merken
PLUS

Wirtschaft

Wie Corona die Weltwirtschaft ansteckt

Die OECD befürchtet eine Halbierung des Wachstums der Weltwirtschaft und fordert Konjunkturprogramme. Die aber sind umstritten.

Es geht noch weiter herunter. Der Dax verlor auch am Montag über drei Prozent. Mit einem Rutsch um 12,44 Prozent erlebten die Anleger die schwärzeste Woche seit dem Börsencrash im August 2011. Experten sehen den finalen Ausverkauf aber noch kommen.
Es geht noch weiter herunter. Der Dax verlor auch am Montag über drei Prozent. Mit einem Rutsch um 12,44 Prozent erlebten die Anleger die schwärzeste Woche seit dem Börsencrash im August 2011. Experten sehen den finalen Ausverkauf aber noch kommen. © dpa

Von Carla Neuhaus

Wie schnell es gehen kann, zeigt das Beispiel von EY: 1500 Mitarbeiter musste das Beratungsunternehmen am Freitag kurzerhand nach Hause schicken, nachdem bei einem Kollegen das Coronavirus nachgewiesen worden war. Immerhin: Wenn alle Arbeitsplätze desinfiziert worden sind, sollen die meisten Angestellten an diesem Dienstag in das Düsseldorfer Büro zurückkehren können. Dabei sind Mitarbeiter, die vorübergehend in Quarantäne geschickt werden oder ins Homeoffice wechseln, nur eine Folge des Corona-Ausbruchs auf die Wirtschaft. Schon jetzt stockt mancherorts die Produktion, weil Teile aus Asien nicht geliefert werden. Konzerne wie Apple und Microsoft haben aufgrund von Corona ihre Gewinnprognosen gekürzt. Hotels und Einzelhändler spüren, dass kaum noch Touristen aus China kommen.

Die Industriestaaten-Organisation OECD warnt deshalb davor, die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zu unterschätzen. Bei einer weiteren Ausbreitung könnten etwa die Euro-Zone oder Japan im laufenden Jahr in eine Rezession rutschen. Längst geht es also nicht mehr um die Frage, ob Corona die Wirtschaft schwächt – sondern wie stark. Sollte sich die Lage nicht bessern und immer weitere Länder von dem Virus betroffen sein, dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2020 im Vergleich zum Vorjahr halbieren, schreibt die OECD. Und auch wenn China den Virusausbruch im ersten Quartal in den Griff bekäme und sich die Zahl der Fälle in anderen Ländern in Grenzen hielte, würde das die Welt in diesem Jahr immerhin noch 0,5 Prozentpunkte an Wachstum kosten.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Die OECD hat die Weltpolitik deshalb zum Handeln aufgefordert: „Regierungen müssen jetzt schnell und konsequent agieren, um das Coronavirus und seine wirtschaftlichen Folgen zu bewältigen.“ Die Experten bringen dabei bewusst Konjunkturprogramme ins Spiel, wie sie manche Länder bereits angekündigt haben. Die USA etwa wollen 2,5 Milliarden Dollar bereitstellen. Auch Japan und Singapur haben bereits Milliardenhilfen für die Wirtschaft zugesagt.

Deutschland könnte Steuererleichterungen vorziehen

Die Bundesregierung behält sich einen solchen Schritt ebenfalls vor. Man habe „alle Kraft, um darauf schnell, entschieden und stark zu reagieren“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) am Montag. Auch bei Einhaltung der Schuldenbremse sieht er genug Spielraum, um im Zweifel gegensteuern zu können. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Corona unseren Wirtschaftsaufschwung kaputt macht.“ Statt eines klassischen Konjunkturprogramms, bei dem der Staat mehr Geld ausgibt, will er lieber Unternehmen entlasten. Dabei könnte die Bundesregierung Maßnahmen vorziehen, auf die sich der Koalitionsausschuss bereits verständigt hat: So ist etwa geplant, Personengesellschaften steuerlich besserzustellen und Unternehmen Abschreibungen auf digitale Güter wie Software zu erleichtern. Altmaier betonte: „Es geht nicht um Konjunkturprogramme im klassischen Sinne, die nur Strohfeuer auslösen.“

Tatsächlich ist umstritten, was klassische Konjunkturprogramme in der derzeitigen Situation bringen würden. Nach der Finanzkrise etwa hat die Bundesregierung die Wirtschaft über die Abwrackprämie angekurbelt und Verbraucher belohnt, die ein neues Auto angeschafft haben. Leiden die Konzerne aber darunter, dass ihnen Teile fehlen, die sonst in China produziert werden, bringt das wenig. Für sinnvoller halten Ökonomen zum Beispiel Notkredite für Unternehmen. Auf die dringt derzeit etwa der Maschinenbauverband VDMA. Neben der Möglichkeit, Arbeiter in Kurzarbeit zu schicken, bräuchten Unternehmen Liquidität, um finanzielle Engpässe aufgrund von Produktionsausfällen zu überbrücken. Solche Notkredite könnte etwa die Förderbank KfW bereitstellen.

Auf sie hofft auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Denn den deutschen Hotels fehlen nicht nur die Gäste aus China, sie leiden auch unter der Absage großer Messen wie zuletzt zum Beispiel der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Dehoga-Präsident Guido Zöllick fordert deshalb „effektive Liquiditätshilfen und Fördermaßnahmen, die schnell und unbürokratisch wirken.“ Denkbar wäre zudem, was China und nun auch Frankreich tun: Sie verlängern die Zahlungsfristen für Steuern und Sozialabgaben. Auch auf diese Weise kann der Staat Unternehmen Kredit gewähren.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Sachsen nimmt weitere Corona-Patienten auf

Flugzeuge aus Frankreich und Italien gelandet. Erntehelfer dürfen unter Auflagen doch einreisen. Jetzt 2.411 infizierte Sachsen: unser Newsblog.

Symbolbild verwandter Artikel

Schwere Zeiten für die Uhrenfirmen

Gleich mehrere Glashütter Firmen müssen wegen des Coronavirus umstellen. Zwei beliebte und gut besuchte Produktmessen in der Schweiz wurden abgesagt.

Symbolbild verwandter Artikel

Coronavirus: Wie Kliniken und Behörden vorbereitet sind

Die zwei Verdachtsfälle in Görlitz und Zgorzelec haben gezeigt, wie ernst die Lage ist. Zu Panik besteht kein Anlass, zu Vorsicht aber schon.

Symbolbild verwandter Artikel

Dieses Coronavirus ist tödlicher als Grippe

Was kommt da auf uns zu? Ein Gespräch mit dem Leipziger Virologen Uwe Liebert zu Risiken, Schutz und Vorsorge in Zeiten einer nicht fassbaren Bedrohung.

Symbolbild verwandter Artikel

Coronavirus: Gefangen in der Praxis

In Görlitz wird eine Arztpraxis abgeriegelt, Gesundheitsamt und Rettungsdienst agieren planlos. Kann man das Virus so besiegen?

In Finanzkreisen wird zudem darüber spekuliert, ob und wann die Zentralbanken eingreifen. Der frühere US-Notenbank-Insider Bill Nelsen hat mit Blogbeitrag Gerüchte gestreute, es könnte bereits am Mittwoch zu einer globalen Zinssenkung der Zentralbanken kommen. Seit Tagen weisen Notenbanker daraufhin, im Notfall aktiv werden zu können. „In jedem Fall steht der EZB-Rat bereit, alle seine Instrumente anzupassen, wenn erforderlich“, sagte Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) erst am Montag. Dabei ist jedoch umstritten, ob eine weitere Zinssenkung etwas bringen würde. Sowohl in den USA als auch in der Eurozone sind die Leitzinsen bereits sehr niedrig. Unternehmen können also schon jetzt zu sehr günstigen Konditionen Kredite aufnehmen.