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Corona-Virus: Ist Dresden vorbereitet?

Das Virus breitet sich weiter aus, in Deutschland gibt es fünf Krankheitsfälle. Was Dresdner tun können, wenn sie einen Verdacht auf eine Infektion haben.

Viele Dresdner sind verunsichert, wenn es um eine mögliche Infektion mit dem Corona-Virus geht.
Viele Dresdner sind verunsichert, wenn es um eine mögliche Infektion mit dem Corona-Virus geht. © dpa

Das neuartige Corona-Virus ist in Deutschland angekommen, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen internationalen Notstand ausgerufen. In mehreren Bundesländern häuft sich der Verdacht auf Infizierte, in Sachsen wurden rund 30 Tests auf die Viren durchgeführt. Auch Dresden bereitet sich auf Krankheitsfälle vor.

Was tun die Krankenhäuser?

Das Städtische Klinikum ist ohnehin ständig auf die Behandlung infektiöser Patienten vorbereitet, weil das Fachgebiet Infektiologie und Tropenmedizin Teil des Krankenhausplans ist, erklärt Sprecherin Viviane Piffczyk. Es ist also die erste Anlaufstelle, wenn ein Verdacht auf eine Corona-Viren-Infektion besteht. 

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Am Neustädter Standort steht eine infektiologische Station mit 20 Betten unter fachärztlicher Leitung zur Verfügung. Patienten mit möglichen übertragbaren Krankheiten werden dort isoliert versorgt. "Das bedeutet, die Zimmer sind mit einem eigenen Sanitärbereich und einer Hygieneschleuse ausgestattet. Das Pflege- und Ärzteteam ist darin seit Jahren geschult und erfahren." Zudem können sie eine entsprechende Schutzausrüstung tragen. Strengste Hygienemaßnahmen sollen eine Ausbreitung der Krankheit verhindern. Das Klinikum steht außerdem in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt und anderen Behörden. 

Am Uniklinikum und am Diakonissenkrankenhaus können Patienten ebenfalls in einzelnen Zimmern isoliert versorgt werden.

Wie bereitet sich das Rathaus vor?

Das Gesundheitsamt der Stadt Dresden verfolgt nach eigenen Angaben aktiv die nationalen und internationalen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem neuen Corona-Virus. "Wir stehen hier in engem Austausch mit den Krankenhäusern aber auch dem niedergelassenen ärztlichen Bereich, um Fragen, bezogen auf den Einzelfall, konkret zu beantworten", so das Gesundheitsamt. 

Vorrangige Informationsquelle für alle medizinischen Einrichtungen sei die Internetseite des Robert-Koch-Institutes, die laufend aktualisiert wird. Darüber hinaus gibt das zuständige Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Informationen an die verschiedenen medizinischen Institutionen weiter.

Wie gefährlich ist das Virus und was sind die Symptome?

Gewöhnliche Corona-Viren verursachen meistens milde Erkältungssymptomatik mit Husten und Schnupfen, so das Robert-Koch-Institut. Bestimmte Corona-Viren könnten aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. "Das neue Corona-Virus scheint mit einem schwereren Verlauf einherzugehen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten", betont das Institut. 

Anfangs seien die Behörden in China davon ausgegangen, dass sich alle Patienten auf dem Markt infiziert haben. "Inzwischen ist jedoch bekannt, dass das neue Corona-Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist", so das Institut. Erste Mensch-zu-Mensch-Übertragungen außerhalb Chinas wurden bislang in Vietnam und in Deutschland berichtet. Es wurden auch einzelne Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die offenbar noch keine Symptome gezeigt hatten.

Wann sollte man zum Arzt gehen und wer stellt fest, ob eine Infektion mit dem Corona-Virus vorliegt?

Wer Husten, Schnupfen und Fieber hat, sollte sich nach telefonischer Voranmeldung nur dann bei einem Arzt oder Krankenhaus vorstellen, wenn tatsächlich eine ärztliche Behandlung erforderlich erscheint, erklärt Viviane Piffczyk vom Städtischen Klinikum. Ein begründeter Verdacht bestehe nur, wenn die unteren Atemwege erkrankt sind. Das kann eine Lungenentzündung oder akute Atemnot sein. 

Doch das allein ist noch kein Grund sich über eine Corona-Virus-Infektion Sorgen zu machen. Denn der Betroffene muss außerdem innerhalb der letzten zwei Wochen vor Ausbruch der Krankheit in einem Risikogebiet gewesen sein. Auch beim Kontakt zu einem bereits bestätigten Fall wird eine mögliche Infektion abgeklärt. Dabei werden Abstriche aus dem Nasen- und Rachenbereich entnommen, wenn nötig auch abgehustetes Sekret. 

Ob ein Patient tatsächlich das Corona-Virus in sich trägt, kann in Dresden nicht festgestellt werden. Das ist nur im Konsiliarlabor der Charité in Berlin möglich. Ist der Abstrich im Labor, liegt das Ergebnis wenige Stunden später vor. Nicht nur in Dresden, sondern bundesweit finden derzeit allerdings nur fallbezogene Untersuchungen statt. Ein allgemeines Screening sei nicht vorgesehen, so das Gesundheitsamt. "Derzeit konzentrieren sich die Fachleute bei der Identifizierung von Risikofällen auf die Menschen, die aus der Provinz Hubei kommen." Dieses Vorgehen ist mit den Landesbehörden abgestimmt und entspricht den nationalen Vorgaben durch das Robert-Koch-Institut. 

Müssen sich die Dresdner Sorgen machen?

"Selbstverständlich ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten; ein Grund zur Besorgnis besteht aktuell nicht", so das Dresdner Gesundheitsamt. Im Umgang miteinander sollte die in der Grippe-Saison übliche Husten- und Nies-Etikette berücksichtigt werden, um mögliche Übertragungswege zu minimieren. Das gelte nicht nur für das Corona-Virus, sondern sollte generell Beachtung finden, betont das Rathaus. Mit diesen einfachen Mitteln könne eine gewisse Vorbeugung stattfinden.

"In vielen mild verlaufenden Fällen ist keine ärztliche Behandlung notwendig", so Viviane Piffczyk. In diesem Erkrankungsfall sollten Menschenansammlungen dennoch vermieden werden.  Auch das Lüften der Zimmer sei wichtig, um die Virenbelastung in der Raumluft zu senken. 

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