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Coswig fotografiert die Straßen

Ein Ingenieurbüro sollim Januar 94 Kilometer Coswiger Straßen auf 84000 Fotos erfassen. Danach wird die Infrastruktur bewertet.

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Von Torsten Oelsner

Was sich anhört wie ein schräger Rekord für das Guinessbuch, wird von Coswigs Verwaltung mit großem Ernst betrieben. Im Januar beginnt das Thüringer Ingenieurbüro Lehmann+Partner GmbH damit, sämtliche Straßen und auch die Hochbauten der Stadt genau unter die Lupe zu nehmen. Das heißt, die Wege, Stege, Plätze und Immobilien der Stadt werden auf Digitalfotos erfasst und ausgewertet. Kosten soll die ganze Aktion rund 21000 Euro, sagt Coswigs scheidender Bauamtschef Manfred Trache. Das Ganze sei auch weniger eine Aktion des Bauamtes, sondern der Kämmerei in Vorbereitung eines neuen Buchungssystems für den Stadthaushalt. Dafür sei es nötig, das gesamte Anlagevermögen der Stadt zu erfassen und zu bewerten.

Wert der Stadt wird ermittelt

„Der Nennwert unseres Vermögens dürfte geschätzt bei 60 bis 70 Millionen Euro liegen“, so Manfred Trache. Den Verkehrswert sieht er bei 15 bis 20 Millionen Euro. „So eine Straße hat eine mittlere Haltbarkeit von 25 bis 30 Jahren. Danach muss wieder etwas getan werden“, so Trache. Von der Höhe des Verkehrswertes aller Anlagen sind demzufolge auch die Abschreibungen abhängig, die eine Stadt in ihren Haushalt einstellen muss. Bis 2009 will Coswig diese Gesamtbilanz fertig haben.

Rein praktisch geht das Ganze so vonstatten, dass ab Januar ein Auto des Ingenieurbüros durch Coswig fährt und Meter für Meter der Straßen erfasst. Mit berücksichtigt werden dabei auch Parktaschen, die Fußwege, Bordsteinkanten und auch die Bäume, im Verwaltungsjargon „Stadtgrün“ genannt.

Spurrillen, Schlaglöcher, Buckel, ,,Ausmagerungen“ und ,,Netzrisse“ in den Straßen werden auf Einzelfotos festgehalten. Fortan ist damit auf einen Blick erkennbar, auf welcher Straße die Bautrupps am nötigsten sind.

Keine Fotos von Bürgern

Der orangefarbene Spezialwagen, ausgerüstet mit Kameras und noch mehr Hightech im Inneren, wird einige Tage brauchen, um das Coswiger Straßennetz abzuarbeiten. Erfasst werden auch Kreis- und Staatsstraßen, die durch das Stadtgebiet Coswigs führen, denn die Fuß- und Radwege entlang dieser Straßen liegen in der Zuständigkeit der Stadt Coswig. Dabei brauchen Bürger keine Angst zu haben, dass sie selbst oder ihr Haus in die Datensammlung des Rathauses gelangen.

Die Kameras richten sich ausschließlich auf die Straßen, wird von der beauftragten Ingenieurgesellschaft betont. Es müsse kein Bürger befürchten, unfreiwillig etwa hemdsärmelig bei der Gartenarbeit abgelichtet zu werden.

Alle fünf Meter machen die Kameras vier Fotos von einem Straßenabschnitt. Dadurch entstehen besagte 84000 Bilder.

Coswig setzt damit seinen Weg konsequent fort, die Stadt in digitalen Bilddatenbanken zu erfassen. Mithilfe ihres Luftbildsystems Gisco kommen die Mitarbeiter des Bauamtes regelmäßig auch Schwarzbauern auf die Spur. Diese Bilder werden bei so genannten Befliegungen alle paar Jahre gewonnen und dann fortlaufend aktualisiert. Dadurch wird illegale Bautätigkeit gut sichtbar.