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Coswiger Bahnhof wechselt Besitzer

Seit Juni gehört das Gebäude einer Firma aus Frankfurt/Main. Wann die Sanierung beginnt, hängt vom Vermietungsstand ab.

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Von Ulrike Keller

Ein Imbiss und ein Fahrkartenschalter sind übrig geblieben. Übrig geblieben als einzige belebte Fläche im Coswiger Bahnhof. „90 Prozent des Gebäudes stehen leer“, sagt Thomas Niese, seit zwölf Jahren Inhaber der DB-Agentur vor Ort. „Es ist stark sanierungsbedürftig. Wenn nichts gemacht wird, gerade an dem undichten Dach, kommt als Nächstes die Sperrung.“

Doch mit Anfang des Monats hat sich eines geändert: Der 1894 errichtete Klinikerbau ist nicht mehr in Besitz der Deutschen Bahn. Seit rund anderthalb Jahren suchte der Konzern eigenen Angaben zufolge nach einem Käufer. Sechs Interessenten gab es demnach. Zum 1. Juni wurde das Bahnhofsgebäude verkauft. Auf die Frage nach dem Warum heißt es von der DB AG, die Immobilie sei für die Abwicklung des Kerngeschäftes, den Bahnbetrieb, nicht mehr betriebsnotwendig.

Neuer Eigentümer ist eine Firma aus Frankfurt am Main, die Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH, kurz AIEG. Geschäftsführer Stefan Steinert begründet die Kaufentscheidung gegenüber der SZ damit, dass das Unternehmen von dem Standort überzeugt ist und es in Sachsen noch weitere Bahnhofempfangsgebäude erwerben will.

Die Stadt Coswig machte von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch. Die Übernahme des Bahnhofsgebäudes wäre laut der Stadtsprecherin nur infrage gekommen, wenn wichtige Projekte, wie etwa der Ausbau von Straßen in diesem Bereich, geplant gewesen seien. Allerdings gehören der Stadt auch weiterhin der Wendeplatz und die überdachte Fahrradabstellfläche.

Die Reisenden und Busfahrer hoffen nun vor allem, dass sie im Bahnhof bald endlich wieder auf Toilette gehen können. Gerade zu Zeiten des Schienenersatzverkehrs gab es nirgends eine Gelegenheit zur Erleichterung.

Die neuen Besitzer verweisen in diesem Punkt darauf, dass sie ein Bahnhofempfangsgebäude erworben haben und keine Bahnsteige. „Allerdings realisieren wir an anderen Standorten gemeinsam mit den Städten und Kommunen und unseren Mietern auch Toilettenanlagen für die Fahrgäste der jeweiligen Eisenbahnverkehrsunternehmen“, teilt Stefan Steinert mit. Er macht jedoch darauf aufmerksam, dass dann die Kosten nicht bei seiner Firma liegen könnten.

An einem Nutzungskonzept wird dem Geschäftsführer zufolge gerade gearbeitet. Einfließen sollen auch die Bedürfnisse und Wünsche der Kommune, sofern diese finanzierbar sind. In den nächsten Tagen will Stefan Steinert Kontakt zu Oberbürgermeister Frank Neupold aufnehmen und im persönlichen Gespräch sein Unternehmen und seine generellen Ziele vorstellen.

Eine Grundsanierung hat die AIEG nicht geplant. Gleichwohl müssten alle technischen Anlagen und jene für die Infrastruktur erneuert werden, so der Geschäftsführer. „Neben der Renovierung der Fassade werden wir auch das Dach und die Fenster einer Renovierung unterziehen.“ Den Zeitpunkt macht Stefan Steinert von der Auslastung abhängig. Eine Sanierung könne erst bei einem Vermietungsstand von mindestens 75 Prozent beginnen.

Dabei setzt er auf die beiden jetzigen Mieter. Dass sie langfristig im Objekt bleiben, bezeichnet er als wichtigen Faktor bei der Kaufentscheidung.

Der Inhaber der DB-Agentur im Bahnhof, Thomas Niese, ist bereits schriftlich informiert worden, dass er in Kürze einen neuen Mietvertrag erhalten wird. Der mit der Deutschen Bahn endete zum 31. Mai. Überrascht hat ihn der Eigentümerwechsel nicht. Schon vor einiger Zeit hätte mal kurz ein Plakat „Zu verkaufen“ ausgehangen, erinnert er sich. Dann verfolgte er die Ausschreibung des Gebäudes im Internet. Dass es nun in neuen Händen ist, sieht er recht optimistisch. Denn eigentlich kann es nur besser werden. „Wenn Taten folgen.“