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Coswig baut neue Kita, aber vorerst kleiner

In knapp zwei Jahren sollen in dem Haus an der Salzstraße Kinder betreut werden. Vorerst 54 in Krippe und Kiga. Geplant waren allerdings deutlich mehr Plätze.

So soll die neue Kindertagesstätte aus Richtung Salzstraße aussehen.
So soll die neue Kindertagesstätte aus Richtung Salzstraße aussehen. © KKS Architektur + Gestaltung

Coswig. Einstimmig hat der Coswiger Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Bau einer neuen Kindertagesstätte auf der Salzstraße 14 beschlossen. Zugleich wurde die städtische WVS Wohnverwaltung und Service GmbH mit der Umsetzung des Projekts beauftragt. Um auch künftig die Kinderbetreuung für alle jungen Familien zu sichern, schafft die Stadt Coswig hier vorerst 54 neue Plätze, davon 20 für Krippen- und 34 für Kindergartenkinder.

Ursprünglich sollte die Kapazität der Einrichtung 98 Plätze betragen. Da derzeit aber keine Aussicht auf Fördermittel besteht, soll die Kita aus finanziellen Abwägungen zunächst nur mit verminderter Kapazität errichtet werden. Die Planung berücksichtigt jedoch eine nachträgliche Erweiterungsmöglichkeit.

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Benötigt wird das neue Haus dringend. Denn die Betreuungssituation in Coswig ist bereits seit drei Jahren sehr angespannt. Laut Stadtverwaltung Coswig, sie ist für die bedarfsgerechte Bereitsstellung von Plätzen in Kitas zuständig, liegt der Versorgungsgrad derzeit unter 90 Prozent. 

Das heißt: Für 989 in der Großen Kreisstadt wohnenden Mädchen und Jungen im Alter von null bis sechs Jahren stehen in diesem Jahr nur 876 Betreuungsplätze zur Verfügung. Die vorhandenen Kindereinrichtungen arbeiten somit an der Grenze ihrer Kapazität. 

Bereits vor drei Jahren entstand daher die Idee, gemeinsam mit Radebeul eine neue Einrichtung in Betrieb zu nehmen. Aus baurechtlichen Gründen sei die Umsetzung jedoch nicht möglich gewesen, so das Rathaus.

Das alte Gebäude, in dem sich bis Jahresbeginn die Coswiger Außenstelle der Meißner Tafel befand, wurde bereits abgerissen.
Das alte Gebäude, in dem sich bis Jahresbeginn die Coswiger Außenstelle der Meißner Tafel befand, wurde bereits abgerissen. © Arvid Müller

Um dennoch möglichst schnell neue Kita-Plätze zu schaffen wurde die WVS Wohnungsverwaltung und Service GmbH vom Verwaltungsausschuss des Stadtrats mit den notwendigen Vorplanungen für den Bau einer neuen Einrichtung beauftragt.

Entstehen soll diese, gemäß dem vom Stadtrat vor Pfingsten gefassten Beschluss, auf dem derzeit leerstehenden Gelände an der Salzstraße, direkt neben dem Friedhof.

Bereits in den ersten Monaten dieses Jahres wurde der dort noch stehende Plattenbau aus DDR-Zeiten abgerissen. Zuletzt hatte diesen die Coswiger Außenstelle der Meißner Tafel genutzt. Seit 2006 bis zum Umzug zu Jahresbeginn.

Die vorliegenden Planungen sehen ein barrierefreies Gebäude mit Gründach und Personenaufzug vor. Im Erdgeschoss soll es zwei Gruppenräume mit angrenzenden Schlafräumen für die Krippenkinder sowie Küche und Haustechnikraum geben. Ein Mehrzweckraum mit Schiebewänden soll auch von außen begehbar sein. Im Obergeschoss entstehen zwei Räume für die Kindergartengruppen.

Die Fassaden der Gruppenräume sollen durch großzügige Fenster gegliedert werden, die auch kleinen Kindern den Ausblick ins Freie ermöglichen. Auf den niedrigen Fensterbänken können sie sitzen oder spielen.

Die Außenwände werden in Massivbauweise errichtet und mit Faserzement-Platten und teilweise Holzlattung verkleidet.

Viele Bäume sollen erhalten bleiben

Bisher noch nicht geplant sind die Außenflächen mit unterschiedlichen Bereichen zum Spielen und Toben. Gegenüber vielen Neubauten auf der grünen Wiese hat die geplante Kindertagesstätte an der Salzstraße allerdings schon jetzt einen riesigen Vorteil. 

Auf dem Grundstück befinden sich viele alte Bäume, die zum Großteil erhalten bleiben sollen und den Mädchen und Jungen im Sommer Schatten spenden können. Gefällt werden sollen einige Bäume, die direkt im künftigen Baufeld stehen. Und vor allem mehrere Mehlbeeren, deren Früchte giftig sind.

Parkplätze sind im vorderen Bereich des Grundstücks in der Nähe der Einfahrt an der Salzstraße geplant. Dort allerdings vor allem für Mitarbeiter. Und auch auf der Straße können Eltern parken. Beim Abholen der Kinder am Nachmittag dürften dort allerdings die Plätze rar sein, da auch viele Friedhofsbesucher mit dem Pkw kommen.

Bernhardt Mossner (BnC) fragte in der Sitzung nach, ob bei dem Neubau auch eine Photovoltaikanlage vorgesehen ist. Seine Fraktion hatte im Stadtrat im Februar einen Antrag eingebracht, wonach geprüft werden soll, solche Anlagen auf städtischen Gebäuden zu installieren. Über die Haustechnik- und Außenanlagenplanung soll im Ausschuss beraten werden, so die Antwort.

Was auf dem Gelände der künftigen Kita sofort auffällt, sind die Bäume. Viele davon sollen erhalten bleiben.
Was auf dem Gelände der künftigen Kita sofort auffällt, sind die Bäume. Viele davon sollen erhalten bleiben. © SZ/Sven Görner

Aktuell rechnet das Rathaus mit Kosten für den jetzt geplanten Bau in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Eine stolze Summe wie OB Thomas Schubert (parteilos) sagte, die komplett von der Stadt Coswig getragen werden muss, da zurzeit keine Fördermöglichkeiten absehbar sind.

 „Es ist gut, dass wir das können, aber trotzdem ist es ein gewaltiger Brocken“, ergänzte der Rathauschef. Zumal im Haushalt der Stadt bisher 600.000 Euro weniger eingeplant waren. 

Doch auch diese Mehrkosten können durch überplanmäßige Ein- und Auszahlungen im Haushaltsjahr 2021 gedeckt werden. In der genannten Investitionssumme enthalten sind übrigens auch der bereits erfolgte Abriss des alten Gebäudes und das Mobiliar für das neue Haus.

Neue Kita soll in knapp zwei Jahren starten

Ihren Betrieb soll die Kita Salzstraße im I. Quartal 2022 - in Trägerschaft der Johanniter Unfallhilfe e.V. - aufnehmen. Der künftige Betreiber bringt bereits jetzt seine Ideen und einen Eigenanteil für die Innenausstattung in den Bau ein.

Insgesamt hatten sich im vergangenen Herbst zwölf freie Träger bei der Stadt beworben. Fünf durften sich in einer internen Runde vorstellen. Davon präsentierten drei im Verwaltungssausschuss ihre Konzepte „Es war schwer, einen Favoriten zu finden“, hatte Fachgebietsleiter Mike Schlagowsky im November gesagt.

 Alle drei hätten einen fachlich kompetenten Eindruck gemacht. Im Vorfeld der Entscheidung des Stadtrats hatten Mitarbeiter der Verwaltung und Stadträte sich eine Johanniter-Kita in Riesa angeschaut. In Coswig ist ein ähnliches, offenes Konzept geplant.

Für den Fall, dass sich die Kinderzahlen in Coswig weiterhin so erfreulich wie bisher entwickeln, berücksichtigt die Gesamtplanung eine Erweiterungsmöglichkeit des Hauses im nördlichen Teil. Dieser Anbau würde vermutlich deutlich kostengünstiger werden, da alle baulichen Voraussetzungen und Medienanschlüsse dann bereits vorhanden sind.

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