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Zittauer Corona-Fall: Auch Tochter infiziert

Außerdem ist der Ehemann der 31-Jährigen betroffen. Das Weise-Gymnasium, das das Mädchen besucht, bittet alle Schüler, sich in Quarantäne zu begeben.

Zwei weitere Mitglieder einer Zittauer Familie wurden nun positiv getestet.
Zwei weitere Mitglieder einer Zittauer Familie wurden nun positiv getestet. © BPI Bundesverband der Pharmazeut

Am Donnerstag war die junge Mutter Kerstin L. als erster Zittauer Corona-Fall bekannt geworden. Nun ist klar: Auch ihr Mann und ihre älteste Tochter (12) sind infiziert. Die beiden jüngeren Kinder (2, 4) wurden negativ getestet. Inzwischen bittet auch das Zittauer Christian-Weise-Gymnasium, in dem die Tochter lernt, Lehrer und Schüler um freiwillige Quarantäne.

Fast ein bisschen erleichtert ist Kerstin L. über den Infektionsbefund. "Das war ja ziemlich klar, meine Tochter und mein Mann haben ja zeitgleich mit mir Symptome gezeigt", sagt sie. Bei der Tochter verlaufe die Krankheit aber weniger heftig als bei ihr und ihrem Mann. Die zeitgleiche Betroffenheit erleichtere es aber nun, die Infektion als Familie gemeinsam durchzustehen - und nach durchstandener Krankheit einen Infektionsschutz zu haben.

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Gymnasium ruft Schüler zur Quarantäne auf

Wegen der beiden nicht infizierten Kinder trifft die Familie in der häuslichen Quarantäne gewisse Schutzvorkehrungen. "Wir kuscheln nicht miteinander", sagt Kerstin L. Ihr vierjähriger Sohn leidet an Asthma und gehört damit einer besonderen Risikogruppe an. "Das Gesundheitsamt ruft uns jeden Tag an", sagt sie. Erneute Infektionstests würde es aber nur geben, wenn die zweijährige Tochter oder der Junge Symptome der Krankheit zeigen würden. Kerstin L. ist begeistert über die Solidarität, die sie und ihre Familie jetzt erfahren. "Eine Freundin holt unseren Appenzeller-Hund ,Keks' jeden Tag zum Gassigehen aus unserem Garten ab. Und ein Korb mit Lebensmitteln stand auch schon im Garten", erzählt sie.

Auch die Schule ihrer älteren Tochter, das Christian-Weise-Gymnasium, hat jetzt auf deren Infektion reagiert. Per Rundmail verschickte die Schulleitung am Sonntag einen "Dringenden Hinweis" mit der Aufforderung zur vorsorglichen Schutzquarantäne. "Das Landesamt für Schule und Bildung ersucht alle LehrerInnen und SchülerInnen dringend,  bis 05.04.2020 in vorsorgliche Schutzquarantäne zu gehen" heißt es in dem Schreiben. Es handele sich dabei momentan um keine vom Gesundheitsamt verordnete Quarantäne. "Die SchülerInnen und LehrerInnen unserer Schule sind aber dringend dazu aufgerufen ihre Wohnung im genannten Zeitraum nicht zu verlassen, soziale Kontakte, auch innerhalb der Familie, bestmöglich einzuschränken und besonders auf die persönliche Hygiene zu achten (z.B. Nutzung eigener Handtücher…)", schreibt die Schulleitung weiter. Nicht betroffen von der Schutzquarantäne seien Eltern und sonstige Angehörige. Am Sonntag riefen deswegen die jeweiligen Klassenlehrer auch sämtliche Schüler an.

Dieses Schreiben erhielten die Schüler des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums heute.
Dieses Schreiben erhielten die Schüler des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums heute. © SZ-Screenshot

Gesundheitsamt erklärt Vorgehen

Auch das Gesundheitsamt hat auf die SZ-Berichterstattung zu dem Zittauer Corona-Fall reagiert. Kerstin L. hatte sich verwundert darüber geäußert, dass sich ihre Familie zum Abnehmen der Tests am Donnerstag im (einsehbaren) Garten hatte aufstellen müssen. "Bei einem Anruf haben mir Mitarbeiter des Gesundheitsamtes dezent zu verstehen gegeben, dass ich solche Dinge nicht erzählen soll", schildert Kerstin L. die behördliche Reaktion im Nachgang der SZ-Berichterstattung. Auf SZ-Anfrage hatte das Landratsamt zu dem Zittauer Corona-Fall zudem mitgeteilt, die betroffene Person sei zuvor aus einem Risikogebiet eingereist. "Ich war aber gar nicht verreist", sagt Kerstin L.

Das Landratsamt teilt dazu auf SZ-Anfrage mit: "Die Mitarbeiter haben der Bürgerin kein Redeverbot erteilt. Sie wurde lediglich darauf hingewiesen, umsichtig mit Angaben aus der Privatsphäre Dritter umzugehen und keine falschen Tatsachenangaben zu machen", so Landkreis-Pressesprecherin Julia Bjar. Allerdings hat Kerstin L. mit SZ nicht über die Privatsphäre Dritter, sondern ausschließlich über die eigene Situation und die ihrer Familie gesprochen.

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Zur Abnahme der Corona-Tests selbst bei der Familie erklärt das Landratsamt: "Das Gesundheitsamt beachtet bei seinen Maßnahmen streng die durch das Robert-Koch-Institut entwickelten Verfahrensabläufe. Diese sind fachmännisch erarbeitet und haben sich in jeder Hinsicht als die beste Vorgehensweise zur Bekämpfung der Infektion erwiesen", heißt es und weiter: "Es wäre im Interesse des Infektionsschutzes hinderlich und für die Bevölkerung gefährlich, wenn dies durch entsprechende Berichterstattung ständig infrage gestellt würde."

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