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Weißeritztalbahn kämpft mit Einbußen

Durch die Corona-Pause fehlen der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mehrere Hunderttausend Euro. Die Bahnen fahren trotzdem.

© Egbert Kamprath

Die Dampflok schnauft schwer auf ihrem Weg entlang der Weißeritz. Das Bild steht heute mehr denn je auch für die wirtschaftlichen Anstrengungen, derer es bedarf, um eine Schmalspurbahn einigermaßen vernünftig zu betreiben. Denn klar ist: Die etwa acht Wochen Pause im Fahrbetrieb, die die Corona-Einschränkungen mit sich gebracht haben, werden im Jahresergebnis der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft mbh (SDG), die auch die Weißeritztalbahn betreibt, in roten Zahlen deutlich zu sehen sein.

"Für alle drei Bahnen zusammengenommen fehlen uns sicher mehrere Hunderttausend Euro", sagt Mirko Froß. Der Betriebsleiter der SDG kann die Zahlen noch nicht genauer nennen. "Erst mit der Jahresabrechnung wissen wir, wie viel wirklich fehlt." Die Eisenbahner hoffen, dass viele Deutsche dieses Jahr Urlaub in der Heimat machen und sich mal wieder Zeit nehmen für eine Fahrt mit der Fichtelbergbahn, der Lößnitzgrundbahn oder der Weißeritztalbahn. "Ein bisschen was können wir vielleicht noch aufholen", sagt Froß.

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Dazu beitragen soll das Wochenende am 18./19. Juli. Da war ursprünglich das Kleinbahnfestival geplant, das immer gute Einnahmen bringt. Es musste abgesagt werden. Doch Froß und seine Leute wollen einen kleinen Ersatz anbieten. "Es sind an dem Wochenende mehr Züge als sonst im Einsatz", sagt er, und wünscht sich, dass möglichst viele die Chance wahrnehmen. 

Werkstatt Weißeritztalbahn in Freital Hainsberg Betriebsleiter Mirko Froß an Dampflok.
Werkstatt Weißeritztalbahn in Freital Hainsberg Betriebsleiter Mirko Froß an Dampflok. © Egbert Kamprath

Mehr Züge als sonst, heißt: zwei. Das klingt gar nicht so viel, bedeutet aber, dass viermal am Tag eine Verbindung von Freital-Hainsberg nach Kipsdorf angeboten wird und natürlich auch viermal retour. Am späten Nachmittag gibt es dann noch eine Fahrt an die Malter und zurück. "Im Prinzip ist das so wie zu Pfingsten", sagt Froß.

Apropos Pfingsten: Da sei die Auslastung wirklich okay gewesen. "Das Himmelfahrtswochenende zuvor blieb allerdings leider unter den Erwartungen." Mirko Froß kennt natürlich die Gründe: "Es fehlen nach wie vor die Reisegruppen, die Bustouristen." Bei den Hotelgästen laufe das Geschäft langsam wieder an. "Wir sind zuversichtlich."

Allzu große Sorgen muss sich die SDG zum Glück auch nicht machen. Denn die Bahnen zählen zum Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs. Weißeritztalbahn und Lößnitzgrundbahn gehören damit zum Verkehrsverbund Oberelbe. Und der wiederum wird mit Steuergeldern mitfinanziert. "Der Betrieb der beiden Schmalspurbahnen im VVO wird jährlich mit rund 4,4 Millionen Euro bezuschusst", teilt Pressesprecher Christian Schlemper auf Anfrage mit. "Die Mittel erhält der VVO zweckgebunden vom Freistaat Sachsen zur Verfügung gestellt."

Fünf Milliarden Euro Hilfe - für den ÖPNV in ganz Deutschland

Doch auch das wird in diesem Jahr nicht reichen. Deshalb seien Bund, Länder und Verkehrsverbünde noch im Gespräch darüber, welche Hilfen für den ÖPNV insgesamt zur Verfügung gestellt werden können. Dabei geht es deutschlandweit um fünf Milliarden Euro. Doch die verteilen sich schnell. So rechnet der VVO damit, dass es vom Land noch einmal zusätzliches Geld als Corona-Hilfe geben wird. "Wie wir das dann auf alle unsere Unternehmen aufteilen, wird ausgehandelt, wenn es konkrete Zahlen gibt", sagt Schlemper.

Derweil muss Mirko Froß das Tagesgeschäft im Auge behalten. "Von April bis Mitte Mai hatten wir Kurzarbeit in unseren Unternehmen." Doch jetzt laufe es wieder normal. Aber nicht alles läuft rund. So gab es am Pfingstwochenende eine Schrankenstörung in Obercarsdorf, am vergangenen Wochenende an selber Stelle gleich noch mal. "Außerdem hatten wir bei der Fichtelbergbahn und bei der Lößnitzgrundbahn kleinere Technikprobleme aufgrund von Blitzeinschlägen", sagt Froß. 

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Doch das alles schreckt ihn nicht. Der Betriebsleiter bleibt gelassen und blickt nach vorn. "Das Jahr ist noch lang", sagt er. "Und abgerechnet wird zum Schluss." Und genau da ruhen die Hoffnungen gerade für die Weißeritztalbahn noch auf einem ganz besonderen Ereignis, das im vergangenen Jahr eine sehr erfolgreiche Premiere feierte: Bimmelbahn und Lichterglanz - der längste Weihnachtsmarkt Deutschlands soll 2020 wieder für ordentlich Einnahmen sorgen. Daran arbeiten die Bahner schon jetzt, da der Sommer gerade erst anfängt. Damit dann die Dampfloks im Dezember entlang der Weißeritz durch den schönen Winterwald schnaufen können.

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