merken
PLUS Niesky

Abschiednehmen im Schutzanzug

Wie Sterbende und Angehörige in der Corona-Krise Lebewohl sagen können - in Altenpflegeheimen ist das eine Herausforderung.

Mit diesem großen Schild weist das Awo-Altenheim auf der Görlitzer Krölstraße auf das Besuchsverbot hin.
Mit diesem großen Schild weist das Awo-Altenheim auf der Görlitzer Krölstraße auf das Besuchsverbot hin. © Nikolai Schmidt

Das Coronavirus ist in zwei Altenheime im Landkreis vorgedrungen. Heimbewohner und Mitarbeiter sind betroffen. Das ist schlimm genug. Doch das Sterben gehört zum Altenheim dazu. Aber wie können Kinder trotz des allgemeinen Besuchsverbotes ihre Eltern am Ende ihres Lebens begleiten - trotz Corona? Und wie gut geschützt sind die Senioren in den Altenheimen? Die SZ gibt Antworten. 

Verabschieden in Schutzkleidung ist möglich

23 Bewohner leben im Martin-von-Tours-Haus in Klein Priebus, das seit dem 22. März unter Quarantäne steht. Die meisten davon sind hochbetagt. Auch in normalen Zeiten ist der Tod hier nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt, in der Corona-Krise, fällt Abschiednehmen noch viel schwerer. Allerdings sei dies grundsätzlich weiter erlaubt, das sehe sogar die entsprechende Allgemeinverfügung der Behörden  vor, erklärt Doreen Lorenz.

Anzeige
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht
Verstärkung in IT und Projektleitung gesucht

Das Maschinenbauunternehmen AUMA Drives GmbH sucht einen Projektleiter Produkteinführung (m/w/d) und einen Senior IT-Administrator (m/w/d).

"In der Praxis funktioniert das bei uns so: Die Angehörigen müssen sich telefonisch bei der Hausleitung melden und den Besuch vereinbaren", erläutert die Sprecherin der Diakonie St. Martin, die das Altenpflegeheim in dem Krauschwitzer Ortsteil betreibt. Besuche seien jedoch nur einzeln möglich.

"Und je nachdem, um welches Haus es sich handelt, bekommt der Angehörige Schutzkleidung, bestehend aus Schutzkittel und Mundschutz." In Klein Priebus sind das aufgrund der Quarantäne FFP2-Maske und Kittel. Ähnlich sei das bei der seelsorgerischen Sterbebegleitung. "Wichtig ist immer der Kontakt mit der Heimleitung und das Betreten des Hauses nur als Einzelperson."

Sicherheitsvorkehrungen so hoch es nur geht

Das Nieskyer Altenpflegeheim "Abendfrieden" mit seinen 94 Bewohnern steht erst seit dem Wochenende unter Quarantäne. Mehr als 50 Bewohner und Angestellte sind mit dem Corona-Virus infiziert, wie in Klein Priebus hat es bereits zwei Todesfälle gegeben. Entsprechend vorsichtig geht man mit dem Thema Abschiednehmen um. "Die Ansteckungsgefahr ist groß und wir versuchen schon seit Wochen, die Bewohner von allen Außenkontakten abzuschotten", sagt Oberin Sonja Rönsch.

Allerdings habe der Gesetzgeber die Begleitung Sterbender durch Angehörige oder Pfarrer auch in dieser schwierigen Phase erlaubt. Deshalb seien die Sicherheitsvorkehrungen "so hoch wie nur möglich." Das bedeutet in Niesky: Hände desinfizieren und einen Vollschutz mit Maske, Visier, Kittel und Handschuhe tragen. Eine ebenso mögliche Sterbebegleitung mit modernen Kommunikationsmitteln komme bei den hochbetagten Heimbewohnern eher nicht infrage.

Zwei Meter Abstand zur Familie im Hospiz

Etwas anders sieht die Situation bei dem ebenfalls von der Diakonissenanstalt Emmaus betriebenen Hospiz aus. "Die Hospizleitung hat nach dem Bekanntwerden der vielen Corona-Infektionen im Pflegeheim umgehend die Besuchsregelungen im Haus angepasst", so Schwester Sonja. Jeder Hospizgast verfüge über ein Zimmer mit ebenerdiger Terrasse. Mit einem Abstand von zwei Metern könnten die Angehörigen von draußen durch ein Gagefenster mit ihren Familienangehörigen kommunizieren. "Das ist nicht das, was wir uns normalerweise für unsere Gäste wünschen. Aber im Moment geht es nicht anders."

Keine allgemeinen Regeln fürs Abschiednehmen

Allgemeingültige Regeln fürs Abschiednehmen gibt es allerdings nicht. Dies stellt Kreissprecherin Julia Bjar klar. "Jeder Fall muss individuell betrachtet und entschieden werden." Dies erfolge in Abstimmung mit den Angehörigen und dem Gesundheitsamt. Die praktische Umsetzung obliege dann dem Träger der jeweiligen Einrichtung.

Begleitung auch per Telefon oder Mail möglich

Weiterführende Artikel

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 14. April

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 14. April

Immer mehr Infizierte, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Einrichtungen und Grenzen: Alle bisherigen Entwicklungen in unserem Ticker-Archiv.

Christine Pink, leitende Koordinatorin des Christlichen Hospizdienstes in Görlitz, weiß natürlich ebenfalls um die momentanen Schwierigkeiten. Sie empfiehlt das Abschiednehmen im Krankenhaus oder Pflegeheim auch unter den aktuell erschwerten Bedingungen. Der Hospizdienst selbst biete Unterstützung zum Beispiel ohne direkten Kontakt an - telefonische Einzelbegleitung oder E-Mail-Beratung. Wichtig beim Prozess des Sterbens: "Trauernde sollen sich möglichst gestaltend und selbst wirksam erfahren können."

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky