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Dresden

Sieben Sachsen in freiwilliger Coronavirus-Isolation

Eine Chemnitzerin, ein Mann aus dem Erzgebirge, zwei Dresdner und drei Meißner dürfen ihre Wohnungen vorerst nicht verlassen. Bisher ist keiner erkrankt.

Ein medizinischer Mitarbeiter arbeitet mit einem Testsystem für die Diagnose vom Coronavirus in einem mikrobiologischem Labor.
Ein medizinischer Mitarbeiter arbeitet mit einem Testsystem für die Diagnose vom Coronavirus in einem mikrobiologischem Labor. © Str/AP/dpa

Dresden. In Sachsen gibt es mittlerweile einen siebenten Fall, bei dem ein Rückkehrer aus einem Corona-Risikogebiet freiwillig in eine häusliche Isolation eingewilligt hat. Das teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag in Dresden mit. Dabei handelt es sich um eine Frau aus Chemnitz, die sich noch vor dem Bekanntwerden des dortigen ersten Corona-Falls in Italien aufgehalten hatte und mittlerweile wieder nach Sachsen zurückgereist ist. 

Eine Untersuchung hätte bei ihr keinerlei Anzeichen auf eine Corona-Infektion ergeben, so Köpping. Dennoch habe die Frau zugestimmt, sich noch bis zum 1. März zu Hause freiwillig in die Isolation zu begeben, um auf diese Weise jegliches Risiko für eine Ansteckung von anderen Personen auszuschließen. 

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Bei dem sechsten Isolierten handelt es sich um einen Mann aus dem Erzgebirgskreis, der in der Firma Webasto in Bayern direkten Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Auch er wurde bereits negativ auf das Virus getestet. 

Laut der Ministerin hat es im Freistaat bisher rund 20 Fälle gegeben, bei den die Landesuntersuchungsanstalt Personen auf eine Corona-Ansteckung überprüft habe. Sämtliche Proben seien negativ ausgefallen. In Sachsen, so betonte sie, gebe es damit weiterhin keine aktuellen Fall einer Erkrankung. 

Fünf Kreuzfahrt-Passagiere bleiben zu Hause

Die zwei Dresdner sowie drei Personen aus dem Landkreis Meißen, die sich zurzeit freiwillig in der Isolation befinden und bei denen es ebenfalls keinerlei Anzeichen auf eine Erkrankung gibt, müssen noch jeweils bis Ende der Woche jeglichen Kontakt zu anderen Personen meiden. 

Für die fünf Sachsen, die auf dem Kreuzfahrtschiff "Westerdam" in Asien unterwegs waren, hat die Reise weitreichende Folgen. Die Reise endete, als der Verdacht aufkam, eine Passagierin habe sich mit dem Coronavirus infiziert. 

Unter ihnen zwei  Dresdner, die Mitte vergangener Woche nach Dresden zurückgekehrt sind. Sie dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. "Sie wurden negativ auf das Virus getestet", so das Gesundheitsministerium. Die Krankheit kann theoretisch auch noch später ausbrechen. 

Die drei Passagiere aus dem Landkreis Meißen konnten, anders als am Sonntag vom Ministerium mitgeteilt, nicht ohne  weitere Auflagen nach Hause zurückkehren. Auch für sie gilt die häusliche Isolation. "Kontrolliert wird die Isolation nicht im Sinne einer Streife vor der Tür. Die Menschen mussten eine Aufforderung unterschreiben, daheim zu bleiben", so Sprecher Andreas Friedrich. 

Kein Schritt vor die Tür ist erlaubt, auch kein einkaufen. Das müssen nun Familie oder Freunde erledigen. Angaben zu den Personen, ob männlich oder weiblich oder Alter wollte er aus Datenschutzgründen nicht machen. Auch ob die beiden Dresdner zusammen gehören, wollte er nicht kommentieren. Noch eine Woche lang gilt die Isolation, erst dann ist klar, ob die fünf Sachsen sich infiziert haben. "In dieser Zeit müssen sie täglich Fieber messen und sich beim Auftreten von Symptomen sofort melden", so Friedrich. 

Coronavirus wurde nicht nachgewiesen

Tagelang durfte das Schiff mit rund 2.300 Passagieren, plus Besatzung nicht anlegen, weil mehrere asiatische Länder dies aus Angst vor dem Virus untersagten. In Kambodscha konnten sie dann endlich an Land. 

Mittlerweile konnten die meisten der Passagiere zurück in ihre Heimat, darunter auch mehr als 50 Deutsche. 

Die Betroffenen wurden von ihren zuständigen Gesundheitsämtern vor ihrer Rückkehr angeschrieben, sich umgehend zu melden. "Die zwei Personen aus Dresden stehen unter Beobachtung durch das Gesundheitsamt", erklärt die Sprecherin. "Sie sind gesund, aber zur Sicherheit häuslich isoliert." Bereits am 18. Februar seien ihnen Proben entnommen worden. Die Untersuchung ergab laut Schmotz, dass das neuartige Coronavirus nicht nachgewiesen werden konnte.

Wie gut sind die Dresdner Krankenhäuser vorbereitet?

Alle bislang am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus getesteten Verdachtsfälle waren negativ. Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass weitere Verdachtsfälle der Erkrankung auftreten, so das Klinikum. Das gelte vor allem für Patienten, die aus dem Gebiet von Wuhan, Province Hubei (China) einreisen und für deren Kontaktpersonen. Deshalb habe das Dresdner Uniklinikum Maßnahmen ergriffen, um Verdachtsfälle umgehend isolieren und diagnostizieren zu können.

Das Städtische Klinikum ist ohnehin ständig auf die Behandlung infektiöser Patienten vorbereitet, weil das Fachgebiet Infektiologie und Tropenmedizin Teil des Krankenhausplans ist, erklärt Sprecherin Viviane Piffczyk. Es ist also die erste Anlaufstelle, wenn ein Verdacht auf eine Corona-Viren-Infektion besteht.

Am Neustädter Standort steht eine infektiologische Station mit 20 Betten unter fachärztlicher Leitung zur Verfügung. Patienten mit möglichen übertragbaren Krankheiten werden dort isoliert versorgt. "Das bedeutet, die Zimmer sind mit einem eigenen Sanitärbereich und einer Hygieneschleuse ausgestattet. Das Pflege- und Ärzteteam ist darin seit Jahren geschult und erfahren." Zudem können sie eine entsprechende Schutzausrüstung tragen. Strengste Hygienemaßnahmen sollen eine Ausbreitung der Krankheit verhindern. Das Klinikum steht außerdem in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt und anderen Behörden. Am Uniklinikum und am Diakonissenkrankenhaus können Patienten ebenfalls in einzelnen Zimmern isoliert versorgt werden.

Wie bereitet sich das Rathaus vor?

Das Gesundheitsamt der Stadt Dresden verfolgt nach eigenen Angaben aktiv die nationalen und internationalen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem neuen Corona-Virus. "Wir stehen hier in engem Austausch mit den Krankenhäusern aber auch dem niedergelassenen ärztlichen Bereich, um Fragen, bezogen auf den Einzelfall, konkret zu beantworten", so das Gesundheitsamt.

Vorrangige Informationsquelle für alle medizinischen Einrichtungen sei die Internetseite des Robert-Koch-Institutes, die laufend aktualisiert wird. Darüber hinaus gibt das zuständige Sächsische Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Informationen an die verschiedenen medizinischen Institutionen weiter.

Wie gefährlich ist das Virus und was sind die Symptome?

Gewöhnliche Corona-Viren verursachen meistens eine milde Erkältungssymptomatik mit Husten und Schnupfen, so das Robert-Koch-Institut. Bestimmte Corona-Viren könnten aber auch schwere Infektionen der unteren Atemwege verursachen und zu Lungenentzündungen führen. "Das neue Corona-Virus scheint mit einem schwereren Verlauf einherzugehen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die bereits zuvor an schweren Grunderkrankungen litten", betont das Institut.

Anfangs seien die Behörden in China davon ausgegangen, dass sich alle Patienten auf dem Markt infiziert haben. "Inzwischen ist jedoch bekannt, dass das neue Corona-Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist", so das Institut. Erste Mensch-zu-Mensch-Übertragungen außerhalb Chinas wurden bislang in Vietnam und in Deutschland berichtet. Es wurden auch einzelne Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die offenbar noch keine Symptome gezeigt hatten.

Wann sollte man zum Arzt gehen und wer stellt fest, ob eine Infektion mit dem Corona-Virus vorliegt?

Wer Husten, Schnupfen und Fieber hat, sollte sich nach telefonischer Voranmeldung nur dann bei einem Arzt oder Krankenhaus vorstellen, wenn tatsächlich eine ärztliche Behandlung erforderlich erscheint, erklärt Viviane Piffczyk vom Städtischen Klinikum. Ein begründeter Verdacht bestehe nur, wenn die unteren Atemwege erkrankt sind. Das kann eine Lungenentzündung oder akute Atemnot sein.

Doch das allein ist noch kein Grund sich über eine Corona-Virus-Infektion Sorgen zu machen. Denn der Betroffene muss außerdem innerhalb der letzten zwei Wochen vor Ausbruch der Krankheit in einem Risikogebiet gewesen sein. Auch beim Kontakt zu einem bereits bestätigten Fall wird eine mögliche Infektion abgeklärt. Dabei werden Abstriche aus dem Nasen- und Rachenbereich entnommen, wenn nötig auch abgehustetes Sekret.

Ob ein Patient tatsächlich das Corona-Virus in sich trägt, kann in Dresden nicht festgestellt werden. Das ist nur im Konsiliarlabor der Charité in Berlin möglich. Ist der Abstrich im Labor, liegt das Ergebnis wenige Stunden später vor. Nicht nur in Dresden, sondern bundesweit finden derzeit allerdings nur fallbezogene Untersuchungen statt. Ein allgemeines Screening sei nicht vorgesehen, so das Gesundheitsamt. "Derzeit konzentrieren sich die Fachleute bei der Identifizierung von Risikofällen auf die Menschen, die aus der Provinz Hubei kommen." Dieses Vorgehen ist mit den Landesbehörden abgestimmt und entspricht den nationalen Vorgaben durch das Robert-Koch-Institut.

Müssen sich die Dresdner Sorgen machen?

"Selbstverständlich ist eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten; ein Grund zur Besorgnis besteht aktuell nicht", so das Dresdner Gesundheitsamt. Im Umgang miteinander sollte die in der Grippe-Saison übliche Husten- und Nies-Etikette berücksichtigt werden, um mögliche Übertragungswege zu minimieren. Das gelte nicht nur für das Corona-Virus, sondern sollte generell Beachtung finden, betont das Rathaus. Mit diesen einfachen Mitteln könne eine gewisse Vorbeugung stattfinden.

"In vielen mild verlaufenden Fällen ist keine ärztliche Behandlung notwendig", so Viviane Piffczyk. In diesem Erkrankungsfall sollten Menschenansammlungen dennoch vermieden werden. Auch das Lüften der Zimmer sei wichtig, um die Virenbelastung in der Raumluft zu senken. 

Wie reagieren Dresdner Unternehmen?

Laut Infineon-Sprecher Christoph Schumann werden alle Reisen nach China durch die Mitarbeiter geprüft, von privaten Reisen wurde abgeraten. Es gibt einen Gefahrenabwehrplan, der greifen würde, wenn es Virus-Fälle im Unternehmen gäbe.

An den Katastrophenplan der Stadt gebunden sind die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Laut Sprecher Falk Lösch würde das Rathaus im Zweifel entscheiden, ob die Busse und Bahnen fahren oder nicht. Aber aktuell bestehe kein Grund zur Panik. "Unsere Fahrer haben auch keine Atemschutzmasken oder Schutzanzüge", so Lösch. Die Busse und Bahnen werden täglich gereinigt. 

Sind die Betroffenen krank geschrieben?

Die Isolation der Betroffenen wurde durch das Gesundheitsamt angeordnet. "Die häuslich abgesonderten Personen sind in diesem Fall ja nicht krank", so Andreas Friedrich, Sprecher des Gesundheitsministeriums. Sie gelten aber als "ansteckungsverdächtig", deshalb werden sie isoliert, damit die übertragbare Krankheit  verhindert und nicht verbreitet wird. "Es bedarf also nicht einer Krankschreibung durch den Arzt", erklärt Friedrich. "Für einen eventuellen Verdienstausfall kann laut Infektionsschutzgesetz ein Antrag auf Erstattung gestellt werden.

Wie wird ausgeschlossen, dass sie die Wohnung verlassen?

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Ausgeschlossen werden kann das nicht. "Die Personen haben mit ihrer Unterschrift der häuslichen Isolation allerdings zugestimmt", so Andreas Friedrich. "Die Gesundheitsämter stehen in engem Kontakt mit ihnen und verlassen sich auf die Disziplin der Personen."