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Coswigs alte Rathausuhr kommt zurück

Jahrzehntelange lagerte das Gehäuse der Uhr des alten Rathauses in einem Schuppen. Die Stadt will das Chronometer nun restaurieren lassen.

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Von Philipp Siebert

Ein gut 25 Kilogramm schweres, rotbraun angelaufenes und teils schon verrostetes Metallgehäuse sorgt im Rathaus seit Wochen für Freude und Stirnrunzeln zugleich. Coswig ist um ein historisches Stück reicher. Seit Anfang November kann die Stadt das Gehäuse der alten Rathausuhr, die in den 1920er gebaut wurde und einst an der Westseite des alten Verwaltungssitzes an der Hauptstraße angebracht war, wieder sein Eigen nennen. Das freut viele Leute im Rathaus.

Die Stadt will den riesigen Zeitanzeiger sogar restaurieren lassen. „Coswig hat nicht so viele geschichtliche Überbleibsel“, sagt Stadtsprecherin Ulrike Tranberg. Deshalb soll das Chronometer irgendwo in der Stadt wieder angehangen oder aufgestellt werden. Doch keiner aus dem Rathaus weiß so recht, wo die sperrige Uhr einen neuen Platz finden könnte. Das sorgt für Sorgenfalten. Oberbürgermeister Frank Neupold (parteilos) kann es trotzdem kaum fassen: „Ich freue mich riesig, ein Stück Coswiger Geschichte geschenkt zu bekommen“, sagte er.

Verantwortlich für die gute Laune des Coswiger Stadtoberhauptes ist Gunter Bergmann. Seit Ende der 1970er Jahre war er Hüter der verschollenen Uhr – ohne es so recht zu wissen. „Ich habe das Gehäuse Ende vom Schrottplatz geholt“, sagt der heute 60-jährige Coswiger. Dort landeten die Überreste der einstigen Rathausuhr, nachdem diese Mitte der 1970er Jahre ausgetauscht worden war. „Eigentlich wollte ich aus dem Gehäuse einen Springbrunnen bauen“, erinnert sich Gunter Bergmann. Nur deshalb habe er das sperrige Teil damals mitgenommen. Denn der gelernte Schlosser ist ein echter Bastler. Damals wie heute ist er auf Schrottplätzen unterwegs, um Teile zu suchen, aus denen er etwas bauen kann.

Doch aus dem Springbrunnen wurde nichts. Den Metallrahmen behielt der Coswiger trotzdem. „Damals wusste ich noch gar nicht, was das für ein Gehäuse ist. Wegschmeißen wollte ich das aber nicht“, sagt Gunter Bergmann heute. Sicherlich, einer Bahnhofsuhr sah das Stück schon ähnlich. Aber dass die Uhr vom Coswiger Rathaus stammt, daran habe er nie gedacht. Bis Gunter Bergmann eines Tages auf alte Fotos und Filmbänder stieß, auf denen das frühere Rathaus zu sehen war. „Damals war mir sofort klar, dass ich die alte Rathausuhr im Schuppen habe.“

Das Uhr-Projekt ließ Gunter Bergmann seit dem nicht mehr los. Aus Pirna besorgte er sich eine Spenderuhr samt Uhrwerk. Der Coswiger wollte das Chronometer unbedingt wieder zum Laufen bringen. Sogar Nachbildungen der Ziffernblätter hatte er in Auftrag gegeben. Irgendwo bei ihm zu Hause wollte er die Uhr wieder aufstellen. Doch daraus wurde nichts. „Mir fehlten die Teile, die Ziffernblätter wurden bis heute nicht angefertigt“, sagt der Coswiger. Also mottete er das Gehäuse prompt wieder im Schuppen ein. Das war noch zu DDR-Zeiten.

Vor einigen Jahren stolperte der Coswiger dann beim Entrümpeln des Schuppens wieder über den sperrigen Rahmen. Gunter Bergmann beschloss, das Teil los zu werden. „Also bot ich es Oberbürgermeister Reichenbach als Geschenk an“, sagt er. Doch der lehnte dankend ab. Einfach wegschmeißen wollte der Coswiger das historischen Stück aber nicht. Also kam es wieder zurück n den Schuppen. „In diesem Jahr wollte ich dort wieder Platz schaffen“, sagt Gunter Bergmann. Also probierte er es erneut bei der Stadt und bot es Frank Neupold an. „Der OB hat sich riesig über mein Geschenk gefreut“, sagt der Coswiger. Genau wie er selbst auch. Das kleine Stückchen Coswiger Geschichte weiß er nun in den richtigen Händen.

Gunter Bergmann ist gespannt, was aus der alten Rathausuhr wird. Er würde sich freuen, wenn der Zeitanzeiger wieder an einem zentralen Platz in Coswig aufgehängt wird. „Dem neuen Rathaus fehlt ja noch eine Uhr, vielleicht findet sich ja dort irgendwo ein Platz“, schlägt er vor.