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„In der Krise haben sich viele guten Wein gegönnt“

Der Langebrücker Winzer Stefan Bönsch hatte Existenzängste. Dennoch überstand sein Betrieb die Corona-Krise bisher erstaunlich gut. Wie das gelang.

Der Langebrücker Winzer Stefan Bönsch bewirtschaftet rund 1,8 Hektar Rebfläche in Dresden, Meißen und Radebeul.
Der Langebrücker Winzer Stefan Bönsch bewirtschaftet rund 1,8 Hektar Rebfläche in Dresden, Meißen und Radebeul. © Archivfoto: Steffen Unger

Langebrück. „Wir lieben es, wenn sich Menschen begegnen. Deswegen machen wir Wein mit Leidenschaft.“ Zwei bedeutungsschwere Sätze, die man auf der Webseite des Langebrücker Winzers Stefan Bönsch lesen kann. Allerdings ist das mit den Begegnungen in diesen Corona-Zeiten so eine Sache. 

So traf Bönsch seine Kundschaft in den zurückliegenden Wochen zumeist virtuell. Und obwohl er ja eigentlich jetzt auch seinen kleinen Wein-Ausschank „Kellerberg“ öffnen könnte, verzichtet er vorerst darauf. Der Grund: „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb“, sagt der 43-Jährige. Sollte er da vielleicht an Covid-19 erkranken, in Quarantäne müssen, „wäre das ganz schlecht für mich“. Das könne er sich nicht leisten.

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Fragt man den Langebrücker, dessen kleiner Betrieb im vergangenen Jahr von Deutschlands bekanntestem Weinführer „Vinum Wineguide“ zu Sachsens Weingut des Jahres 2020 gekürt wurde, wie er durch die zurückliegenden Wochen gekommen ist, kommt ein nicht unbedingt erwartbares: „Kann mich nicht beklagen“. 

Klar, als Mitte März der Lockdown im Freistaat erfolgte, das gesamte öffentliche Leben für mehrere Wochen still stand, „habe ich mich schon gefragt, was das für mein Geschäft bedeutet, ob nun kein Wein mehr gekauft wird“, so Bönsch. Es war die Zeit, in der Winzer wie er sich vor allem um die Basis ihres Geschäftes, um Weinberge und Reben kümmern mussten. So war der Langebrücker Bönsch, der fünf Weinlagen in Meißen, am Dresdner Lingnerschloss, in Dresden-Niederwartha und Radebeul bewirtschaftet und dessen Betrieb mit rund 1,8 Hektar Rebfläche zu den kleinen in Sachsen gehört, vor allem mit den Außenarbeiten beschäftigt. Reben anbinden und biegen, Humus oder Dünger auftragen, solche Sachen. 

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Während bei den meisten Menschen Homeoffice angesagt war, war Bönsch froh, dass er draußen arbeiten konnte. Existenzielle Ängste seien bei ihm schon hochgekommen, bekennt er. Dazu noch die Angst, die jeder Winzer bis zu den Eisheiligen Mitte Mai durchmacht. Ob Nachtfröste die jungen Kulturen vernichten. Bönsch hatte jedenfalls auch Zeit, um nachzudenken, wie man sich so einer Situation stellen könne. Dadurch, dass die Gastronomie geschlossen war, hätten ja wieder viele daheim gekocht, so der Langebrücker, der in den Wochen des Lockdowns eine Art „Endzeitstimmung“ registrierte. 

Die wohl dazu animierte, es „sich besonders gut gehen zu lassen“. Da habe sich mancher als Ersatz zum Restaurantbesuch am Ende eines Tages zum guten Essen noch einen exquisiten Wein gegönnt. Vielleicht getreu dem Motto, dass, wenn sich die ganze Welt im Krisenmodus befindet, ein wenig Luxus nicht schaden kann. Was Winzern wie ihm zugutekam. 

Natürlich, eine Veranstaltung wie etwa die öffentliche Jungweinprobe im April, die bisher immer im Kellerberg stattfand, die fiel flach, ebenso der Ausschank auf der Felsenterrasse in Niederwartha. Aber seine Ende 2019 fertiggestellte Ferienwohnung, die sei jetzt häufig gebucht, freut er sich. Nachvollziehbar in der Corona-Zeit. Sein Rosé, die Weiß- und Rotweine sind nach wie vor gefragt. In diesem Jahr werde er wieder rund 8.000 Flaschen in den Verkauf stellen. Mehr geht eben nicht bei einer so überschaubaren Anbaufläche, über die er verfügt. Statt Masse setzt er auf Klasse. Stefan Bönsch, dessen Betrieb schon mehrfach ausgezeichnet wurde, ist Winzer aus Leidenschaft. 

Seine Hoffnung: In einigen Monaten mit den Gästen in seinem Ausschank anstoßen zu können. Aller Voraussicht nach soll das am 29. und 30. August der Fall sein, wenn in Sachsen die „Tage des offenen Weingutes“ stattfinden werden. Dann wird der Winzer möglcherweise wieder zahlreichen Menschen begegnen. In seiner kleinen, geschmackvoll eingerichteten Gastschenke.

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