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Görlitz

Coronavirus-Verdacht in Zgorzelec

Aufregung in der Görlitzer Nachbarstadt: Im Krankenhaus soll ein Patient mit den Symptomen behandelt werden. Noch aber gibt es keine Bestätigung.

Wie hier in der Uniklinik Essen werden überall auf der Welt derzeit Patienten auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus überprüft.
Wie hier in der Uniklinik Essen werden überall auf der Welt derzeit Patienten auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus überprüft. © dpa

Von Kasia Wilk-Sosnowski und Sebastian Beutler

Noch ist es nur ein Verdacht, noch keine Bestätigung. Am Mittwoch meldete sich ein Patient in der Notaufnahme des Krankenhauses in Zgorzelec mit Grippe-ähnlichen Symptomen. 

Er war kurz zuvor aus Italien zurückgekehrt.  Radio Wroclaw berichtete am Mittwoch darüber. Die Krankenhausleitung bestätigte den Bericht nicht und wollte ihn auch nicht kommentieren.  "Im Moment liegen mir keine Berichte über vermutete Coronaviren im Krankenhaus in Zgorzelec vor. Wenn wir eine solche Benachrichtigung erhalten, senden wir eine entsprechende Nachricht", erklärte Dorota Szczepańska, Pressesprecherin der Sanitär- und Epidemiologischen Station des Landkreises Zgorzelec, auf Nachfrage von Sächsische.de.

Auch im Städtischen Klinikum Görlitz wird derzeit niemand behandelt, der mit dem Coronavirus infiziert ist. Das erklärte Oberbürgermeister Octavian Ursu vor dem Stadtrat am Donnerstag.

Nur Verdachtsfälle in Polen

Bislang gab es in Polen nur Verdachtsfälle. Auch der aktuelle Bericht der Weltgesundheitsorganisation vom Mittwoch enthielt keinen nachgewiesenen Fall in Polen.  Das deutschsprachige Internet-Portal von Radio Polskie berichtete Mitte vergangener Woche darüber, dass es bislang keine Fälle von Personen in Polen gibt, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Darüber informierte Gesundheitsminister Łukasz Szumowski.

Zum damaligen Zeitpunkt befanden sich zwölf Personen unter Krankenhausaufsicht, darunter nach Medienberichten auch mindestens ein Mann in Wroclaw (Breslau), 13 weitere wurden am Wohnsitz beobachtet. Über 1.000 polnische Bürger wurden von den Sanitätsdiensten überwacht.

Die meisten von ihnen waren Rückkehrer aus der chinesischen Stadt Wuhan. Sie ist bislang am schlimmsten vom Ausbruch der neuen Krankheit  betroffen. Auch der Ursprung lag in Wuhan. In der gesamten chinesischen Provinz Hubei,  deren Hauptstadt Wuhan ist, zählte die Weltgesundheitsorganisation bis Mittwoch rund 65.000 Infizierte und 2.600 Todesfälle. 

Neun Patienten mit Verdacht

Wie der Woiwode von Niederschlesien, Jarosław Obremski, am Donnerstag vor Journalisten in Wroclaw erklärte,  werden in Niederschlesien gegenwärtig neun Personen mit Verdacht auf Coronavirus stationär behandelt.  16 weitere Personen in Niederschlesien stünden unter Quarantäne oder Isolation zu Hause und 178 unter epidemiologischer Überwachung.

Wie in allen Ländern Europa wird die Situation auch in Polen dadurch erschwert, dass die Grippe-Saison noch anhält. "Das macht die Sache noch komplizierter, denn die Grippe hat sehr ähnliche Symptome wie das Coronavirus", sagte Obremski. 

Zugleich habe die Woiwodschaft auch den Flugverkehr am Flughafen Wroclaw unter Kontrolle. Dort starten und landen Flugzeuge aus Bergamo und Bologna in Norditalien. "Bei allen Passagieren des Fluges aus Bologna wurde Temperatur gemessen, niemand hatte irgendwelche Krankheitssymptome", erklärte der Woiwode nach Angaben von Radio Wroclaw.  Das Flugzeug aus Bergamo soll am Freitag landen.

Görlitzer Gesundheitsamt gibt Hinweise

Auch das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz hat am Donnerstag erneut Reiserückkehrer aus Risikogebieten gebeten, bei entsprechenden Symptomen umgehend telefonisch ihren Hausarzt zu kontaktieren. Der Hausarzt werde dann zur weiteren Abklärung den Kontakt zum Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz aufnehmen. Eine vorherige Kontaktaufnahme mit dem Gesundheitsamt ist unter der Telefonnummer 03581 6632671 möglich.

Nach den aufgetretenen Fällen in Italien sind die Risikogebiete für „SARS COV 2“ auf weitere Gebiete in Europa ausgeweitet worden. So wurden für Italien die Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien aufgenommen. Weitere Risikogebiete sind die Provinz Ghom im Iran und die Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang) in Südkorea. Auch die bisherigen Risikogebiete in China in der Region Hubei, inklusive der Stadt Wuhan und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang behalten ihre Gültigkeit.

Reiserückkehrer aus anderen Gebieten Italiens, bei denen Symptome auftreten, werden gebeten, sich an ihren Hausarzt zu wenden, um diese individuell abzuklären.

Das Gesundheitsamt weist darüber hinaus darauf hin, die gängigen Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, Abdecken von Mund und Nase beim Husten und Niesen sowie Meiden von engem Kontakt mit Personen, die Symptome zeigen (Mindestabstand ein Meter) durchzuführen, um die weitere Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern.

In Deutschland bislang 18 nachgewiesene Erkrankungen

Coronaviren gehören zu einer großen Familie von Viren, die verschiedene Krankheiten verursachen können. Diese reichen von einer normalen Erkältung bis hin zu schwereren Infektionen der Atemwege, die auch zu einer Lungenentzündung führen können. Laut Aussage des Robert-Koch-Instituts muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt damit gerechnet werden, dass es vereinzelt zu Coronavirus-Fällen in Deutschland kommt.

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Auch einzelne Ansteckungen zwischen Personen sind möglich. Die Gesundheitsgefahren in Deutschland werden laut des Robert-Koch-Institutes noch als gering eingestuft. Über die genauen Eigenschaften des neuen Coronavirus, zum Beispiel wie schwer die Krankheit verläuft oder wie leicht das Virus übertragen wird, ist bisher noch nicht viel bekannt. In Deutschland sind bislang nach Angaben der WHO bei 18 Personen eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen.

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