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Corona-Zwangspause in der Wäscherei

Wenn Hotels geschlossen sind, wird dort keine Wäsche schmutzig. Das macht sich in dem Roßweiner Betrieb bemerkbar.

Ein Foto aus guten Zeiten: Geschäftsführer Marcel Gruner steht im Dezember 2018 in seiner Wäscherei im Roßweiner Gewerbegebiet. Wegen der Corona-Krise musste er jetzt alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.
Ein Foto aus guten Zeiten: Geschäftsführer Marcel Gruner steht im Dezember 2018 in seiner Wäscherei im Roßweiner Gewerbegebiet. Wegen der Corona-Krise musste er jetzt alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. © Foto (Archiv): André Braun

Das Firmengelände am Neidhardt im Roßweiner Gewerbegebiet ist verwaist. Wo sonst mehrmals täglich Lkw mit schmutziger Wäsche anrollen und mit sauberen Bettlaken, Bezügen und Handtüchern wieder abfahren, herrscht Stille. Marcel Gruner, der Chef des Roßweiner Betriebsteils der Firma Textil-Service Chemnitz, musste alle zwölf Mitarbeiter in die Kurzarbeit „Null“ schicken.

„Weil wir ausschließlich Hotelwäsche reinigen, die Hotels aber wegen der Corona-Krise zu 98 Prozent geschlossen sind, ließ sich dieser Schritt leider nicht vermeiden“, sagt der Geschäftsführer. Lediglich ganz vereinzelt haben die Hotels noch Gäste. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Monteure oder andere Menschen, die aus beruflichen Gründen auf eine Übernachtung außerhalb angewiesen sind. Für die wenige Wäsche, die noch gewaschen werden muss, lohne es sich nicht, die Anlage in Roßwein hochzufahren, so Marcel Gruner. 

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Um die Kunden trotzdem nicht hängen zu lassen, reinigt er die kleinen Mengen derzeit im Betriebsteil im Chemnitzer Stadtteil Mittelbach. Der Kundenstamm sei dort etwas anders strukturiert. Dazu gehören beispielsweise auch Pflegeheime. „Dennoch fahren wir auch in Mittelbach mit höchstens 50 Prozent der sonstigen Kapazität“, so der Geschäftsführer.

Normalerweise durchlaufen nach Angaben von Marcel Gruner um diese Jahreszeit rund fünf Tonnen Wäsche pro Tag die riesigen Waschmaschinen, Trockner und die große Mangel im Roßweiner Betriebsteil. Zuletzt sei es gerade mal eine Tonne in der gesamten Woche gewesen. Viel zu wenig, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Dass sich die Corona-Krise so extrem auswirken könnte, damit hat Marcel Gruner vor wenigen Monaten noch nicht gerechnet. „Mit Beginn der Reisebeschränkungen und der Hotelschließungen war das aber dann nicht mehr abzuwenden. Das trifft uns natürlich nun voller Wucht“, sagt er. Sicher ist er sich aber, dass er sich auf seine Stammkunden verlassen kann. Sobald die Hotels den Betrieb wieder hochfahren dürfen, kann auch die Wäscherei wieder richtig loslegen. „Ich hoffe nur, dass sich das nicht zu lange hinzieht“, sagt er. Ein Großteil der Fixkosten falle an, auch wenn der Betrieb ruht. Die Einnahmen hingegen fehlen komplett“, erklärt er die derzeitige Lage.Bei den durch Bund und Land derzeit aufgelegten Soforthilfen falle sein Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern nach dem jetzigen Stand durchs Raster. „Kurzfristig würde eine Soforthilfe schon erst einmal helfen“, sagt Marcel Gruner. Er hofft, dass der Freistaat Sachsen bald ein Programm auflegt, mit dem auch mittelständische Betriebe wie die Roßweiner Wäscherei unterstützt werden können. Andere Bundesländer seien in dieser Hinsicht schon weiter.

Bis Ende des Jahres 2017 war in der Gewerbehalle am Neidhardt in Roßwein die Omnitex Zentralwäscherei ansässig. Die musste Insolvenz anmelden. Etwa ein Jahr später startete Marcel Gruner an dem Standort mit einem neuen Maschinenpark und neun Mitarbeitern den Betrieb. Zu Beginn erreichte er eine Kapazität von rund drei Tonnen Wäsche pro Tag, die vorwiegend aus Hotels aus Leipzig und Dresden geliefert wird. Bis vor der Corona-Krise war es gelungen, die Kapazität nahezu zu verdoppeln. Auch die Belegschaft wuchs auf nunmehr zwölf Mitarbeiter. Besonders die günstige Lage in der Nähe der Autobahnen A4 und A14 hatte den Unternehmer damals dazu bewogen, den Betrieb in Roßwein aufzubauen.

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