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Volksbank im Corona-Modus

Das Jahr startete gut für die Görlitzer Bank. Jetzt ist alles anders. Und doch arbeitet die Volksbank schon für die Zeit nach Corona.

Symbolbild
Symbolbild © SZ/Uwe Soeder

Das Jahr hatte  gut begonnen. Ein Drittel mehr Kredite in den ersten drei Monaten des Jahres. So hätte es für die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien weitergehen können. Ist es aber nicht. Doch die Volksbank-Vorstände Sven Fiedler und Thomas Heinze nehmen es gelassen. Sie können ja auch nichts an der Lage ändern. Statt guter Zahlen und neuer Produkte dreht sich auch bei der Görlitzer Bank derzeit alles um Corona. Selbst das Bilanzpressegespräch findet nicht in der Bank, sondern per Videokonferenz statt. Die Bank im Corona-Modus.

Mehr Telefonate, hoher Beratungsbedarf wegen Corona

Bis auf die drei großen Filialen in Görlitz, Niesky und Weißwasser sind alle anderen Geschäftsstellen geschlossen, nachdem die Kunden zu Hause blieben.  In den drei Filialen trennen Glasscheiben an speziellen Diskretkassen Kunden und Mitarbeiter. Zugleich rufen die Kunden verstärkt an. Auf 40 bis 60 Prozent zusätzliche Telefonate als in der Vor-Corona-Zeit beziffert Fiedler die Entwicklung. 

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Bei den rund 3.000 gewerblichen Kunden entwickelt sich die Lage unterschiedlich. Gerade Handwerksbetriebe im Baugeschäft, so hat Vorstand Thomas Heinze beobachtet,  nutzen die Tage jetzt, um den Auftragsstau abzuarbeiten. Im Handel geht derzeit freilich nicht viel, bei Gastronomen und Hoteliers, Friseuren oder Kosmetikerinnen ebenso. Sie wenden sich an die Bank, die die Kredit- und Liquiditätsprogramme von Bund und Land vermitteln. Es seien gute Programme, sagt Sven Fiedler, doch es seien eben Kredite, die auch zurückzuzahlen sind.

Mittlerweile sind 109 Anträge im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bei der Volksbank eingegangen. Häufig geht es um die Tilgung von Krediten. Bis zu zwölf Monaten räumt die Volksbank ihren Firmenkunden ein, mit der Tilgung auszusetzen. Entscheiden können das jetzt Mitarbeiter in den Filialen vor Ort. "Uns ging es um schnelle Entscheidungen", sagt Sven Fiedler, "damit die Entlastungen auch schnell ankommen". Er rechnet mit wenigstens sechs Monaten, die es brauchen wird, bevor bei vielen eine gewisse  Normalität wieder erreicht ist.

Zahlen für 2019 waren sehr gut

Was die Pandemie für die Volksbank bedeutet, ist derzeit noch nicht ganz abzuschätzen. Täglich tagt der Krisenstab unter Leitung von Sven Fiedler, beobachtet man sehr genau die Entwicklung auf den Kapitalmärkten. Aber Thomas Heinze ist davon überzeugt, dass die Volksbank die Pandemie gut durchstehen wird. Doch die Mitglieder der Bank könnten in diesem Jahr auf die Dividende von zwei Prozent verzichten, die Bankenaufsicht will, dass die Banken ihr Geld zusammenhalten. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

  • Die Bilanzsumme stieg um 7,1 Prozent auf 443,8 Millionen Euro
  • Die betreuten Kundeneinlagen stiegen um 6,7 Prozent auf 639 Millionen Euro
  • Die betreuten Kundenkredite belaufen sich jetzt auf 236,6 Millionen Euro, ein Plus von vier Prozent.
  • Der Jahresüberschuss blieb mit 342.000 Euro auf Vorjahresniveau.
  • Die Bank beschäftigt gut 90 Mitarbeiter, drei neue Azubis starteten ihre Ausbildung. Auch 2020 wird die Bank wieder drei junge Menschen eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder der Bankkauffrau ermöglichen.

So sehr die Corona-Pandemie den Alltag derzeit auch bestimmt, langfristig werden andere Trends das Bankgeschäft bestimmen. Beispielsweise die Digitalisierung. Depots digital zu eröffnen, ist bereits möglich. Künftig können auch Baufinanzierungen über Online-Plattformen vorbereitet werden. Jeder dritte Kunde der Görlitzer Volksbank und Raiffeisenbank tritt über digitale Programme mit seiner Bank in Verbindung. Damit die Mitarbeiter ihre Kunden dabei gut beraten, setzt das Haus auf Weiterbildung. So fand Anfang März eine "digitale Hausmesse" statt, in der Bank hat sich die Arbeitsgruppe gegründet, die Schulungen vorbereitet. Name des Teams: "Digitale Tiger".  

Neues System für Negativzinsen

Das andere große Thema dieser Zeit wird durch die Corona-Pandemie eher noch verschärft: die Negativzinsen. Bislang sind die Privatkunden davon verschont geblieben.  Für Firmenkunden führte die Bank im März ein neues Verwahrentgelt-System ein, eine sachsenweite Besonderheit. Das Prinzip: Wer viel Geschäfte mit der Volksbank macht, der kann sich im besten Fall sogar über eine kleine Gutschrift freuen. Wer nur die Einlagen bei der Bank hält, der muss mehr zahlen. Weit über 80 Prozent der Firmenkunden, sagt Fiedler, werde mit keinem Negativzins bei diesem System belastet.

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