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Großenhain

"Absagen sind eine absolute Katastrophe für die Händler"

Nachdem aufgrund der Anordnungen auch Großenhain am Mittwoch die Reißleine gezogen hat, kommt nun der bittere Beigeschmack. Und neue Ängste.

Die ersten Veranstaltungen sind abgesagt. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Coronavirus die Großenhainer Straßen ganz leerfegt?
Die ersten Veranstaltungen sind abgesagt. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Coronavirus die Großenhainer Straßen ganz leerfegt? © Foto: Anne Hübschmann

Großenhain. Am Tag danach ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Auch wenn sich alle Beteiligten einig sind, es werde  sicher sowieso noch schlimmer kommen, stehen die Zeichen bereits an diesem Donnerstag auf Frustration, Unverständnis, Traurigkeit und vor allem großer Betroffenheit. Am Abend zuvor war bekannt geworden, dass Großenhains Stadtväter getan haben, was sie nach dem Erlass der sächsischen Staatsregierung - Veranstaltungen über 1.000 Personen sind verboten - verpflichtet waren zu tun: Sowohl das traditionelle Frühlingserwachen in Zabeltitz als auch die Einkaufsnacht wurden abgesagt. 

Und damit nicht genug. Nachdem bereits die Hallenkreismeisterschaft der Leichtathletik in der Rödertalhalle nicht stattfinden wird, hagelt es weitere Absagen. Während Rathaussprecherin Diana Schulze schon am Morgen darüber informiert, dass man sich in Abstimmung mit der Agentur für Arbeit Riesa und dem Jobcenter des Landkreises Meißen auch zur Absage der Job Tour 2020 im Rathaus am 4. April entschlossen habe, hat sich der Wind über Nacht wohl auch für das Stadt Kunst Fest gedreht.

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 "Wir werden in unserer Mitgliederversammlung noch einmal darüber beraten, ob es tatsächlich sinnvoll ist, die Veranstaltung in dieser Form und nach jetziger Lage der Dinge durchzuführen", erklärt Angelika Pietzsch. Wie die Vorsitzende der Fördergemeinschaft "Großenhain aktiv" betont, seien dem Verein auch Kosten entstanden, die es vielleicht möglich wäre, im Mai oder Juni wieder reinzuholen.

Unabhängig von der noch ausstehenden Entscheidung, wäre indes die Nichtdurchführung der Einkaufsnacht Anfang April aber bereits eine absolute Katastrophe für die Händler. Monatelang hätten viele Engagierte das Ereignis vorbereitet. Was jeweils im Frühling und im Herbst eine feste Größe in der Röderstadt sei, hätte ihnen stets auch viele Besucher mit entsprechender Kauflaune beschert. 

Besucher, die in Zeiten des gefürchteten Coronavirus jedoch nicht mehr erwünscht sind. Ihr Ausbleiben und die damit fehlenden Umsätze würden den Gewerbetreibenden möglicherweise in den nächsten Monaten wirtschaftlich arg zu schaffen machen. "Es bleibt zu hoffen, dass die Kunden nicht solche großen Ängste vor der Öffentlichkeit entwickeln, das sie gar nicht mehr einkaufen gehen! Das wäre ganz schlimm und könnte Existenzen gefährden", befürchtet Angelika Pietzsch.

Gedanken, die sich längst auch Jörg Rietdorf macht. Der Geschäftsführer der Kulturzentrum Großenhain GmbH hat eine Vielzahl von Veranstaltungen im Blick, die in den kommenden Wochen im hiesigen Schloss, der Filmgalerie oder im Zabeltitzer Palais stattfinden sollen. Aufgrund der genannten Besuchermarke gebe es zwar noch keinen Grund, den Reisebericht von Friedhelm Richter am Sonntag oder die Live-Übertragung der Opernaufführung "Fidelio" aus London in der Filmgalerie am Dienstag zu canceln. 

Angesichts der sich stündlich ändernden Entwicklungen in der nahe gelegenen Landeshauptstadt, im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge - dort sind schon jetzt nur noch Veranstaltungen bis einhundert Personen zugelassen - aber mittlerweile auch im Elbland, müsse man jedoch absehbar von drastischen Einschnitten ausgehen. 

Schlimm für Künstler, Kulturschaffende, Gastronomen und Veranstaltungsunternehmen wie eben die Kulturzentrum Großenhain GmbH. "Aber wir können nur abwarten! Schon jetzt haben wir leichte Rückgänge im Kino zu verzeichnen, und das ist sicher erst der Anfang", vermutet Jörg Rietdorf. 

Ähnliche Befürchtungen hegt auch Kerstin Labitzke vom Soziokulturellen Zentrum Alberttreff. Auch in diesen Räumlichkeiten sollen demnächst mehrere Veranstaltungen stattfinden. Der beliebte Seniorentanz, eine Live-Dia-Show, ein Osterrock-Konzert zugunsten der Kinderkrebshilfe und schließlich die über den Freistaat hinaus bekannten Theatertage. 

Laienspielgruppen aus Dresden, Stollberg, Eilenburg oder Sebnitz haben bereits für die einwöchige Veranstaltung in enger Zusammenarbeit mit der Spielbühne Großenhain zugesagt. Immerhin: Abgesagt habe man noch nichts. Die Durchführung garantieren könne jedoch auch niemand, so Kerstin Labitzke. Nicht in dieser Situation.       

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