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Zittau

Corona: Westpark-Center will wieder öffnen

Inhaber Heiko Wasser hat einen Strategie-Plan für die schrittweise Wiedereröffnung mit einem riesigen logistischen Aufwand. Jetzt hofft er auf die Politik.

Der Inhaber des Westpark-Centers in Zittau, Heiko Wasser, hat schon alles klar gemacht für eine mögliche schrittweise Wiedereröffnung.
Der Inhaber des Westpark-Centers in Zittau, Heiko Wasser, hat schon alles klar gemacht für eine mögliche schrittweise Wiedereröffnung. ©  Matthias Weber (Archiv)

Heiko Wasser steht in den Startlöchern. Der Inhaber des Westpark-Centers in Zittau hat einen Strategie-Plan entworfen, wie er seine Einrichtung schrittweise wieder öffnen könnte.  Aber das ist bei einer Multifunktionsanlage, wie dem Westpark-Center, in dem es ein Schwimmbad und eine Sauna, Gastronomie sowie einen großen Fitness-Bereich gibt, besonders schwer. "Hier treffen mindestens drei von außen unterschiedlich bewertete Bereiche aufeinander. Es ist ein riesiger logistischer Aufwand und schwer eine Kosten-Nutzen-Einschätzung für eine Teilöffnung zu machen", sagt Heiko Wasser. 

Er findet es schlimm, dass das Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten bei nur 60 beziehungsweise bei Mitarbeitern mit Kind 67 Prozent liegt. "Das ist eine Zumutung für den Arbeitnehmer. Ich habe die Differenz an alle meine Mitarbeiter auf 100 Prozent aufgestockt und werde es auch weiterhin so machen", erklärt der Chef des Westpark-Centers. Es heißt, dass das Kurzarbeitergeld ab dem 1. Juli für drei Monate erhöht werden soll. Heiko Wasser hofft eigentlich, dass ab Juli überhaupt kein Kurzarbeitergeld mehr nötig ist und er seine Einrichtung wieder voll öffnen kann. Täglich wird er auf dem Heimweg von Leuten angesprochen, die fragen, wann sie wieder trainieren oder bowlen können.

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Für diesen Tag X will er vorbereitet sein. Bei fast vollen Öffnungszeiten muss er entsprechend auch Personal einsetzen. Heiko Wasser hat versucht, dafür mit seinem Team einen einigermaßen wirtschaftlich vertretbaren Mittelweg zu finden.

Denn mit jedem Tag, den sein Westpark-Center geschlossen bleibt, kann er buchstäblich zusehen, wie sein Eigenkapital während der Corona-Pandemie wie Schnee in der Sonne schmilzt. "Wir hatten jetzt eine größere 20-Jahres-Investition vor, wollten unser Schwimmbad und alle dazugehörigen Betriebsanlagen sanieren und erneuern", sagt er. Eine größere sechsstellige Summe wollte er dafür investieren. 

Geld für Schwimmbadsanierung ist weg

Durch die fehlenden Einnahmen wegen der Schließung bei gleichbleibenden Kosten ist aber schon jetzt klar, in den nächsten zwei Jahren kann er das nicht mehr finanzieren. Der Schwimmbadbereich sollte neu gefliest, das Becken neu mit Folie verkleidet sowie eine neue Heizungs- und Dosieranlage eingebaut werden. Das alles muss nun mindestens noch zwei Jahre halten. Lediglich eine neue Lüftungsanlage wurde gerade für das Bad eingebaut. 

Die Jahres-Grundreinigung das Bades, die sonst im August gemacht wird, hat Heiko Wasser vorgezogen und jetzt in der Schließungszeit bereits erledigt. Wasser ins Schwimmbecken kommt aber erst, wenn er weiß, dass er diesen Bereich wieder öffnen kann. Und dann braucht es ungefähr sieben Tage Vorbereitungszeit bis zur Wiedereröffnung. 

Die anderen Bereiche des Westpark-Centers könnte er von heute auf morgen in Betrieb nehmen. Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es vielleicht schon am 4. Mai weitere Lockerungen bei den Corona-Verordnungen geben könnte. Heiko Wasser ist aber Realist genug, um zu wissen, dass es nur eine schrittweise Wiedereröffnung mit großen Einschränkungen geben wird. Um gewappnet zu sein, hat er für eine erste Stufe bis zur vollständigen Öffnung ein mögliches Konzept erstellt. 

Fittnessraum, Kletterhalle und anderes wäre machbar

Im Fitnessraum dürfen maximal 32 Leute gleichzeitig trainieren. Allerdings ohne Betreuung. Die Trainingszeit ist für jeden einzelnen auf höchstens 90 Minuten begrenzt. Schwimmbad, Sauna, Umkleideräume, Duschen sowie die Squash- und Soccerbereiche bleiben geschlossen. Tennis und Tischtennis könnten uneingeschränkt möglich sein. 

Da die Kletterhalle eine 500 Quadratmeter große Grundfläche mit über 100 Routen besitzt, könnten hier bis zu 40 Personen gleichzeitig ihrem Hobby nachgehen. Das Barfuß-Laufen oder -Klettern ist aber untersagt. 

Um die Stoßzeiten zu entzerren, würde er von 7 bis 22 Uhr öffnen. Nur per Mail nimmt er dafür Anmeldungen entgegen. Auf den Fußböden hat er jeweils den einzuhaltenden Mindestabstand von 1,50 Meter markiert. Bezahlt werden kann nur kontaktlos mit EC-Karte. Im gesamten Haus gibt es Hygiene-Stationen. 

Speisen und Getränke zum Mitnehmen

Beim Bowling werden gleichzeitig nur die Bahnen eins und vier für jeweils maximal vier Leute vermietet. Die Kugeln werden nach jedem Besucherwechsel desinfiziert. Das Restaurant bleibt geschlossen. Aber Speisen und Getränke könnten zum Mitnehmen an der Rezeption geholt werden. So könnte eine schrittweise Wiedereröffnung möglich sein, meint Heiko Wasser. Aber das kann nicht er, sondern wird die Politik entscheiden. 

Egal, wie es weitergeht, ein Neuanfang wird schwer. "Was sind schon 15.000 Euro Zuschuss vom Staat", meint Heiko Wasser. Durch den Betriebsausfall hat er allein vom 17. März bis zum 23. April etwa 78.000 Euro eingebüßt. Darlehen sind toll, Stundungen auch. Aber hintenraus müsse alles trotzdem bezahlt werden. "Ich bin kein Meckerer, im Gegenteil. Ich finde gut, wie sich die Landesregierung hier reinhängt. Aber es muss noch viel mehr getan werden", sagt er. Es ist für alle eine nie dagewesene Situation. Das Schlimmste sei, dass man nicht weiß, wann und wie wieder geöffnet werden kann. 

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