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Radebeul

Coswig will klimasauber werden

Der Stadtrat beschließt, einen Dreistufenplan aufzustellen. Erste Anfänge gibt es bereits – und einen Fraktionsvorschlag.

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Gebäude des Kötitzer Bades, ist ein Beispiel für moderne Klimapolitik in der Stadt Coswig. Das soll sich fortsetzen, beschließen Stadtverwaltung und Räte.
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Gebäude des Kötitzer Bades, ist ein Beispiel für moderne Klimapolitik in der Stadt Coswig. Das soll sich fortsetzen, beschließen Stadtverwaltung und Räte. © Arvid Müller

Coswig. Wer von oben auf die Gebäude vom Freibad in Kötitz schauen könnte, würde dort eine moderne Photovoltaikanlage sehen. Im vorigen Sommer haben die Stadtwerke Elbtal, an denen Coswig beteiligt ist, sie installiert.

Die Erzeugungsleistung dieser neuen Anlage – die Gesamtleistung aller Module – beträgt etwa 71 Kilowatt und wird einen jährlichen Ertrag von 65 400 Kilowattstunden (kWh) produzieren, was etwa dem Strombedarf von 14 Einfamilienhäusern entspricht. Mit der Anlage werden nach Angaben der Stadtwerke Elbtal GmbH 46 Tonnen CO2 eingespart.

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Das passt in die Zeit und spart der Stadt Stromkosten. Im Winter wird die Energie ins Netz eingespeist und vergütet. Die Anlage soll allerdings für die Stadt nur der Anfang von größerem sein. Auf der jüngsten Stadtratssitzung haben die Räte zwei weitere Beschlüsse gefasst. Zum einen will die Stadt ein Klimakonzept aufstellen, welches in drei Stufen erarbeitet und umgesetzt werden soll.

Zum anderen hat die Fraktion Bündnis für ein nachhaltiges Coswig (BNC) mit Bernhard Mossner einen Antrag eingebracht, wonach die Stadt prüfen soll, auf welchen städtischen Gebäuden noch Photovoltaikanlagen installiert werden könnten. Mossner führte dazu Beispiele von Kitas in Dresden an. Solche Anlagen würden sich nach zehn bis zwölf Jahren bezahlt machen, so der BNC-Stadtrat.

Andere Räte wie Monika Haase und David Steinmann (beide AfD) fragten nach Entsorgungskosten und generelle Kosten für solche Anlagen. Die Installationskosten würden sich auch danach richten, ob die Stadt beispielsweise die Dachfläche verpachten würde, so Mossner.

Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) hatte nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden, da er ja vorerst nur die Prüfung beinhalte und noch keine Anlage errichtet werden muss. Schubert: „Wir prüfen, wo das geht.“ Dazu könnte etwa der Neubau der Kita Salzstraße gehören.

Wenn dann wirklich Photovoltaik aufs Dach kommen soll, müsse ein extra Beschluss dazu gefasst werden. Bei bestehenden Gebäuden im Stadtbesitz soll geprüft werden, ob es die Statik des Daches zulasse, ob sich der Aufwand finanziell lohnt – auch in Abhängigkeit von der Restlaufzeit, die das Gebäude noch hat. Für derartige Prüfungen habe die Stadt eigene Fachleute in den städtischen Unternehmen. Letztlich stimmte die Mehrheit der Räte dem Prüfvorschlag der BNC zu.

Zustimmung gab es letztlich auch für den noch viel weitreichenderen Beschlussvorschlag zu einem Klimaschutzkonzept, eingereicht von der Stadt und dem Bauamt selbst. Amtsleiter Wolfgang Weimann nannte Beispiele für Ansätze, um letztlich Coswig klimafreundlicher, gar klimaneutral zu gestalten. 

45 Prozent der Coswiger nutzen Fernwärme, die mit Verlust über Rohrleitungen transportiert werden muss. Es gibt noch zu viele, die in Wohngebieten mit ihrem Auto kreiseln, um einen Parkplatz zu finden. Dies könnte verbessert werden, mit intelligenten Parkanlagen am Rande der Wohngebiete.

Wichtig sei für die Stadt der Frischluftzufluss aus Richtung Friedewald durch die Stadt und in Verbindung zu den Elbauen. Diesen zu unterstützen, dienten zusammenhängende Pläne zur Bepflanzung auf städtischen Freiflächen. Auch wie Regenwasser in der Stadt aufgefangen werden kann, bevor es einfach ungenutzt Richtung Elbe fließt, sei da ein Thema, so Weimann.

OB Schubert sagte dazu: „Wir sollten Ziele entwickeln, die zu Coswig passen und erreichbar sind.“ Er nannte auch das Beispiel Stromerzeugung – 21 Prozent des Bedarfs werde schon in der Stadt selbst erzeugt, was gar nicht so schlecht sei.

Für ein Klimaschutzkonzept sind Handlungsfelder wie Bauleitplanung und Siedlungsentwicklung, Regenwassermanagement, Schutz vor Starkregenereignissen, Gestaltung von Grün- und Freiflächen maßgebend, heißt es schließlich im Beschluss.

In drei Stufen solle so ein Konzept aufgestellt werden. Stufe 1 – Bestandsaufnahme und Zielkonzept der Coswiger Klimapolitik, umzusetzen in diesem Jahr. Stufe 2 – inhaltliche Ausarbeitung des integrierten Klimaschutzkonzeptes in den Jahren 2021/22. Die Ziele und möglichen Maßnahmen sollen von einem qualifizierten Planungsbüro für die Stadt erarbeitet werden.

In der Stufe 3 sollen schließlich Einzelvorhaben verwirklicht werden – wie etwa klimafreundliche Bauten und Vorhaben in der Infrastruktur der Stadt.

Und weil das alles auch Geld kostet, speziell die Kosten für Sachverstand außerhalb der Stadtverwaltung, ist auch Geld geplant. Für 2021 und 2022 jeweils 30.000 Euro. 65 Prozent davon können gefördert werden. Die Stadträte stimmten schließlich zu, die Stufe 1 für das Konzept anzugehen.

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