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Corona verschärft Suchtprobleme in Sachsen

Besonders bei Problemen mit Alkohol und exzessivem Medienkonsum erwarten Experten steigende Fallzahlen.

Wenn der Alltag durcheinandergerät, kann das vor allem für Suchtkranke gefährlich sein.
Wenn der Alltag durcheinandergerät, kann das vor allem für Suchtkranke gefährlich sein. © dpa

Dresden. Fachleute befürchten eine Zunahme der Suchtprobleme durch die Corona-Krise. Wenn der Alltagsrhythmus vieler Leute durcheinandergerät, kann das vor allem für Suchtkranke gefährlich sein. Es ist mit einem Anstieg alkoholbezogener Probleme und des Hilfebedarfes bei exzessivem Medienkonsum zu rechnen, sagte Olaf Rilke, der Geschäftsstellenleiter der sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren. Konkrete Daten lägen aber noch nicht vor.

„Die eingeschränkte medizinische und psychosoziale Versorgung während des Lockdowns war sehr belastend für suchtkranke Menschen“, sagte Rilke. Die Betroffenen hätten zwar in allen Suchtberatungsstellen dankbar alternative Kontaktmöglichkeiten via Telefon und Videoberatung genutzt. Dennoch sei dies kein Ersatz für die realen Kontakte, therapeutische Arbeit und tagesstrukturierende Angebote. „Wir müssen davon ausgehen, dass in dieser Zeit psychische Krisen und Rückfälle gehäuft auftreten“, so Rilke. Die Situation in betroffenen Familien könnte sich verschärfen und Hilfesysteme besonders fordern.

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Mehr Zeit mit dem Smartphone

Nach dem aktuellen Suchtbericht 2019 bleibt Alkohol die Droge Nummer 1 in Sachsen. Knapp 80 Prozent aller Suchtdiagnosen in den Krankenhäusern und die Hälfte aller Beratungsfälle haben mit Alkoholkonsum zu tun. Die Zahl der Crystal-Konsumenten, die eine Beratungsstelle aufsuchen, sinkt dagegen weiter. Ihre Zahl ging in den vergangenen drei Jahren um 20 Prozent zurück, bei Cannabis nahm die Konsumentenzahl dagegen zu.

Die Fälle von Spielsucht oder exzessivem Medienkonsum steigen ebenfalls an – und werden weiter zunehmen, warnen die Experten im Suchtbericht. Nach einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit mit Forschern des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben Kinder und Jugendliche während des Corona-Lockdowns bis zu 75 Prozent mehr Zeit mit digitalen Spielen und sozialen Medien verbracht. Bei einer zu starken Gewöhnung könnte sich auch die Suchtgefahr erhöhen.

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Nach der Studie griffen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren, die mindestens einmal pro Woche spielen, während der Schulschließungen nicht nur häufiger zu digitalen Spielen auf Tablets, Smartphones, Spielkonsolen und am PC, sondern auch die Nutzungsdauer stieg deutlich an. Im September vergangenen Jahres lag die durchschnittliche Spieldauer werktags noch bei rund 79 Minuten, im April kletterte sie auf 139 Minuten. Am Wochenende gab es einen Anstieg um fast 30 Prozent auf 193 Minuten. In Sachsen gelten etwa 25.000 Menschen als mediensüchtig. (mit dpa)

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