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Urlaub: Diese sieben Dinge sollten Sie beachten

Reiserückkehrer gelten als Risiko für eine zweite Corona-Welle. Experten warnen: Auch der Arbeitgeber kann unter Umständen einen Test verlangen.

Corona-Teststation am Flughafen Frankfurt: Wer in Risikogebiete reist, kann auch Probleme im Job bekommen.
Corona-Teststation am Flughafen Frankfurt: Wer in Risikogebiete reist, kann auch Probleme im Job bekommen. © Boris Roessler/dpa

Die Sommerferien haben begonnen und trotz Corona reisen viele Sachsen auch dieses Jahr ins Ausland. Doch Achtung: Neben der Testpflicht am Flughafen könnte der Türkei-Urlaub auch negative Folgen für den Job nach sich ziehen. 

Denn in Corona-Zeiten haben Arbeitgeber zwar nicht mehr Rechte. Bestimmte juristische Klauseln werden jetzt aber wichtiger. Um nicht in die Falle zu tappen, haben wir uns für Sie bei Experten für Arbeitsrecht umgehört. Das sind die Antworten auf die brennendsten Urlaubsfragen rund um Corona und den Arbeitsplatz.

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Muss ich meinem Arbeitgeber eine Corona-Infektion mitteilen?

Grundsätzlich müssen Angestellte ihrem Arbeitgeber nur ein entsprechendes Attest ohne Diagnose vorlegen, wenn sie krank sind. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) weist allerdings darauf hin, dass eine Corona-Infektion und auch der reine Verdacht auf eine solche unverzüglich dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss – und dabei werden auch die persönlichen Daten weitergegeben. 

Das Gesundheitsamt wiederum hat die Aufgabe, weitere Ansteckungen zu verhindern. Dabei darf die Behörde auch den Arbeitgeber kontaktieren, damit dieser Maßnahmen im Betrieb umsetzen kann. Die Dresdner Anwältin Yvonne Dietzel vertritt als Arbeitsrechtsanwältin die Arbeitgeberseite. „Grundsätzlich unterliegen Krankheitsursachen dem Datenschutz“, sagt sie. 

Angestellte seien ihrem Chef aber zur Loyalität verpflichtet. Bedeutet: „Mitarbeiter sind verpflichtet, Schäden vom Betrieb abzuhalten“, sagt Dietzel. Je enger ein Mitarbeiter vor Ausbruch der Erkrankung zum Beispiel mit Kunden oder Kollegen zusammengearbeitet hat, desto eher müsse er dem Chef von einer Covid-19-Infektion berichten. 

Kann mich mein Arbeitgeber zu einem Corona-Test zwingen oder selbst Tests veranlassen?

„Kein Arbeitgeber darf seinen Arbeitnehmer unmittelbar zur Durchführung einer gesundheitlichen Untersuchung zwingen“, sagt der Dresdner Arbeitsrechts-Anwalt Jörg Hermann. Wenn das Unternehmen Tests für Mitarbeiter anbietet, sind diese stets freiwillig und müssen aus der Firmentasche bezahlt werden. 

Wer aus einem Risiko-Gebiet zurückkehrt, könne aber von seinem Chef verpflichtet werden, einen Negativ-Test zur Arbeit zu bringen. Auf den Kosten könne der  Arbeitnehmer -  wenn nicht Staat oder Krankenkassen übernehmen - sitzen bleiben. Liege kein Testergebnis vor, könne der Arbeitgeber dem Angestellten verweigern, den Betrieb zu betreten. 

Das gelte aber ausschließlich für Urlauber aus Risikogebieten, die laut der aktuellen Corona-Verordnung sowieso für zwei Wochen in Quarantäne müssen. Um eine Rückkehr zum Arbeitsplatz zu verhindern, benötige der Arbeitgeber ansonsten hinreichende Anhaltspunkte für eine Infektion, sagt auch Dietzel. 

Muss ich meinem Arbeitgeber mitteilen, wo ich im Urlaub war?

Grundsätzlich nein, so der DGB. Allerdings könne der Arbeitgeber ein sogenanntes berechtigtes Informationsinteresse am Urlaubsort haben, wenn dort Quarantänepflicht bestand oder es eine Reisewarnung gibt. Laut Dietzel seien Mitarbeiter ihrem Chef auch hier zur Loyalität verpflichtet.

„Wenn jemand aus einem Risikogebiet kommt, kann der Arbeitgeber zum Beispiel für zwei Wochen Home-Office anordnen, um Dritte zu schützen“, so die Anwältin. Letztlich müssen Angestellte nach Meinung der Experten gegenüber ihrem Chef zumindest ausschließen, dass sie in einem solchen Gebiet waren. 

Darf mein Urlaub gekürzt werden, weil ich in Kurzarbeit bin?

Diese Frage ist von Gerichten noch nicht abschließend geklärt. Zumindest für Angestellte mit 100 % Arbeitsausfall kann ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BGA) zum unbezahlten Sonderurlaub herangezogen werden, so Yvonne Dietzel. Weil die Arbeitspflicht wegfiele, gäbe es dann auch keinen Urlaubsanspruch. 

Der DGB sieht das naturgemäß anders: Urlaubskürzungen in der Corona-Pandemie ließen sich nicht der Rechtsprechung des BGA entnehmen. Auch um ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von 2018 streiten sich die Vertreter von Unternehmen und Angestellten. Urlaubskürzungen wegen Kurzarbeit seien zulässig, wenn die Freistellung planbar und frei gestaltbar sei, so der Gerichtshof. Inwiefern das während der Corona-Pandemie zutrifft, wird in Zukunft sicherlich nochmals überprüft werden. 

Wird mein Gehalt weitergezahlt, wenn ich während des Urlaubs in Quarantäne muss?

Hier kommt es ganz darauf an, ob eigenes Verschulden zur Quarantäne geführt hat oder nicht. Ist man selbst nicht schuld, etwa weil der Urlaubsort erst während des Aufenthalts zu einem Risikogebiet erklärt wurde, lohnt sich ein Blick in den Arbeitsvertrag – am besten schon vor Reiseantritt.

„Die Lohnfortzahlungspflicht durch den Arbeitgeber kann durch Tarif- oder Arbeitsvertrag ausgeschlossen oder reduziert sein“, so der DGB. Aber auch dann übernimmt der Staat im Rahmen einer „Entschädigung“ für bis zu sechs Wochen den Nettolohn. Wer jedoch wissentlich in Risikogebiete reist und deshalb aufgrund von „Eigenverschulden“ nicht arbeiten darf, ohne dass dies von einer Behörde angeordnet wurde, der kann am Ende leer ausgehen, warnt Anwältin Dietzel. 

Habe ich Anspruch darauf, meinen Urlaub wegen Corona zu verschieben?

Nein. Zumindest bei bereits bewilligtem Urlaub kann der Chef darauf bestehen, die eingereichten Tage zu nehmen – auch wenn die Spanien-Reise plötzlich abgesagt wird. Anders sieht es aus, wenn die Urlaubstage nur in einen vorläufigen Plan eingetragen wurden: „Werden dort nur Wünsche entgegengenommen und der Urlaub separat beantragt und bewilligt, sind Änderungen je nach den betrieblichen Regelungen denkbar“, sagt Yvonne Dietzel. 

Rechtsanwalt Hahn ergänzt: „Sofern eine verbindliche Zusage des Arbeitgebers zu dem vom Arbeitnehmer beantragten oder geplanten Urlaub vorliegt, kann der Urlaub vom Arbeitnehmer einseitig nicht mehr „storniert“ werden. Dazu wäre das Einvernehmen des Arbeitgebers erforderlich.“

Darf mein Arbeitgeber meinen Urlaub wegen Corona streichen?

Nein, das ist – nachdem der Urlaub bewilligt wurde – nur in absoluten Notfällen möglich. „Das ist der Fall, wenn die Abwesenheit eines Arbeitnehmers zu existenziellen betrieblichen Nachteilen führen würde“, so Dietzel. 

Hierfür seien die Hürden aber sehr hoch. Ein Unternehmen darf Tage zum Beispiel nicht einfach streichen, weil plötzlich mehr Arbeit anfällt. Normalerweise gilt: Urlaub, der einmal bewilligt wurde, darf nicht wieder einkassiert werden. Und: Ist der Angestellte erst im Urlaub, ist ein Widerruf unter keinen Umständen möglich. 

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