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Coswig: Hausfrage noch offen

Es war die dramatischste Sitzung des Coswiger Stadtrates seit langem. Um den Plan zur Jugendhilfe im vergangenen Jahr stritten die Abgeordneten über drei Stunden lang. Heraus kam eine halbe Lösung.

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Von Torsten Oelsner

In zumindest einem Punkt haben die in Coswig tätigen Träger der Jugendhilfe seit gestern Abend Sicherheit. Nach im wahrsten Sinne des Wortes zähem Ringen schrieben die Stadträte die Zahl der Stellen fest, die 2004 für die Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Mit 6,3 festen Stellen gesamt können die Träger CVJM, Kiz und Juco im nächsten Jahr rechnen. Davon entfallen 1,8 auf den CVJM, drei auf die Juco das Kiz bekommt 1,5 Stellen. Insgesamt stellt die Stadt 179 000 Euro für die Jugendarbeit bereit. Bisher gab es in Coswig insgesamt 10 Stellen in der Jugendhilfe. Die Kürzung wurde notwendig, weil der Landkreis seine Zuschüsse für die Jugendarbeit in Coswig um rund 96 000 Euro gesenkt hat. Die Kürzung der Stellenzahl bedeute aber noch nicht zwingend, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen, sagte Coswigs Sachgebietsleiter für Bildung und Soziales, Falk Schmidtgen. Es sei nun Sache der Träger wie sie die Stellen unter ihren Mitarbeitern verteilen.

Keine Einigung aber wurde in der Frage erzielt, welches der Häuser schließen muss. Darüber soll im Oktober entschieden werden. Die Stadtverwaltung hatte bisher das Kiz vorgeschlagen. Aus den Reihen der CDU kam dagegen der Vorschlag, dass auch der Horizont geschlossen werden könnte.

Coswigs neuer Erster Bürgermeister Peter Zeitler hatte es nicht leicht bei seiner ersten Sitzung, die er allein leitete, die Zahl der Änderungsanträge und Anträge zur Geschäftsordnung in eine Reihe zu bringen.

Eine stille Bombe hatte auch sein Vorgänger Bernhard Kroemer noch platziert, indem er als Vorstandsmitglied der Juco die so genannten Regiekosten dieses Trägers in Höhe von rund 34 000 Euro ins Spiel brachte. Allein darüber, was das eigentlich für Geld sei, ob man es mit einrechnen könne und wem es zu Gute komme, entbrannte der Streit für eine Stunde.

In den Reihen der CDU-Fraktion herrschte erkennbar über längere Strecken Verwirrung, worüber eigentlich gerade diskutiert werde. Zuschauer erlebten ratloses Achselzucken, vorsichtiges Handheben und viele Enthaltungen in den Reihen der Mehrheitsfraktion. Streitlustig und detailversessen zeigten dagegen wieder die Fraktionen der SPD und der PDS, im Verein mit der einzigen Abgeordneten der Bürgerbewegung Coswig, Ilona Rau. Sie forderten sogar einen neuen Termin, damit etwa über den Juco-Vorschlag in Ruhe beraten werden könne. SPD-Fraktionsvize Sven Böttger rügte Peter Zeitler indem er ihm vorwarf, wichtige Unterlagen, wie die Stellungnahme der Mittelschule Mitte zu ihrem Jugendclub Bunker, nur der CDU-Fraktion zugestellt zu haben. Des weiteren habe Zeitler seit dem Frühjahr von den Kürzungen des Landkreises gewusst, aber nichts gesagt. „Jetzt schaffen Sie Zeitdruck, weil die Unterlagen bis zum 14.Oktober beim Landrat sein müssen“, sagte Böttger. Zeitler konterte, dass es sich nicht um verbindliche Zahlen gehandelt habe, die Richtung aber erkennbar gewesen sei. „Wer hören wollte, konnte hören“, sagte er.