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Fast allein auf dem Campingplatz

An der Talsperre Malter gibt es derzeit nur wenige Dauercamper. Dafür ist an anderen Stellen der Weißeritzregion viel Bewegung.

Die Dresdner Andrea und David Wendler gehören zu den wenigen Dauercampern, die am Wochenende an der Talsperre Malter waren.
Die Dresdner Andrea und David Wendler gehören zu den wenigen Dauercampern, die am Wochenende an der Talsperre Malter waren. © Frank Baldauf

Sonntagvormittag an der Talsperre Malter. Idylle pur bei neun Grad Celsius. Es ist ruhig am Wasser, der Strand menschenleer. Das haben Nancy und Jan Flechsig, die mit dem Auto aus Brand-Erbisdorf angereist sind, nicht erwartet. Das Paar kennt die Talsperre recht gut. Im Sommer kommen sie sehr oft zum Baden hierher, mit dem Fahrrad. "Ich habe ein E-Bike, mein Mann fährt ein 'richtiges' Fahrrad", sagt Nancy Flechsig und lächelt. Gut zwei Stunden brauchen sie für die 36 Kilometer lange Strecke. Die nehmen sie gern in Kauf. "Das Wasser ist hier so sauber." Meistens sind gar nicht so viele Leute da, obwohl das die Badewanne von Dresden ist, meint ihr Mann. Doch heute ist alles anders – niemand ist da. Zwar haben sie nicht erwartet, dass sich hier Hunderte tummeln, aber das niemand am Strand ist, ist schon ungewöhnlich, sagt Nancy Flechsig. 

Die gelockerten Corona-Maßnahmen, die seit Montag wieder Ausflüge in die Region ermöglichen, wirken hier offenbar noch nicht. Zumindest nicht an diesem Vormittag. 

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Spaziergänger traf man am Sonntagvormittag eher selten an der Talsperre Malter.
Spaziergänger traf man am Sonntagvormittag eher selten an der Talsperre Malter. © Frank Baldauf
Jan und Nancy Flechsig kamen aus Brand-Erbisdorf, um einen Spaziergang an der Malter zu machen. 
Jan und Nancy Flechsig kamen aus Brand-Erbisdorf, um einen Spaziergang an der Malter zu machen.  © Frank Baldauf
Auch Jochen und Monika Eckhard aus Malter staunen über den menschenleeren Strand.
Auch Jochen und Monika Eckhard aus Malter staunen über den menschenleeren Strand. © Frank Baldauf

Wenig später treffen die Brand-Erbisdorfer dann doch noch andere Menschen. Monika und Wieland Eckardt spazieren den Weg zum Wasser herunter. Die beiden Rentner sind hier Dauergäste. Auch sie wundern sich, dass nicht mal ein Angler am Strand sitzt. Die Eckardts wohnen auf der anderen Seite der Talsperre und gehen hier oft spazieren. "Wir sind 1999 aus Dresden nach Malter auf den Sonnenhang gezogen. Wir lieben diese Gegend zwischen Wald und See", sagt Monika Eckardt. Und das seit Jahren. 

"In den 50er-, 60er- und 70er-Jahren sind wir jedes zweite Wochenende zum Baden in das Strandbad Seifersdorf gefahren", erzählt ihr Mann. Hier trafen sie sich mit anderen Familien aus Dresden. Immer dabei war der selbst gemachte Kartoffelsalat. Nun, wo die Talsperre quasi vor der Haustür liegt, kommen sie sehr oft hierher, mal zur Wassergymnastik ins Schwimmbad oder für einen Spaziergang am Wasser. Doch so ruhig, wie an diesem April-Sonntag habe man es schon lange nicht mehr erlebt. Die Corona-Krise ist hier im Tourismusgebiet förmlich zu spüren. Denn trotz der Lockerungen ist der Campingplatz immer noch geschlossen.

Das stille Örtchen ist dicht

Die Rezeption ist nicht besetzt, die Toilettenhäuser geschlossen, alle Imbisse auf dem Platz sind zu und das Trinkwasser auf dem Platz immer noch abgestellt. Auch die Schranke hebt sich nicht. Gerade für Dauercamper ist das ein Manko. Sie müssen außerhalb der Anlage einen Stellplatz finden und dann zu ihren Wohnwagen laufen. So haben es Andrea und David Wendler gemacht. Die beiden Dresdner gehören zu den wenigen Leuten, die an diesem Sonntag auf dem Campingplatz anzutreffen sind.

Seit November 2019 sind sie hier Dauercamper. "Vorher waren wir im Sonnenland bei Moritzburg", sagt Andrea Wendler. Da sie im Dresdner Süden wohnen, wollten sie gern einen Platz an der Talsperre Malter. "Hier gefällt es uns auch besser." Es sei nicht so einfach gewesen, den Platz zu bekommen. Dann hat es geklappt. Nun machen die beiden Dresdner ihr kleines Reich vor dem Wohnwagen hübsch. Sie pflanzten Koniferen und Osterglocken. Am Sonnabend waren sie bis zum späten Nachmittag beschäftigt, heute soll eher Schluss sein. Andrea Wendler findet, dass für diese Jahreszeit nur sehr wenige Leute auf dem Zeltplatz sind. "Gestern haben wir hier vielleicht zehn Leute gesehen." Naja, die Einschränkungen sind ja auch nicht angenehm, meint sie. "Die Toiletten sind zu, Trinkwasser gibt es nur am Eingang, zehn Liter kosten zehn Cent." Von dort muss dann zum Wohnwagen getragen werden.

Kein Dampf im Weißeritztal

Ein paar Kilometer weiter in der Dippser Heide ist schon mehr Bewegung. Am Parkplatz neben der Dippoldhütte stehen fünf Autos. Eine 45-jährige Dippserin und ihre Cousine beenden gerade einen sieben Kilometer langen Nordic-Walking-Trip. "Das Wetter ist schön", sagt sie. Und endlich dürfe man wieder in dieses Waldgebiet. Auf den Wegen habe sie viele Familien getroffen, die dort spazieren gingen. Dennoch sind es im Verglich zu normalen Zeiten wenig gewesen, meint sie.

Noch mehr Begängnis ist um die Mittagszeit im Rabenauer Grund, obwohl die Schmalspurbahn immer noch im Depot steht und das Gasthaus in der Rabenauer Mühle wegen der staatlichen Auflagen geschlossen ist. Silke Hetz und ihre fünfjährige Tochter stören sich nicht daran. Die beiden Dresdner wollen von der Mühle aus einen Spaziergang machen. "Im Großen Garten in Dresden ist zu viel los", sagt die Dresdnerin. „Eigentlich besuchen wir lieber Freizeitparks.“ Aber weil die geschlossen sind, schaue sie im Internet nach Alternativen. Und so kam sie auf den Rabenauer Grund.

Silke Hetz und ihre Tochter Pauline aus Dresden auf Erkundungstour im Rabenauer Grund.
Silke Hetz und ihre Tochter Pauline aus Dresden auf Erkundungstour im Rabenauer Grund. © Frank Baldauf
Jochen und Andrea Ebert aus Rabenau sind kurz vor dem Ziel ihrer 20-Kilometer-Radtour. 
Jochen und Andrea Ebert aus Rabenau sind kurz vor dem Ziel ihrer 20-Kilometer-Radtour.  © Frank Baldauf
Das Gasthaus Rabenauer Mühle ist aufgrund der Bestimmungen geschlossen. 
Das Gasthaus Rabenauer Mühle ist aufgrund der Bestimmungen geschlossen.  © Frank Baldauf

Hier sind auch Andrea und Jochen Ebert unterwegs - allerdings mit ihren Fahrrädern. Die beiden Rabenauer kennen den Grund sehr gut, schließlich wohnen sie in der Stuhlbaustadt und sind oft in der Natur unterwegs. "Heute haben wir unsere erste große Radtour in diesem Jahr unternommen", sagt die Rabenauerin. Gut 20 Kilometer sind die Eberts gefahren. Zurück gings durch den Rabenauer Grund. Hier trafen sie viele andere Radfahrer, Spaziergänger und Läufer. "Die meisten nehmen Rücksicht und halten Abstand", sagt Andrea Ebert Dann setzen sich die beiden Rabenauer aufs Rad und fahren  nach Hause. Am Nachmittag geht es dann noch in den Garten. Gern hätten sie ihr Enkel dabei gehabt. "Aber wegen Conrona geht es leider nicht", sagt Jochen Ebert. 

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