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Corona weckt die Freude am Radfahren

Noch ist Radurlaub verboten. Doch der ADFC lockt schon mit zwölf Premium-Strecken – zum Planen.

So macht Radfahren Spaß.
So macht Radfahren Spaß. © 123rf/Antonio Guillem

Die Fahrradläden haben seit einer Woche wieder geöffnet und werden rege besucht. Denn mit Corona sind viele Menschen von Bus und Bahn aufs Fahrrad umgestiegen – und entdecken auch angesichts des schönen Wetters ihre Freude daran. Zwar sind mehrtägige Touren aufgrund der Kontaktbeschränkungen und geschlossener Hotels noch nicht möglich. Doch zumindest Tagesausflüge sind erlaubt.

Wer in der Freizeit die Bewegung an der frischen Luft genießt, wählt auch im Alltag häufiger das Rad. Das hat die Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ergeben. Für die repräsentative Online-Umfrage, die bereits seit 21 Jahren jährlich stattfindet, wurden zwischen November 2019 und Januar 2020 in Deutschland 8.122 Menschen befragt. Radurlaub ist demnach weiter angesagt, 5,4 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr eine Radreise mit drei und mehr Übernachtungen unternommen. Hinzu kommen 330 Millionen Tagesausflüge. In diesem Jahr dürften es noch mehr werden. Denn durch die Corona-Krise bleiben die Ferienflieger vorerst am Boden und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen.

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„Dass die Menschen den Schwung aus dem Radurlaub in den Alltag hineintragen, ist ein positiver Trend, der sich noch verstärken lässt“, sagt ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler. Voraussetzung dafür sei aber, dass Touristiker und Verkehrsplaner besser zusammenarbeiten. Denn jeder Zweite nutzt die, während der Ausflüge, kennengelernten Strecken auch im Alltag, hat die Analyse ergeben.

Jeder Fünfte radelt allein

Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Immer mehr radeln mit einem Elektrofahrrad – bereits 29 Prozent. Die Mehrzahl ist auf Touren- und Trekkingrädern unterwegs. Zur Vorbereitung der Reise und bei der Navigation auf dem Rad erfreuen sich Apps zunehmender Beliebtheit.

Das Bild der Hobby-Radler hat sich deutlich verändert. „Vor zehn Jahren waren vor allem technisch topausgestattete Männer im mittleren Alter auf langen Strecken mit dem Rad unterwegs. Heute ist das Bild deutlich diverser und auch die Arten der Radreisen sind vielfältiger“, sagt Louise Böhler. Besonders beliebt bei den Deutschen sind Kurzreisen – also Ausflüge mit einer Dauer von bis zu sieben Übernachtungen. Jeder Dritte bevorzugt Kurztrips, mit einer Dauer von bis zu drei Nächten. Hoch im Kurs stehen laut der Befragung Wellness-Reisen mit Fahrradausflügen, Kurztrips mit Städtebesuch, Sterntouren mit einer festen Unterkunft oder die kurze Auszeit in der Nähe des Wohnortes.

Wie der ADFC ermittelt hat, ist rund die Hälfte der Radtouristen zwischen 45 und 64 Jahre alt. Hauptsächlich fahren sie gemeinsam mit dem Partner oder mit Freunden. Jeder Fünfte ist lieber allein unterwegs. Eines eint sie aber: Sie radeln am liebsten durch ihre Heimat. Laut Umfrage, die noch vor der Pandemie stattfand, planen rund 72 Prozent der Radreisenden auch 2020 einen Urlaub in Deutschland. Für andere Länder Europas interessieren sich 40 Prozent. Das Allgäu ist die beliebteste Radregion, gefolgt von Emsland und Münsterland.

Elberadweg auf Platz 2

Offenbar besonders gern sind Radler entlang von Flüssen unterwegs. Derzeitiger Favorit unter den Fernwegen ist der Weser-Radweg. Er führt auf 500 Kilometern vom Weserbergland bis Cuxhaven an der Nordsee. Auf Platz zwei liegt der 1.270 Kilometer lange Elberadweg von der Mündung in Tschechien über Dresden und Hamburg bis zur Nordsee. Beide gehören zu den zwölf Premium-Routen, die auf rund 12.000 Kilometern das gesamte Land vernetzen, von Nord nach Süd, von West nach Ost – und durch malerische Landschaften ebenso wie vorbei an jeder Menge Sehenswürdigkeiten führen. „Die sogenannten D-Routen verlaufen auf bestehenden und bekannten Radfernwegen. Die Vereinheitlichung der Qualitätsstandards steht jedoch noch aus. Dazu zählen eine lückenlose einheitliche Beschilderung und die Ausstattung der Routen mit einer fahrradfreundlichen Infrastruktur“, sagt ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler.

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Die ersten Einkehrmöglichkeiten entlang der Radwege bieten für Tagesgäste bereits eine provisorische Versorgung zum Mitnehmen an. Gastronomen und Hoteliers hoffen auf eine baldige Öffnung. Bis dahin bleibt Radurlaubern nur, weiter an der Strecke zu planen. In seiner Broschüre „Radurlaub“ stellt der ADFC 90 Ideen in Deutschland, Europa und weltweit vor.

www.radurlaub-online.de

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