merken
PLUS Bautzen

So geht es jetzt in den Pflegeheimen weiter

Ein Drittel der Corona-Fälle im Kreis Bautzen betrifft Seniorenheime und Pflegedienste. Auch dort werden die Regeln gelockert, aber sehr vorsichtig.

Nach totalem Besuchsverbot können in vielen Heimen jetzt wieder Angehörige ihre Pflegebedürftigen treffen. Günter Petrasch nutzte das mit seiner Frau Betina am Dienstag, um seine Mutter Käthe im Heim am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda zu besuchen.
Nach totalem Besuchsverbot können in vielen Heimen jetzt wieder Angehörige ihre Pflegebedürftigen treffen. Günter Petrasch nutzte das mit seiner Frau Betina am Dienstag, um seine Mutter Käthe im Heim am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda zu besuchen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das öffentliche Leben normalisiert sich wieder – doch in Pflegeheimen wesentlich langsamer. Die Sächsische.de fasst die Hintergründe und nächsten Schritte zusammen.

Wie hart traf Corona Pflegeheime und -dienste?

Pflegeheime und –dienste sind von Corona-Infektionen besonders betroffen. 500 Menschen haben sich bisher im Landkreis Bautzen nachweislich mit dem Virus infiziert. Etwa 150 von ihnen wohnten oder arbeiteten in einem Pflegeheim, wurden von einem Pflegedienst betreut oder waren bei diesem beschäftigt.

Anzeige
Raus in die Natur!
Raus in die Natur!

Sie sind noch auf der Suche nach einem neuen Ausflugsziel in der Region? Wie wäre es denn mit Großenhain?

19 Menschen starben im Kreis  bislang im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung. Sie alle waren pflegebedürftig und wohnten entweder in einem Heim oder zu Hause, wo sie von einem Pflegedienst betreut wurden.

Insgesamt gelten nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums rund 15.000 Menschen im Landkreis als pflegebedürftig. Etwa die Hälfte von ihnen erhalten Pflegegeld, je ein Viertel wird zu Hause betreut oder wohnt in einem Pflegeheim. Für Vize-Landrat Udo Witschas (CDU) liegt auf der Hand, dass für diese Personengruppe auch weiter besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten müssen.

Wie reagieren die Einrichtungen und Dienste?

Als die Pandemie den Landkreis erreichte, wurden ganze Heime geschlossen und für Besucher gesperrt. Sascha Bock resümiert das am Beispiel der von ihm geleiteten Oberlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege Gesellschaft. Das gemeinnützige Unternehmen, zu dem auch die Westlausitz Pflegeheim und Kurzzeitpflege Gesellschaft gehört, betreibt im gesamten Landkreis mehrere Häuser mit insgesamt rund 700 Plätzen und zählt etwa ebenso viele Mitarbeiter.

Zu den Einrichtungen des Unternehmens gehört ein Seniorenwohnhaus in Großdubrau, wo am 10. März die erste Infektion einer Beschäftigten festgestellt wurde. „Das Haus wurde sofort geschlossen“, blickt Sascha Bock zurück. Nur vier Tage später schloss das Unternehmen alle Häuser für den Besucherverkehr und verhängte einen Belegungsstopp. Im größten Pflegeheim am Belmsdorfer Berg in Bischofswerda wurde ein Isolationsbereich für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet. "Das hat uns regelrecht überrollt“, berichtet der Geschäftsführer.

Das ging nicht nur diesem Pflegeheimbetreiber so. In Radeberg grassierte das Virus so stark, dass die Mitarbeiter überfordert waren und die Bundeswehr helfen musste.Ein besonderes Problem der ersten Wochen sei die Beschaffung von Schutzausrüstungen wie Masken für alle Mitarbeiter gewesen, sagt Sascha Bock. „Da haben wir nach jedem Strohhalm gegriffen.“ Auch ein logistischer Kraftakt war die Anschaffung von Smartphones für alle Bewohner, damit sie wenigstens auf diesem Wege mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben konnten.

Welche Einschränkungen bleiben bestehen?

Inzwischen sind zweimal pro Woche wieder Besuche bei pflegebedürftigen Angehörigen möglich. „Aber die Treffen sollen vor allem in den Parks an den Heimen stattfinden, nur in Ausnahmefällen in den Zimmern der Bewohner“, erklärt Bock. Zu diesen Ausnahmen zählt, wenn ein Pflegebedürftiger bettlägerig ist. Eine Maskenpflicht gilt in den Heimen ebenso wie in allen öffentlichen Einrichtungen. „Die Gefahr ist noch nicht vorbei, aber das Bewusstsein für diese Situation lässt nach“, beobachtet der Chef der Pflegeheim- und Kurzzeitpflege-Firmen.

Die Reaktionen auf die Vorsichtsmaßnahmen fallen sehr unterschiedlich aus. „Es gibt Angehörige, die sagen uns: ,Tun Sie alles, um meine Mutter zu schützen`. Und dann gibt es Angehörige, die behaupten, Corona sei nur hochgespielt und keine Gefahr.“ Aber das gehe allen Pflegeinrichtungen so, weiß Bock. Für ihn steht fest: Angehörige und Bewohner müssen auch weiterhin mit Einschränkungen leben, denn der weitere Verlauf der Pandemie sei heute nicht absehbar.

Im Sozial- und Generationenausschuss des Kreistages erhielt Bock am Montagabend Rückendeckung für die Vorsichtsmaßnahmen unter anderem vom CDU-Abgeordneten Maik Förster, der ein auf Israel-Touren spezialisiertes Reisebüro betreibt. Das Land im Nahen Osten hatte Corona gut im Griff, dann die Maßnahmen verhältmismäßig früh wieder gelockert – und steht nun vor einer zweiten Welle. „Ich rate dazu, weiter vorsichtig zu sein“, erklärte Förster.

Weiterführende Artikel

Zwischen Krisenplan und Normalität

Zwischen Krisenplan und Normalität

400 Menschen leben im größten Pflegeheim im Landkreis Bautzen. Sie brauchen jetzt den besten Schutz, zugleich soll ihr Alltag lebenswert bleiben.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen