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Mega-Stau legt Autobahn lahm

Weil Polen gleich dreifach kontrolliert werden, warten Autofahrer bis zu acht Stunden auf die Ausreise. Das hat Auswirkungen auf hiesige Unternehmen.

Weil Polen die Kontrollen verschärft hat, kommt es derzeit zu langen Wartezeiten am Autobahn-Grenzübergang.
Weil Polen die Kontrollen verschärft hat, kommt es derzeit zu langen Wartezeiten am Autobahn-Grenzübergang. © Danilo Dittrich

Der Kontrollplatz des polnischen Zolls an der Autobahn bei Zgorzelec ist ja eigentlich dafür gedacht, Lkw unter die Plane und den Fahrern in die Papiere schauen zu können. Meist liegt die Fläche eher verwaist da. Seit Montag herrscht hier Hochbetrieb. Jeder, der per Fahrzeug über die A4 ins Nachbarland reisen möchte, wird hier von polnischen Behörden kontrolliert. Und das gleich dreifach: von Grenzschützern, Polizei und Gesundheitsamt. Das dauert. "Es gibt eine allgemeine Sichtkontrolle, eine Ausreisekarte samt Fragebogen muss ausgefüllt werden und es wird Fieber gemessen", schildert Michael Engler, Sprecher der Bundespolizei in Ludwigsdorf.

Tunnel ist am Montag noch offen

Das Ergebnis der Prozedur: Auf der Autobahn gibt es einen Mega-Stau. Bis zu acht Stunden, bestätigt Michael Engler, kann die Ausreise wegen der Viren-Kontrollen dauern. Das hat auch Auswirkungen auf die umliegenden Straßen, so ist die B 115 Richtung Niesky schon seit dem Mittag ebenfalls ziemlich dicht.  Der Tunnel Königshainer Berge ist am Montagnachmittag offen. "Noch", sagt Michael Engler. Aber auch hier geht es nur langsam voran. Schubweise dürfen Fahrzeuge den Tunnel passieren. Wenn der Stau in Deutschland auf der Autobahn eine gewisse Länge erreicht hat, wird der Tunnel gesperrt. Am Montagnachmittag standen die Fahrzeuge bis fast zum Rastplatz Wiesaer Forst.

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Noch seien die Lkw-Fahrer relativ entspannt, sagt Michael Engler. Irgendwann befürchtet er, werden aber wohl die Nerven blank liegen. Busse hat die Bundespolizei am Montag bereits seit Vormittag keine mehr auf der A4 in Richtung Grenze gesichtet. Denn bevor ein vollbesetzter Reisebus sämtliche Kontrollen passiert hat, das dauert. 

Keine Reisebusse mehr unterwegs

Was für Fahrzeuglenker eher ein unvermeidliches Ärgernis ist, ist für Firmen an der Autobahn schon fast existenzbedrohend. Beispiel Birkenstock. "Wir denken an einen Notbetrieb", sagt der Werksleiter Hilmar Knoll. Das Unternehmen hat in Görlitz rund 1.300 Mitarbeiter. 60 Prozent kommen aus Polen. Das Problem sei nicht die Einreise aus dem Nachbarland nach Deutschland. "Das geht relativ zügig", schildert Hilmar Knoll. "Aber wer 23 Uhr zur Nachtschicht kommt und nach der Arbeit früh um sechs stundenlang im Stau steht - das ist den Kollegen einfach nicht zuzumuten", so der Werksleiter. Er fürchte, dass vor allem weniger Mitarbeiter zur Nachtschicht kommen.

Birkenstock denkt an Notbetrieb und Shuttlebus

Birkenstock hat wie gewünscht Passierscheine ausgestellt, damit die polnischen Pendler schnell über die Grenze können, theoretisch zumindest. "Aber wenn drei, vier Leute im Auto sitzen und jeder wird so akribisch kontrolliert, braucht es seine Zeit", so Hilmar Knoll. Deshalb hat er nun einen Plan: ein Shuttlebus an der Stadtbrücke. Ob es funktioniert, konnte der Birkenstock-Chef am Montag noch nicht sagen. 

Das Möbelhaus Porta in Görlitz hat nur sieben Mitarbeiter aus Polen. "Diejenigen, die heute da sein sollten, waren es auch", so die Hausleiterin Isolde Mudra. Es sei mit den Mitarbeitern gesprochen worden, eine Lösung gerade für Kollegen mit kleinen Kindern gefunden worden. Wer von den übrigen polnischen Kollegen kommt, wird per Shuttlebus an die Grenze gebracht, beziehungsweise abgeholt. Probleme im Haus sieht Isolde Mudra wegen der Grenzschließung nicht.

Ähnliche Erfahrungen hat der Acosa-Werksleiter Frank Zenker. 15 Prozent der rund 150 Kollegen kommen aus Polen. "Bisher waren es nur Einzelfälle, in denen es Probleme gab", so Frank Zenker. Auswirkungen auf den Betrieb der Aircraft Composites Sachsen sieht er derzeit nicht.

Bundespolizei fahndet ebenfalls intensiver

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Wie lange die Ausnahmesituation auf der Autobahn noch dauert und ob sie sich vielleicht sogar noch verschlimmert, kann Michael Engler nicht sagen. Die Situation habe eine gewisse Dynamik, ändere sich sehr schnell. "Die Kontrollen sind ein rein polnisches Phänomen", so der Polizeisprecher. Nichtsdestotrotz wolle auch die Bundespolizei Fahndungsmaßnahmen "intensivieren". Wie und welche, dazu will sich Michael Engler nicht äußeren.  Wenn eine Person mit Verdacht auf das Corona-Virus festgestellt werde, würde sofort reagiert, das Gesundheitsamt eingeschaltet, so Michael Engler.

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