merken
PLUS

Dresden

Corona: Hilbert warnt vor Rassismus

Die Übergriffe in Dresden nehmen zu. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) berichtet von aktuellen Fällen und fordert die Dresdner auf, dagegen etwas zu tun.

Asiatische stämmige Menschen werden in Dresden diskriminiert. Sie werden pauschal beschuldigt, das Corona-Virus in sich zu tragen.
Asiatische stämmige Menschen werden in Dresden diskriminiert. Sie werden pauschal beschuldigt, das Corona-Virus in sich zu tragen. ©  Christian Juppe (Symbolbild)

Dresden. "Das Coronavirus macht um Rassismus keinen Bogen", stellt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) besorgt fest. Er kenne konkrete Fälle aus der sächsischen Landeshauptstadt.

Am Freitag habe ein Dresdner Unternehmer bei OB Hilbert angerufen. "Mir wurde berichtet, wie es asiatisch stämmigen Menschen in Dresden aktuell ergeht." Anlass ist, dass das Coronavirus seinen Ursprung in China hat. "Menschen, die erkennbar asiatisch aussehen, werden in unserer Stadt in Bussen, Bahnen und Bildungseinrichtungen bespuckt und angepöbelt, weil sie angeblich das Virus überbringen", so OB Hilbert.

Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden
Rundum versorgt im ELBEPARK Dresden

Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und Tierfachgeschäfte haben für Sie weiterhin geöffnet. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

"Das geht nicht", stellt er fest. "Wir müssen mit allem Nachdruck dagegen vorgehen." Bereits in seiner Neujahrsrede hatte Hilbert den Alltagsrassismus zum Problem in Dresden erklärt.

Im vergangenen Herbst war er mit einer Delegation aus der kongolesischen Partnerstadt Bazaville in Dresden beim Oktoberfest. Dort wurde der OB von Besuchern angepöbelt, weil er "die Schwarzen" mitgebracht habe. "Zum Glück hat der Sicherheitsdienst sofort reagiert und Zeltverbote ausgesprochen", so Hilbert.  

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) berichtet über Rassismus im Zuge der Corona-Epidemie.
Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) berichtet über Rassismus im Zuge der Corona-Epidemie. © Sven Ellger

Mehr rassistische Taten

Minderheiten erleben Anfeindungen permanent. "Es passiert täglich", berichtet Danielle Jackson vom Verein Afropa. Die Dresdnerin hat afrikanische Wurzeln, wird deshalb ständig rassistisch behandelt, sagt sie. "Es geht damit los, dass mir Menschen ungefragt in die Haare fassen, an der Kasse werde ich auf Englisch angesprochen oder die Kassiererinnen sprechen ganz langsam, als ob ich sie nicht verstehe."

Noch drastischer beschreibt es Constancio Maulana von Afropa. Vor drei Monaten war eine Frau aus Afrika bei ihm zu Gast. "Sie wurde im Lidl an der Kasse gefragt, ob sie noch etwas in der Tasche habe." Als die Frau verneinte, wollte der Verkäufer trotzdem nachschauen und ließ auch danach nicht von ihr ab. Er rief den Sicherheitsdienst. "Die Frau wurde vor allen anderen Kunden am ganzen Körper abgetastet, weil sie eine andere Hautfarbe hat", so Maulana.

In einer Dresdner Kita sei einer schwarzen Frau das einzige schwarze Kind übergeben worden, als sie für Freunde ein Kind abholte. "Man bekommt ein schwarzes Kind geschenkt, weil man selber schwarz ist", so Maulana. "Erst als das Kind weinte und sagte, das ist nicht meine Mutter, fragte die Erzieherin nach."

Zahlen zu Alltagsrassismus gibt es keine. "Es gibt nur Erhebungen, wenn es zu Angriffen kommt", erklärt die Referentin für Demokratie und Zivilgesellschaft bei OB Hilbert, Irma Castillo. "Aber auch nur, wenn sich die Opfer bei den Beratungsstellen melden." 2018 gab es in Dresden 60 rassistische Angriffe. In Sachsen waren es 317, Dresden und Chemnitz sind die unrühmlichen Hochburgen. "Die Zahl ist im Vergleich zu 2017 um 38 Prozent gestiegen", erklärt Castillo.

Aber auch Alltagsrassismus ohne tätliche Angriffe treffen die Opfer. "Das belastet psychisch, man bekommt Angst", so Maulana. "Die Frau aus Afrika ist drei Wochen nicht mehr raus gegangen, seit dem Vorfall im Supermarkt." 

Kritik auch an Hilbert

Um etwas gegen Rassismus zu tun, zu informieren und ein Kennenlernen zu ermöglichen, beginnen ab Montag die internationalen Wochen gegen Rassismus. Bis zum 6. April, den Gedenktag für Jorge Gomondai, gibt es mehr als 80 Veranstaltungen. Dazu laden Afropa, die städtischen Bibliotheken und viel mehr ein.

Dabei ist auch die Initiative "Wer schweigt, stimmt zu", die immer wieder kritisiert, dass die Gesellschaft zu wenig gegen Rassismus tut. Steffi Brachtel von der Initiative kritisiert auch OB Hilbert. Sie meint, wenn die Dresdner früher gegen Pegida auf die Straße gegangen wären, hätte es erst gar nicht so einen Zulauf gegeben. "Da müssen die Leute an der Spitze mit gutem Beispiel vorangehen. So haben sie Alltagsrassismus Vorschub geleistet."

Weiterführende Artikel

Pegida schadet Dresdens Ruf

Pegida schadet Dresdens Ruf

Die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut haben Probleme, Personal aus dem Ausland zu finden.

Tausende bei Pegida – Tausende dagegen

Tausende bei Pegida – Tausende dagegen

Am Montagabend sprach Björn Höcke zur 200. Pegida-Demo auf dem Neumarkt. Ein breites Bündnis hielt laut dagegen.

"Wir müssen aufhören, zu interpretieren, wer den besseren Umgang damit hat", konterte der OB. "Wir Demokraten müssen zusammenstehen." Was das bewirken kann, haben laut Hilbert die jüngsten Gegendemos gezeigt. "Außerdem hat sich die Stadtspitze nicht weggeduckt. Aber es gibt Gesetze."

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden