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Wie Seniorenheime den Muttertag retten

Seit Wochen dürfen Angehörige Eltern und Großeltern wegen Corona nicht besuchen. Um trotzdem "Danke" sagen zu können, werden Dresdner Einrichtungen kreativ.

Im Seniorenheim "Am Gorbitzer Hang" können die Bewohner ihre Angehörigen in einem Pavillon treffen.
Im Seniorenheim "Am Gorbitzer Hang" können die Bewohner ihre Angehörigen in einem Pavillon treffen. © Marion Doering

Dresden. Immer war sie für ihre Söhne und Töchter da, hat sie getröstet, sie gefördert, ihnen zugehört. Nun, am Ende ihres eigenen Lebens, wollen viele Kinder ihrer Mutter gern etwas Wärme zurückgeben, besonders zum Muttertag am Sonntag.

Doch die gesetzlichen Regelungen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus sind streng. Noch immer gilt in Dresden laut Sächsischer Corona Schutzverordnung ein striktes Besuchsverbot in Alten- und Pflegeheimen. Über erste Lockerungen soll erst kommende Woche beraten werden. 

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Ausnahmen zum Muttertag lehnt die Stadt ab. "Wir können leider keine Lösungen anbieten", heißt es aus dem Rathaus. Das verhindert allerdings nicht, dass die Einrichtungen selbst im Rahmen des Erlaubten Ideen entwickeln können, wie Mama am Sonntag doch noch würdig geehrt werden kann.

Im ASB-Seniorenheim "Am Gorbitzer Hang" zum Beispiel wurde in der vergangenen Woche ein besonderer Pavillon im sonst derzeit geschlossenen Speisesaal aufgebaut. Durch eine Plexiglasscheibe dürfen sich hier Bewohner und Angehörige bis zu eine halbe Stunde lang treffen. Die Söhne, Töchter und Enkel gelangen von außen durch den Notausgang des Speisesaals auf ihre Seite. Die Bewohner werden von einer Betreuungsassistentin auf ihren Platz vor der Scheibe gebracht.

In der Mitte des Pavillons im Gorbitzer ASB-Heim wurde eine Plexiglasscheibe eingezogen.
In der Mitte des Pavillons im Gorbitzer ASB-Heim wurde eine Plexiglasscheibe eingezogen. © Marion Doering

Frieda Hauschild strahlt. Die 94-Jährige sieht auf diese Weise nach sechs Wochen zum ersten Mal ihren Sohn Manfred wieder. "Er passt immer gut auf mich auf", sagt sie. Auch Manfred Hauschild ist froh über diese neue Möglichkeit. "Zum Glück habe ich schnell einen Termin bekommen."

Bis Ende Mai sind alle Besuchstermine im Pavillon ausgebucht, sagt Heimleiterin Kathrin Meißner. Wegen der hohen Nachfrage habe man selbst die Mittagspause geopfert und biete den Service nun auch am Wochenende an. Der Muttertag ist damit gerettet.

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Während in vielen Dresdner Seniorenheimen nur ein Telefonat oder im besten Fall ein Videokontakt über Skype möglich ist, dürfen die Bewohner des Senioren-Wohnparks "Am Großen Garten" am Sonntag vom Garten aus über den Zaun Kontakt zu ihren Verwandten aufnehmen - vorausgesetzt der Mindestabstand von zwei Metern wird dabei eingehalten. Auch Geschenke dürfen hier übergeben werden. Geachtet wird allerdings darauf, dass alle Besucher sich anmelden, damit sich die Treffen nicht zu sehr häufen. Maximal eine Viertelstunde sollen sie dauern.

In der Senioren-Residenz "Bürgerwiese" und dem Waldpark Seniorenpflegeheim dürfen die Bewohner ihre Verwandten immerhin nach Voranmeldung über den Balkon bzw. eine Terrasse zu Gesicht bekommen. 

"Wenn ich die Bewohner nach draußen ließe, müssten sie danach 48 Stunden in Quarantäne", sagt Thomas Mähler, Leiter der Senioren-Residenz "Bürgerwiese". "Da stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis zueinander."

Klar ist in allen Fällen: Die Sicherheit der Bewohner geht überall vor. Das denkbar schlechteste Geschenk zum Muttertag wäre eine Infizierung mit dem Coronavirus.

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