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Das bedeutet Corona für Mallorca und die Kanaren

Der Tourismus ist wahrscheinlich die letzte Industrie, die sich von der Corona-Krise erholen wird. Die Szenarien für die Kanaren und die Balearen sind schauerlich.

Keine Einheimischen, keine Touristen. Palma de Mallorca liegt verwaist in der Sonne. Und es wird noch lange so bleiben.
Keine Einheimischen, keine Touristen. Palma de Mallorca liegt verwaist in der Sonne. Und es wird noch lange so bleiben. © Thomas Reiner

Von Martin Dahms,SZ-Korrespondent in Madrid

Mir geht’s gut, danke“, sagt Myriam Barros, Präsidentin des spanischen Zimmermädchenverbandes Las Kellys. Barros lebt und arbeitet auf der Kanareninsel Lanzarote, und die Kanaren erleben gerade das Paradox, dass sie von der Covid-19-Epidemie vergleichsweise wenig betroffen sind – „Wir haben seit zwei Tagen keine registrierten Neuinfektionen mehr auf Lanzarote“, sagt Barros –, aber auf mittlere Sicht vermutlich mehr unter der Corona-Krise leiden werden als die meisten anderen spanischen Regionen. Nur die Balearen trifft es ähnlich hart oder noch härter. Beide Inselgruppen leben vom Tourismus, und der Tourismus ist tot, und niemand kann vorhersagen, wann er wieder auferstehen wird. „Unser Land wird die touristische Aktivität nicht eher wieder aufnehmen, als bis es außergewöhnlich sicher ist – für die Menschen, die in Spanien leben, ebenso wie für die, die uns besuchen kommen“, sagte die spanische Finanzministerin und Regierungssprecherin María Jesús Montero.

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Die Spanier haben sich daran gewöhnt, möglichst nicht zu weit in die Zukunft zu schauen. Sie haben sich daran gewöhnt, dass Ministerpräsident Pedro Sánchez alle zwei Wochen die Verlängerung des Alarmzustandes um weitere zwei Wochen verkündet. Die schönste Hoffnung, die er den Spaniern bisher gemacht hat, ist die, dass Eltern mit kleinen Kindern ab kommendem Montag wieder probeweise auf die Straße dürfen, nach sechs Wochen Ausgangssperre ohne Spaziergänge oder Sport im Park. Spanien hat bisher knapp 21.000 Covid-19-Tote registriert. Viele weitere mutmaßliche Coronavirus-Opfer, die in Altersheimen oder zuhause gestorben sind, sind noch nicht registriert. Neben Belgien ist Spanien das am härtesten von der Epidemie betroffene EU-Land. Natürlich träumen alle vom Strandurlaub, aber eben nur zu „außergewöhnlich sicheren“ Bedingungen. Und die sind noch weit.

Dramatisch wie in Kriegszeiten

Jordi Mestre, Präsident des Hotelverbandes Gremi d’Hotels in Barcelona, sagte schon vor zweieinhalb Wochen zur Wirtschaftszeitung Expansión, dass die Situation der Tourismusindustrie „katastrophal, um nicht zu sagen: apokalyptisch“ sei. Während der letzten schweren Wirtschaftskrise ab 2008 seien die Leute immerhin auf Reisen gegangen, „wenn wir ihnen sehr gute Angebote machten“. Jetzt aber komme niemand, „selbst wenn wir ihnen das Hotel schenken“. Dabei hat Barcelona einen Vorteil: Es liegt auf dem Festland. Wenn die heute geltenden Restriktionen gelockert werden, dürften sich die ersten Reisenden per Auto auf den Weg machen. Die Urlaubsziele, die nur per Flugzeug zu erreichen sind, leiden länger.

Die Regionalregierung der Balearen hat gerade versucht auszurechnen, wie stark die Wirtschaftsleistung der Inseln in diesem Jahr zurückgehen wird, und alle Zahlen sind so dramatisch, wie man sie nur aus Kriegszeiten oder aus Venezuela kennt: Falls im Juni schon wieder die ersten Touristen kommen sollten, bedeutete das einen Einschnitt des regionalen BIPs für dieses Jahr um 15,5 Prozent, falls sie im August kommen, um 21,8 Prozent. Allerdings ist zurzeit nicht absehbar, ob nun im Juni oder im August in Europa schon wieder Flugzeuge aufsteigen werden.

Es reicht nicht mal für Essen

Die Wirtschaft der Balearen hängt nach einer Schätzung des Lobbyverbandes Exceltur zu knapp 45 Prozent vom Tourismus ab, die der Kanaren zu 35 Prozent. Die Atlantikinseln sind besonders hart getroffen, weil hier jetzt gerade Hochsaison wäre, anders als im Mittelmeer, wo es erst im Sommer richtig losgeht. Die Kanarenregierung spricht vom „Kollaps“ und der „größten bekannten Krise des Sektors“. Viele der zurzeit Unbeschäftigten leben von Kurzarbeitergeld, viele andere haben ohne feste Anstellung gearbeitet und stehen vor dem Nichts. „Da reicht es noch nicht einmal zum Essen“, sagt Myriam Barros. Sie weiß von vielen Kolleginnen, die bei den Sozialbehörden um Hilfe bitten. 

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Die beste Nachricht in dieser Krise ist, dass die Regierung mit der Einführung einer nationalen Sozialhilfe Tempo macht, in der zweiten Maihälfte soll das Regelwerk vom Kabinett verabschiedet werden. Barros rechnet mit einer weiteren Konsequenz der Coronakrise: „Hier sind etliche Leute, so wie ich, auf die Inseln gekommen, weil es Arbeit im Gastgewerbe gab. Von ihnen werden viele in ihre Heimatorte aufs Festland zurückkehren.“ Die Kanaren werden Einwohner verlieren. „Etwas Gutes hat das immerhin“, sagt Barros. „Dann sinken die Mieten.“

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