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Corona-Verdacht: Was heißt das für Dresden?

Die beiden Betroffenen bleiben noch eine Woche isoliert. Das sagen Unternehmen, Ärzte und Schulen zu möglichen Notfallplänen.

Die beiden Dresdner sind zwar auf das neuartige Corona-Virus negativ getestet worden. Absolute Entwarnung wollen die Behörden aber noch nicht geben.
Die beiden Dresdner sind zwar auf das neuartige Corona-Virus negativ getestet worden. Absolute Entwarnung wollen die Behörden aber noch nicht geben. © Hans Punz/APA/dpa (Symbolbild)

Für die fünf Sachsen, die auf dem Kreuzfahrtschiff „Westerdam“ in Asien unterwegs waren, hat die Reise weitreichende Folgen. Der Urlaub endete, als der Verdacht aufkam, dass sich eine Passagierin mit dem Coronavirus infiziert haben könnte. Betroffen waren auch zwei Dresdner, die Mitte vergangener Woche nach Dresden zurückgekehrten. Sie dürfen ihre Wohnungen derzeit nicht verlassen. „Sie wurden negativ auf das Virus getestet“, so das sächsische Gesundheitsministerium. Die Krankheit könne aber theoretisch auch später noch ausbrechen.

Die drei Passagiere aus dem Landkreis Meißen konnten, anders als am Sonntag vom Ministerium mitgeteilt, nicht ohne weiteres nach Hause zurückkehren. Auch für sie gilt die häusliche Isolation. Wie geht es jetzt weiter?

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Was genau bedeutet häusliche Isolation?

Kontrolliert wird die Isolation nicht im Sinne einer Streife vor der Tür. Die Menschen mussten eine Aufforderung unterschreiben, daheim zu bleiben, so Sprecher Andreas Friedrich. Kein Schritt vor die Tür ist erlaubt, auch einkaufen dürfen sie nicht gehen. Das müssen Familie oder Freunde erledigen. Angaben zu den Personen, ob männlich oder weiblich, oder zum Alter will der Sprecher aus Datenschutzgründen nicht machen. Auch nicht dazu, ob die beiden Dresdner zusammen gehören. Noch eine Woche gilt die Isolation. Erst dann ist klar, ob sich die fünf Sachsen infiziert haben. Die Woche auf dem Schiff gilt bereits als Quarantänezeit. „Sie müssen täglich Fieber messen und sich beim Auftreten von Symptomen sofort melden“, so Friedrich.

Wann wurden die Menschen getestet?

Die Betroffenen wurden von ihren zuständigen Gesundheitsämtern vor ihrer Rückkehr angeschrieben, sich umgehend zu melden. „Die zwei Personen aus Dresden stehen unter Beobachtung durch das Gesundheitsamt“, erklärt der Sprecher. „Sie sind gesund, aber zur Sicherheit häuslich isoliert.“ Bereits am 18. Februar seien ihnen Proben entnommen worden. Die Untersuchung ergab, dass das Coronavirus nicht nachgewiesen werden konnte.

Warum müssen die beiden Dresdner 14 Tage in Quarantäne?

Eine weitere Ausbreitung des Virus soll so weit wie möglich verhindert oder zumindest verlangsamt werden, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Deshalb sei es nötig, die Personen, die Kontakt zu Menschen hatten, bei denen das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, für die maximale Dauer der Zeit, die zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten von Krankheitszeichen liegt, in häuslicher Quarantäne zu beobachten. In dieser Zeit - das sind 14 Tage - ist das Gesundheitsamt mit den Betroffenen täglich in Kontakt, um den Gesundheitszustand zu beobachten und rasch zu handeln, falls Krankheitszeichen auftreten sollten. Gleichzeitig werden die Kontakte der Betroffenen auf ein Minimum reduziert, damit das Virus nicht weiterverbreitet werden kann.

Zu den Empfehlungen kann gehören, zu Hause zu bleiben, Abstand zu Dritten zu halten, auf eine gute Belüftung der Wohn- und Schlafräume zu achten und Haushaltsgegenstände wie beispielsweise Geschirr und Wäsche nicht mit Dritten zu teilen, ohne diese zuvor wie üblich zu waschen. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte ein eigenes Badezimmer genutzt werden. Hygieneartikel sollten ebenfalls nicht geteilt und die Wäsche regelmäßig und gründlich gewaschen werden.

Gab es bisher weitere Verdachtsfälle in Dresden?

Ja, aber alle bislang am Uniklinikum vorgestellten Verdachtsfälle waren negativ. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass weitere Verdachtsfälle auftreten, so ein Sprecher. Das gelte vor allem für Patienten, die aus dem Gebiet von Wuhan, Province Hubei (China), einreisen sowie für deren Kontaktpersonen. 

An der TU Dresden gibt es derzeit keinen Corona-Verdachtsfall, sagt Sprecherin Kim-Astrid Magister.

Wie reagieren Dresdner Unternehmen?

In der Chipfabrik von Globalfoundries mit rund 3.200 Mitarbeitern greift seit Januar der Pandemieplan, sagt Sprecherin Karin Raths. „Globalfoundries hat wie jedes verantwortungsvolle Unternehmen einen umfangreichen Krisenmanagement-Plan, der auch Maßnahmen im Falle einer Pandemie umfasst.“ So seien Dienstreisen nach China gestrichen worden. Bei Reisen in den asiatischen Raum werde überprüft, ob sie unbedingt notwendig seien. 

Laut Infineon-Sprecher Christoph Schumann werden alle Reisen nach China durch die Mitarbeiter geprüft, von privaten Reisen sei abgeraten worden. Es gebe einen Gefahrenabwehr-Plan, der greifen würde, wenn es Virus-Fälle im Unternehmen gäbe.

An den Katastrophenplan der Stadt gebunden sind die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Laut Sprecher Falk Lösch würde das Rathaus im Zweifel entscheiden, ob die Busse und Bahnen fahren oder nicht. Aber aktuell bestehe kein Grund zur Panik. „Unsere Fahrer haben auch keine Atemschutzmasken oder Schutzanzüge“, so Lösch. Busse und Bahnen werden täglich gereinigt.

Die Drewag mit 3.000 Mitarbeitern plant keine Dienstreisen nach China. „Aber wir stellen uns darauf ein, dass ein Katastrophenfall eintreten kann und bereiten uns vor", so Sprecherin Gerlind Ostmann. 

Über einen Pandemieplan verfügt auch die TU Dresden. Dieser ist mit dem Rektorat und mit den Dezernaten abgestimmt. Darin ist festgeschrieben, wie im Falle einer Pandemie eine Abschätzung der Risiken sowie die Ableitung entsprechender Maßnahmen zu erfolgen hat, so Sprecherin Magister.

Was raten Kinderärzte und Schulen?

Der Dresdner Kinderarzt Sascha Ifflaender rät dazu, Ruhe zu bewahren. Es gebe derzeit keinen Grund, sein Kind nicht in die Kita oder zur Schule zu schicken. Das sieht auch Infektionsexperte Reinhard Berner vom Dresdner Uniklinikum so. So lange Kinder nicht in einem Risikogebiet waren, gebe es keinen Grund, Panik vor einer Coronavirusinfektion zu haben.

Das scheint für Dresdner Eltern zurzeit ohnehin nicht zur Debatte zu stehen. Sowohl Jürgen Karras, Leiter am Gymnasium Cotta mit mehr als 800 Schülern, als auch Karsten Jonas vom Gymnasium Dreikönigschule bestätigen, dass das Virus überhaupt kein Thema ist. „Ich hatte dazu gar keine Anfragen von Eltern“, so Jonas. Ansonsten gebe es für die Schulen einen konkreten Plan, wie im Infektionsfall vorzugehen ist. Bei einem Verdacht entscheide das Gesundheitsamt, ob ein Aushang in der Schule gemacht wird und was sonst zu tun ist.

Wie gut sind die Dresdner Krankenhäuser vorbereitet?

Das Uniklinikum hat Maßnahmen ergriffen, um Verdachtsfälle umgehend isolieren und diagnostizieren zu können. Das Städtische Klinikum ist ohnehin ständig auf die Behandlung infektiöser Patienten vorbereitet, weil das Fachgebiet Infektiologie und Tropenmedizin Teil des Krankenhausplans ist, erklärt Sprecherin Viviane Piffczyk. Es ist also die erste Anlaufstelle, wenn ein Verdacht auf eine Corona-Viren-Infektion besteht.

Am Neustädter Standort steht eine infektiologische Station mit 20 Betten unter fachärztlicher Leitung zur Verfügung. Patienten mit möglichen übertragbaren Krankheiten werden dort isoliert versorgt. „Das bedeutet, die Zimmer sind mit einem eigenen Sanitärbereich und einer Hygieneschleuse ausgestattet. Das Pflege- und Ärzteteam ist darin seit Jahren geschult und erfahren.“ Zudem können sie eine entsprechende Schutzausrüstung tragen. Strengste Hygienemaßnahmen sollen eine Ausbreitung der Krankheit verhindern. Das Klinikum steht in engem Austausch mit Gesundheitsamt und anderen Behörden. 

Am Uniklinikum und am Diakonissenkrankenhaus können Patienten ebenfalls in einzelnen Zimmern isoliert versorgt werden.

Wie gefährlich ist das Virus und was sind die Symptome?

Gewöhnliche Corona-Viren verursachen meistens eine milde Erkältungssymptomatik mit Husten und Schnupfen, so das Robert-Koch-Institut. Bestimmte Coronaviren könnten aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. „Das neue Corona-Virus scheint mit einem schwereren Verlauf einherzugehen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten“, betont das Institut.

Anfangs seien die Behörden in China davon ausgegangen, dass sich alle Patienten auf einem Markt infiziert haben. „Inzwischen ist jedoch bekannt, dass das neue Corona-Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist“, so das Institut. Erste Mensch-zu-Mensch-Übertragungen außerhalb Chinas wurden bislang in Vietnam und in Deutschland berichtet. Es wurden auch einzelne Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die offenbar noch keine Symptome zeigten.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wer Husten, Schnupfen und Fieber hat, sollte sich nach telefonischer Voranmeldung nur dann bei einem Arzt oder Krankenhaus vorstellen, wenn tatsächlich eine ärztliche Behandlung erforderlich erscheint, erklärt Viviane Piffczyk vom Städtischen Klinikum. Das sei der Fall, wenn die unteren Atemwege erkrankt sind. Das können eine Lungenentzündung oder akute Atemnot sein.

Das allein ist allerdings noch kein Beweis für eine Corona-Virus-Infektion. Denn Betroffene müssen außerdem innerhalb der letzten zwei Wochen vor Ausbruch der Krankheit in einem Risikogebiet gewesen sein. Auch beim Kontakt zu einem bereits bestätigten Fall wird eine mögliche Infektion abgeklärt. Dabei werden Abstriche aus dem Nasen- und Rachenbereich entnommen, wenn nötig auch abgehustetes Sekret.

Ob ein Patient tatsächlich das Corona-Virus in sich trägt, kann in Dresden nicht festgestellt werden. Das ist nur im Konsiliarlabor der Charité in Berlin möglich. Ist der Abstrich im Labor, liegt das Ergebnis wenige Stunden später vor. 

Nicht nur in Dresden, sondern bundesweit finden derzeit allerdings nur fallbezogene Untersuchungen statt. Ein allgemeines Screening sei nicht vorgesehen, so das Gesundheitsamt. „Derzeit konzentrieren sich die Fachleute bei der Identifizierung von Risikofällen auf die Menschen, die aus der Provinz Hubei kommen.“ Dieses Vorgehen ist mit den Landesbehörden abgestimmt und entspricht den nationalen Vorgaben durch das Robert-Koch-Institut.

Müssen sich die Dresdner Sorgen machen?

„Selbstverständlich ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten; ein Grund zur Besorgnis besteht aktuell aber nicht“, so das Gesundheitsamt in Dresden. Im Umgang miteinander sollte die in der Grippe-Saison übliche Husten- und Nies-Etikette berücksichtigt werden, um Übertragungswege zu minimieren. Das gelte nicht nur für das Coronavirus, sondern sollte generell Beachtung finden, betont das Rathaus. Mit diesen einfachen Mitteln könne eine gewisse Vorbeugung stattfinden.

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„In vielen mild verlaufenden Fällen ist keine ärztliche Behandlung notwendig“, so Viviane Piffczyk. In diesem Erkrankungsfall sollten Menschenansammlungen dennoch vermieden werden. Auch das Lüften der Zimmer sei wichtig, um die Virenbelastung in der Raumluft zu senken.

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