wäre es da nicht sinnvoll, regionale Kreisläufe zu stärken? Einer der da sofort mit dabei wäre, ist Roland Richter. Der Chef der gleichnamigen Fleischerei mit Sitz in Löbau, darf offiziell Rinder und Schweine schlachten. Allerdings nur in einer gewissen Größenordnung. "Ich habe schon beim Landkreis nachgefragt, ob man dies angesichts der momentanen Lage ausweiten könnte", sagt er. Eine Antwort stehe noch aus.

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"Wir würden das machen, um regionale Kreisläufe jetzt zu unterstützen und - solange die Hygiene gewahrt bleibt - Lieferketten abzukürzen", sagt Richter. Kapazitäten hätte er derzeit. In seinen Fleischereien seien momentan all die Dinge Dauerbrenner, die sich lange halten: Gulasch im Glas, Leberwurst und Suppen. "Wir stellen uns darauf ein", sagt Roland Richter. Aber auch auf frische Waren sollten die Kunden trotz Corona-Krise nicht verzichten.

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