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Coronavirus: Schulen in Sachsen schließen

Das Coronavirus legt den Lehrbetrieb in Sachsen lahm. Am Mittwoch schließen alle Schulen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sachsen setzt den Unterricht aus.
Sachsen setzt den Unterricht aus. © KEYSTONE/Ti-Press

Sachsen hat am Freitag die Schulpflicht ausgesetzt. Ab Mittwoch sollen dann alle  Schulen und Kitas geschlossen bleiben. Nur eine bestimmte Personengruppe hat Anspruch auf Notbetreuung. 

Werden Schulen und Kitas in Sachsen geschlossen?

Ja, ab Mittwoch, den 18. März. Dazu hat Sachsens Sozialministerium am Montag eine Allgemeinverfügung erlassen. Nach einer Entscheidung des Krisenstabs werden alle Oberschulen und Gymnasien geschlossen. An Grundschulen sollen die Lehrer eine Notbetreuung übernehmen. Die Kindergärten werden ebenfalls geschlossen, genauso wie die Kindertagespflege. In den Kindergärten soll aber eine Notbetreuung stattfinden. Die Regelungen gelten vorerst bis zum Ende der Osterferien am 17. April. 

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Für Dienstag hat das Kultusministerium noch einmal unterrichtsfreie Zeit angeordnet. Dabei sind die Schulen nicht generell geschlossen. "Das Lehrpersonal ist anwesend, um die Betreuung für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen", teilt das Kultusministerium mit. "Eine Schulpflicht besteht nicht." Die Betreuung ist für alle Kinder abgesichert, deren Eltern kein alternatives Betreuungsangebot haben, teilte das Kultusministerium mit. Auch die Kitas sollen am Dienstag vorerst noch geöffnet sein. Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Kita schicken wollen.

Wer hat Anspruch auf Notbetreuung?

Den Eltern soll am Montag und Dienstag noch die Möglichkeit gegeben werden, sich auf eine Betreuung von Kindern und Schülern im häuslichen Umfeld einzustellen. Auch die Lehrer brauchen Zeit, um Aufgaben vorzubereiten. Die Notbetreuung ab Mittwoch wird es aber nur für einen eng begrenzten Personenkreis geben, und zwar, wenn beide Eltern oder Alleinerziehende in einem "Bereich der kritischen Infrastruktur" arbeiten, kündigte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) an.

Dazu gehören unter anderem medizinisches Personal, Polizei, Feuerwehr, Lebensmittelhandel oder Versorgungsunternehmen. Eltern müssen dafür ein Formular von ihrem Arbeitgeber ausfüllen lassen, das besagt, dass sie in einer systemrelevanten Branche arbeiten und für den Arbeitgeber unabkömmlich seien. Piwarz warb um Verständnis. Ziel sei es, das nur wenige Kinder betreut werden müssen. Der Plan ist, dass jede Kita und jede Grundschule für die Notbetreuung zur Verfügung stehen. So sollen größere Gruppen verhindert werden und vermieden, dass sich die Kindergruppen neu mischen. Der Minister appellierte auch an die Eltern, kritisch zu prüfen, ob man eine Notbetreuung braucht. Außerdem sollen die Eltern nicht auf private Betreuungsgruppen zurückgreifen. "Das würde alle Maßnahmen konterkarieren", so Piwarz.  

Wie reagieren andere Bundesländer auf das Virus?

Als erstes Bundesland hat das Saarland in der Nacht zum Freitag die Schließung aller Schulen und Kindertageseinrichtungen ab Montag bekannt gegeben. Im Laufe des Tages haben fast alle Bundesländer angekündigt, den Schulbetrieb wegen Infektionsgefahr bis Ende der Osterferien einstellen zu wollen. In vielen Ländern bleiben auch die Kitas zu. Millionen Eltern in Deutschland müssen sich nun Gedanken machen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen. In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt – einschließlich Berufsschulen etwa 43.000 Schulen mit elf Millionen Schülern und 820.000 Lehrern.

Wie wird der Unterrichtsausfall kompensiert?

Die Schüler in Quarantäne haben noch keine Ferien. "Die Zeit bis zu den Osterferien soll Lernzeit sein", sagte Piwarz. Um die Aufgaben zusammenzustellen, soll die Zeit am Anfang dieser Woche genutzt werden.  Die Schüler bekommen ihre Aufgaben etwa über die Homepage der Schule oder die sachsenweiten Online-Plattformen zum Herunterladen am Tag vorher oder am gleichen Tag. Schulen können den Klassen auch Aufgabenpakete und Lesestoffe auf Vorrat mitgeben, sagte Roman Schulz, der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung. "Man kann dabei feste Beratungs- und Kommunikationszeiten vereinbaren." Benotung und Kontrolle sei so nicht garantiert, sagte Schulz. "Aber es geht vorrangig stofflich auch um: Tägliche Übungen, Festigung, Wiederholung." Die jetzige Situation berge auch Potenzial, um relativ spontan neue Lern- und Kommunikationsformen auszuprobieren.

Finden die Abiturprüfungen statt?

Die Prüfungen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Sachsen sind nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr, teilte das Kultusministerium mit. Man bereite sich auf alle Eventualitäten vor und prüfe Ausweichmöglichkeiten, sagte Ministeriumssprecherin Susann Meerheim am Montag. Die ersten Prüfungen beginnen nach Ostern. Die schriftlichen Abiturprüfungen in Sachsen sind vom 22. April bis 11. Mai geplant. Die Kultusminister haben sich auf ihrer Konferenz am 12. März darauf geeinigt, dass den Schülern auch bei Verschiebungen keine Nachteile entstehen – etwa bei der Anerkennung des Abschlusses oder beim Studienbeginn.

Können weiterhin Klassenfahrten stattfinden?

Nein. Auch bei Klassenfahrten hat das Kultusministerium die Maßnahmen am Freitag verschärft. Fahrten ins In- und Ausland sind bis zum Schuljahresende abzusagen, heißt es. Bisher waren sie nur in Regionen, die das Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft hat, untersagt. Klassenfahrten in Sachsen sind zunächst bis zu den Osterferien verboten, danach werde die Lage neu bewertet. Auch Schulveranstaltungen wie Wettbewerbe, Olympiaden, Stipendienfahrten, Betriebspraktika, Schüler- und Lehreraustausche und Lehrerfortbildungen werden bis Ende des Schuljahres abgesagt. Die Stornierungskosten werden vom Freistaat Sachsen übernommen.

An welchen Schulen sind schon Fälle nachgewiesen?

Nach Angaben des Landesamtes für Schule und Bildung sind am Montagmittag neun Schulen wegen des Corona-Virus geschlossen. In Dresden sind drei Kitas, eine Grundschule und das St. Benno-Gymnasium geschlossen. Ein Schüler, zwei Kita-Kinder und eine Erzieherin wurden positiv auf das Coronavirus getestet. „Für alle Kinder und das gesamte Personal der Einrichtungen wird eine häusliche Isolation von 14 Tagen angeordnet“, so Pressesprecher Kai Schulz. Die Eltern sollen schnellstmöglich informiert werden, ein schriftlicher Bescheid des Gesundheitsamtes folgt.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde ein Schüler positiv getestet. Die Quarantäne für die Sebnitzer Oberschule „Am Knöchel“ wurden am Montag teilweise aufgehoben. Nur die Schulklasse des infizierten Schülers verbleibt in Quarantäne, auch die Lehrer, die als direkte Kontaktpersonen getestet worden sind, teilt das Landratsamt mit. Für alle anderen Schüler und Lehrer und sonstigen Personen wird die Isolierung aufgehoben.

Im Landkreis Bautzen sind das Berufsschulzentrum in Bautzen sowie das Sorbische Schulzentrum geschlossen. Das Leibniz Gymnasium in Leipzig ist geschlossen, auch die Sportoberschule und das Sportgymnasium in Chemnitz. Dort wurde der Virus bei einer Lehrerin nachgewiesen. 

Das Landratsamt Meißen hat schon in der vergangenen Woche das Christliche Gymnasium in Riesa geschlossen, weil sich eine Schülerin mit dem Virus infiziert hat. Danach wurde auch die Evangelische Werksschule in Naundorf geschlossen. In einigen Familien besuchen Geschwister die Schule in Riesa. 

Geschlossen ist ebenfalls die Grundschule Bernsdorf (Erzgebirge).

Was passiert, wenn ein Kind positiv getestet wird?

Alle Kontaktpersonen des Kindes werden ermittelt und erhalten vom Gesundheitsamt einen entsprechenden Bescheid zur Quarantäne. Alle anderen Schülerinnen und Schüler werden gebeten, Kontakte zu minimieren und auf Symptome zu achten. Ziel ist es, die Infektionskette frühzeitig und umfassend zu unterbrechen.

Was mache ich, wenn mein Kind Symptome zeigt?

Die Erkrankung äußert sich durch Fieber, Müdigkeit und Husten, auch Halskratzen und Durchfall sind möglich. Eltern sollten zuerst einen Arzt anrufen und dann die Schule informieren, sagt Kultussprecherin Susann Meerheim. Sollten Verdachtsfälle auftreten, informiert die Schule das Gesundheitsamt. Das legt weitere Entscheidungen – etwa zu Quarantäne – fest. Alle Kontaktpersonen müssen isoliert werden.

Müssen Kinder, die aus Risikogebieten zurückkehren, in Quarantäne?

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Über den Umgang mit Personen, die aus Risikogebieten, wie zum Beispiel Südtirol, zurückkehren, entscheiden die Gesundheitsämter vor Ort. Unter anderem der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat eine Verfügung erlassen, dass sich alle Rückkehrer in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden müssen. Derzeit sind Schüler aus Stolpen, die zum Skilager in Südtirol waren, in vorsorglicher häuslicher Quarantäne. Die Schulen stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsämtern.

Aktuelle Entwicklungen zum Thema Coronavirus finden Sie in unserem Newsblog