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Urlaubsärger um Corona: Das sind Ihre Rechte

Abgesagte Flüge, ausgefallene Reisen, Stornokosten: Viele unserer Leser kämpfen um ihr Geld. Hier beantworten Juristen ihre Fragen.

Geht der Flug oder nicht? Diesem Hund dürfte das egal sein, dem Herrchen sicher nicht.
Geht der Flug oder nicht? Diesem Hund dürfte das egal sein, dem Herrchen sicher nicht. © Pavel Golovkin/AP/dpa

Viele Urlaubspläne fallen in diesem Jahr aus. Die Unsicherheit ist groß, wie die vielen Fragen beim SZ-Telefonforum zeigen. Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen und Sven Biebrach, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Kamenz, beantworten die wichtigsten Fragen.

Die im Reisebüro gebuchten Flüge von Dresden nach Dallas wurden annulliert. Angeblich bekommen wir nicht die vollen Kosten zurück, da das Reisebüro einen Anteil behält. Ist das rechtens?

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Nein, die Tickets sind vollständig zu erstatten. Die Rückzahlung der Kosten ist direkt bei der Airline anzumahnen. Das Reisebüro darf eventuelle Gebühren nicht abziehen.

Unsere USA-Rundreise Ende August wurde abgesagt, das Geld erhalten wir zurück. Wie verhält es sich mit den Kosten für die Flüge von und nach Deutschland? Die hatten wir im Netz gebucht.

Bleiben Sie auf dem Laufenden, ob die Flüge stattfinden. Sind sie abgesagt, muss die Airline die Kosten erstatten. Starten die Flieger, ist die Frage, ob Sie denn überhaupt in die USA hätten einreisen, sprich den Transitbereich nach der Landung verlassen dürfen. Aktuell gilt ein Einreiseverbot für Personen, die sich zuvor innerhalb von 14 Tagen in Deutschland oder einem anderen Schengenstaat aufgehalten haben.

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale kann dieser Umstand als höhere Gewalt gewertet werden, so dass Ihnen ein Recht zur kostenfreien Stornierung zusteht. Versuchen Sie, dies gegenüber der Airline durchzusetzen. Möglicherweise können Sie über eine Gutschrift verhandeln. Zeigt sich die Fluggesellschaft uneinsichtig, stehen bei einer Stornierung die Gebühren und Steuern für Ihre nichtangetretenen Flüge zu.

Für die Anreise zu unserer Kreuzfahrt ab Kiel hatten wir separat einen Zug gebucht. Die Reise ist abgesagt. Bleiben wir auf den Tickets sitzen?

Da die Zugtickets kein Bestandteil Ihrer gebuchten Pauschalreise waren, haben Sie schlechte Karten. Was die Erstattung der Kosten angeht, sind Sie allein auf die Kulanz der Bahn angewiesen.

Wir haben Ende 2019 eine Kreuzfahrt nach Dubai für 2021 gebucht und angezahlt. Die Restrate von 4.000 Euro wird im Dezember fällig. Was passiert, wenn bis dahin die Reisewarnung besteht?

Sie sollten in Betracht ziehen, den Betrag per SEPA-Lastschrift abbuchen zu lassen, dann können Sie Ihr Geld innerhalb von acht Wochen nach Abbuchung zurückholen. Bei einer Überweisung haben Sie diese Möglichkeit nicht. Zahlungstechnische Möglichkeiten bedürfen jedoch einer Anspruchsgrundlage aus dem Reisevertrag selbst. Wenn am Tage der Abbuchung eine Reisewarnung für Ihr Zielland besteht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine kostenfreie Stornierung möglich ist. .

Wir sind Risikopatienten und haben schon im März für Oktober eine Kurreise nach Tschechien gebucht. Was, wenn die gebuchten Anwendungen gar nicht oder nur unter Auflagen stattfinden? Können wir kostenfrei stornieren?

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Veranstalter, ob und unter welchen Bedingungen die Kurreise stattfinden soll. Die Kuranwendungen, für die Sie ja extra bezahlen, sind ein elementarer Bestandteil der Reise. Fallen diese weg, liegt ein erheblicher Mangel vor, und der Charakter Ihrer gebuchten Reise ändert sich komplett. Da eine Abhilfe nicht möglich scheint, können Sie also Ihre Reise mit Verweis auf den Paragrafen 651 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) kostenfrei kündigen. Bestehen Sie dabei auf der Rückzahlung des Preises.

Urlaub - aber bitte mit Abstand. Vielen ist die Reiselust im Corona-Jahr vergangen.
Urlaub - aber bitte mit Abstand. Vielen ist die Reiselust im Corona-Jahr vergangen. © Lefteris Partsalis/XinHua/dpa (Symbolbild)

Unsere für Mai gebuchte Griechenland-Reise fiel aus. Den angebotenen Gutschein unseres Veranstalters haben wir angenommen. Nun hätten wir aber lieber das Geld zurück. Was tun?

Bei einer Absage müssen Reiseveranstalter dem Kunden grundsätzlich die Wahl lassen zwischen einem Gutschein in Höhe des Reisepreises oder der Barrückzahlung. Oder aber sie bieten nur die Gelderstattung an. Entscheiden sich Kunden für eine der Optionen, so wie Sie für den Gutschein, sind sie daran gebunden. Wollen Sie nun lieber das Geld zurück, sind Sie auf die Kulanz des Veranstalters angewiesen.

Wir haben vor Corona eine Marokko-Reise gebucht und angezahlt. Da wir die momentanen Umstände vor Ort nicht kennen, sind wir unsicher, ob wir die Restrate Ende August zahlen sollen. Hinfliegen möchten wir. Was raten Sie?

Bevor die Zahlung fällig wird, wenden Sie sich schriftlich an Ihren Veranstalter. Machen Sie deutlich, dass Sie gewillt sind zu reisen, jedoch das Geld zurückhalten, solange Sie nicht über den konkreten Reiseablauf und die Beschränkungen vor Ort informiert werden. Berufen Sie sich dabei auf den Paragrafen 321 Bürgerliches Gesetzbuch („Unsicherheitseinrede“). Damit gewinnen Sie Zeit. Kündigt Ihr Veranstalter erhebliche Änderungen gegenüber der von Ihnen gebuchten Reise an, haben Sie ein Recht, kostenfrei zu stornieren.

Für Italien gilt keine Reisewarnung mehr, aber unsere Pauschalreise im Oktober wollen wir nicht antreten. Wer weiß, welche Einschränkungen es im Hotel vor Ort gibt. Können wir kostenfrei stornieren?

Gibt es aktuell keine vom Auswärtigen Amt ausgewiesene Reisewarnung für Ihre Urlaubsregion mehr, gelten zunächst die Stornobedingungen, die Sie bei Ihrer Buchung mit dem Veranstalter vereinbart haben. In der Regel gilt dabei: Je eher Sie stornieren, umso geringer sind die Kosten. Sollte jedoch die Anreise zum Beispiel wegen Flugausfällen schwierig werden, sich Ihre Reiseroute erheblich ändern oder das Corona-Risiko noch immer hoch sein, dürfen keine Stornokosten anfallen. Dann müssten Sie sich Ihr Geld zurückerstreiten.

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Wir hatten bei einem Veranstalter eine Aida-Reise im August auf der Ostsee gebucht. Die ist noch nicht abgesagt, obwohl Russland Risikogebiet ist. Die Stornierung kostete uns 735 Euro. Hätten wir direkt bei Aida gebucht, wäre das kostenfrei gewesen. Was nun?

Es kann von einem Erstattungsanspruch ausgegangen werden. Ungeachtet der Fragestellung, ob die Reise überhaupt durchgeführt werden kann und wird, rät das Auswärtige Amt von der Teilnahme an Kreuzfahrten ab. Viele Linien haben den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen. Ihre geplante Route geht teilweise in ein Risikogebiet, für das nach wie vor eine Reisewarnung besteht. In dem Fall können Sie kostenfrei von der Reise zurücktreten. Kontaktieren Sie noch einmal Ihren Veranstalter.

Unsere Reise nach Side im September haben wir im Januar gebucht. Es gibt keine Reisewarnung mehr, aber vor dem Rückflug ist ein Test in der Türkei Pflicht. Fällt er positiv aus, droht Quarantäne. Das ist inakzeptabel. Was tun?

Bei einer Pauschalreise könnte ein Pflichttest mit seinen Folgen von Gerichten als ein unzumutbarer Zustand gewertet werden. Dies würde zu einer kostenfreien Stornierung berechtigen. Allerdings liegen dazu noch keine verwertbaren Gerichtsurteile vor. Wichtig ist, das Infektionsgeschehen und die Lage im Zielgebiet im Auge zu behalten. Ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann, hängt vom Einzelfall ab.

Es müssen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen, oder die Reise muss erheblich beeinträchtigt sein. Das müssen Sie nachweisen. Leichte Einschränkungen oder Unannehmlichkeiten am Urlaubsort sind normalerweise hinzunehmen. Bei stärkeren Einschränkungen haben Sie die Möglichkeit, den Reisepreis zu mindern. Bei sehr starker Beschränkung kann auch eine Kündigung des Reisevertrages in Betracht kommen.

Unser Veranstalter fordert die Restrate für unsere Armenien-Reise im September. Laut Auswärtigem Amt ist die Einreise aus Deutschland aber bis auf Weiteres nicht erlaubt. Müssen wir unter diesen Umständen im Voraus zahlen?

Das ist nicht zu empfehlen. Unter Verweis auf die behördlichen Auflagen, das noch nicht absehbare Infektionsgeschehen und die damit voraussichtlich bleibende Reisewarnung zum Reisezeitpunkt können Sie sich auf „Unsicherheitseinrede“ gemäß Paragraf 321 Bürgerliches Gesetzbuch berufen. Sie sollten die Restzahlung aufgrund der Unsicherheit solange verweigern, bis Klarheit darüber herrscht, ob die Reise stattfindet.

Notiert von Kornelia Noack

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