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Die zweite Welle wird anders

Erst wuchs die Sorglosigkeit, dann die Infektionszahl. Das Virus nutzt seine Chance. Aber wir haben gelernt. Ein Leitartikel.

Kommt die zweite Welle? Und wenn ja, wann und wie? SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön schaut sich die Fakten an - und wagt eine Prognose.
Kommt die zweite Welle? Und wenn ja, wann und wie? SZ-Wissenschaftsredakteur Stephan Schön schaut sich die Fakten an - und wagt eine Prognose. © Christian Charisius/dpa

Dieses halbe Jahr hat unser Leben verändert, so wie wir es uns nicht hätten vorstellen können. Wir und Corona. Mensch gegen Virus. Dabei wird es auch die kommenden Monate bleiben, wenn nicht sogar Jahre. Und nun, nach diesem ersten halben Jahr seit dem ersten Corona-Fall in Deutschland, was kommt jetzt? Der immer noch vorhandene Corona-Bann fällt einem weder beim Radeln an der Elbe noch bei der Wanderung durchs Zittauer Gebirge auf. In Bus und Bahn mit der Maske auf der Nase wird die neue Normalität dieser nach wie vor kritischen Situation aber ganz schnell wieder gegenwärtig. Es herrscht immer noch Ausnahmezustand.

Nicht wir bestimmen, was wann geschieht, das Virus gibt das Tempo vor. Eben breitet es sich durch Urlaub und erste Partys wieder schnell aus. Die Situation jetzt ist nicht viel anders als am Anfang der Pandemie. Was danach kam, war der Lockdown. Kommt jetzt die zweite Welle? Sie kommt nicht, sie ist schon da. 

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Im Februar waren die Zahlen ähnlich

Das Szenario vom Jahresanfang droht sich zu wiederholen. Das Virus nutzt seine Chance. Und wir stehen unmittelbar vor Tausenden neuen Infektionen. Mit dem großen Unterschied zum Februar: Inzwischen kennen wir das Virus – ein bisschen zumindest.

Dieses Corona-Virus haftet vergleichsweise wenig an Geländern, Türklinken und Einkaufswagen. Es sind vielmehr die Tröpfchen in der Luft, von denen man im Februar allenfalls eine Vermutung hatte. Heute ist es Gewissheit, Corona verbreitet sich vor allem über die Atemwege. Jetzt, zum zweiten Corona-Beginn, gibt’s daher von Anfang an Abstand und Masken.

Damals, im Februar, waren die Fallzahlen ähnlich wie jetzt. Auch ähnlich schnell steigend. Niemand weltweit hatte aber auch nur den Hauch einer Ahnung, wie krass, wie tödlich diese neue Seuche wirklich um sich greift. Die erschreckenden Bilder der Militärkolonnen mit den Toten aus Bergamo, niemand hätte das hier zwischen Bautzen, Görlitz und Dresden so erleben wollen.

Belastbare Studien zu Kindern

Wir befinden uns nun zwar wieder am Anfang, aber wir sind auf die Virus-Attacken vorbereitet. Mit Konzepten. Mit Zehntausenden zusätzlichen Krankenhausbetten und neuen Beatmungsgeräten. Sie wurden schnell und teuer gekauft, aber nicht gebraucht. Bisher nicht, und zum Glück. 

Wie arrogant und wahnwitzig sind da solche Vorwürfe, das alles hätte gar nicht sein müssen. Die schnellen harten Entscheidungen im vergangenen halben Jahr waren richtig. Sie haben ein Stück weit die Normalität derzeit zurückgebracht. Lieber leere Krankenhausbetten als Lastwagen voll mit verstorbenen, weil unbehandelten Patienten.

Auch wenn die zweite Welle jetzt anrollt, so harte Entscheidungen wie im Frühjahr werden nicht noch einmal kommen. Auch dann nicht, wenn das Virus sich erneut stark ausbreitet. Gerade erst haben zum Beispiel Dresdner Wissenschaftler mit Schul- und Kitastudien gezeigt, dass Kinder eben nicht wie damals angenommen die Hauptverbreiter des Virus sind. Im Gegenteil. Anders als bei anderen Viren und auch der Grippe. Im Corona-Fall blockieren Kinder geradezu die Ausbreitung. 

Es wird keinen zweiten Lockdown geben

Warum sollte man dann in einer zweiten Welle also die Schulen schließen, die Kitas dichtmachen? Beide werden offenbleiben. Das verbessert die Lage für viele hier im Land schon mal unglaublich. 43 Prozent der sächsischen Haushalte mit Kindern fanden diese Schließungen am belastendsten in der gesamten bisherigen Krise. Noch gibt es weder Impfung noch Medikamente. 

Den erneuten landesweiten Lockdown, so sehr er aus virologischer Sicht auch sinnvoll wäre, wird es nicht noch einmal geben. Zu krass sind die Nebenwirkungen in allen gesellschaftlichen Dingen. Von Schule bis Wirtschaft, von Gesundheit bis Sozialleben. Wenn das Coronavirus jedoch massiv zurückkehrt, dann werden sicherlich ganze Stadtteile, einzelne Dörfer, Wohnblocks oder Fabriken zur Sperrzone. Statt landesweiter Ausgangssperren gibt es dann kleinräumige Quarantänen.

Vor einem halben Jahr waren die Gesundheitsämter mit solch einer präzisen Reaktion und schnellen Fallverfolgung komplett überfordert. Kein Personal, keine Technik. Das dürfte nun zur zweiten Welle besser laufen. Es hätte auch zur ersten Welle schon deutlich besser laufen können, weniger schmerzhaft für das ganze Land. Wissenschaftliche Studien hatten schon Jahre zuvor eindringlich gewarnt vor einer solchen Situation, wie dieser mit Corona. Die zweite Welle zeigt nun, wie es gehen könnte. Auch künftig. Denn es wird weder die letzte Krise sein noch das letzte Virus. Vergesst es nicht.

So berichten wir über die Corona-Krise:

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