merken
PLUS Sport

Für einen Abend auf der großen Bühne

Energie Cottbus wehrt sich beim 1:3 gegen den FC Bayern nach Kräften. Grund zum Feiern gibt es trotzdem.

Bayern-Profi Corentin Tolisso (links) feiert mit den Torschützen Kingsley Coman (Mitte) und Leon Goretzka das Weiterkommen im DFB-Pokal.
Bayern-Profi Corentin Tolisso (links) feiert mit den Torschützen Kingsley Coman (Mitte) und Leon Goretzka das Weiterkommen im DFB-Pokal. ©  dpa/Robert Michael

Die Sensation blieb aus, gefeiert wurde der Verlierer trotzdem lautstark. Energie Cottbus scheiterte in der ersten Pokalrunde wie erwartet am Rekordsieger Bayern München, hielt die Niederlage mit 1:3 jedoch in Grenzen und die Partie lange offen. Das honorierten die Fans.

Vereinzelt waren sie auf den Rängen noch zu sehen, die Uralt-Trikots von Tomislav Piplica, Vasile Miriuta und Franklin. Sie gehörten zur Mannschaft, der 2000 die erste Sensation gegen den FC Bayern gelungen war, acht Jahre später folgte die zweite – beide Male in der Bundesliga. Das Pokalduell war für die Lausitzer auch eine Art Zeitreise. Endlich wieder ein namhafter Gegner, endlich wieder ein ausverkauftes Stadion der Freundschaft, endlich wieder die ganz große Fußballbühne. Für einen Abend waren der Alltag, die vierte Liga und die Geldsorgen ganz weit weg.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnencreme
Sommer, Sonne, Sonnencreme

Hier erfährst Du welchen Schutz und welche Pflege Deine Haut in den heißen Monaten wirklich braucht.

„Wir haben die meiste Kohle der ganzen Nation“, sangen die Energie-Anhänger vor dem Anpfiff. Gemeint ist natürlich nicht das Vereinskonto, sondern die Braunkohle. Finanziell sind die Sorgen nach dem Abstieg so groß, dass die Cottbuser Tickets für ein Spiel verkaufen, das nie stattfinden wird. Auf der Wechselbank blieben am Montagabend drei Plätze frei, weil bei Energie einfach nicht mehr gesunde Spieler unter Vertrag stehen.

Die auf dem Platz wehrten sich nach Kräften. „Kratzen, beißen, kämpfen“, hatte das Stadionheft als Motto vorgegeben. Daran hielt sich die junge Mannschaft. Abgesehen vom 36-jährigen Routinier Dimitar Rangelov glich sie einer U-23-Elf, die vor allem damit beschäftigt war, so lange wie möglich ein Gegentor zu verhindern.

Der 20-jährige Tobias Hasse wurde von Kingsley Coman an der Außenbahn zwar schwindelig gespielt, doch Torhüter Lennart Moser, sogar erst 19, vereitelte zunächst alle Bayern-Chancen. Einen Schuss von Robert Lewandowski lenkte er an die Latte und reagierte auch beim Kopfball von Coman mit einem Reflex, doch dann musste Lewandowski nur noch abstauben. Nach 32 Minuten hatte der Pokalverteidiger das Bollwerk geknackt.

Ein Zweikampf im Strafraum sorgt für Aufregung

Erneut hatte Coman mit einem Kopfball Pech, diesmal landete der Ball an der Latte. Kurz vor der Pause schoss dann auch Cottbus das erste Mal zumindest in Richtung Tor von Manuel Neuer. Eine zaghafte Annäherung, immerhin.

Nach der Pause wurden die Lausitzer etwas mutiger, allerdings nicht wirklich gefährlich. Die Konter endeten spätestens in der Bayern-Abwehr. Nach 64 Minuten sorgte der beste Mann auf dem Platz für eine Vorentscheidung. Mit einem Fernschuss traf Coman, unhaltbar war der nicht.

Für Aufregung sorgte ein Zweikampf, als Bayern-Verteidiger Niklas Süle im Strafraum den eingewechselten Abdulkadir Beyazit mit der Hand im Gesicht traf, Schiedsrichter Patrick Ittrich jedoch keinen Elfmeter gab. Eine zumindest strittige Entscheidung, den Videobeweis gibt es in der ersten Pokalrunde nicht. Die Münchner schaukelten die Führung über die Zeit, ohne zu glänzen. Kurz vor Ende traf Leon Goretzka mit einem abgefälschten Schuss zum 3:0 und Berkan Taz per Foulelfmeter zum 3:1-Endstand. Goretzka hatte vorher den Schützen umgerissen. Es war die letzte Aktion im Spiel.

Für Ivan Perisic kam der Pokalabend noch zu früh. Der Angreifer von Inter Mailand soll am Montag in München den Medizincheck absolviert haben und wohl für ein Jahr ausgeliehen werden. Fünf Millionen Euro müssten die Münchner für den 30-jährigen Kroaten als Gebühr hinlegen – und 20 Millionen, falls er länger beim Rekordmeister bleiben soll. Das ist kein Vergleich zu den 150 Millionen, die Manchester City für den umworbenen Leroy Sané aufgerufen haben soll. Nicht nur deshalb ist Vize-Weltmeister Perisic eher die B- oder sogar nur C-Lösung. Um das Double aus Meisterschaft und Pokal verteidigen zu können, sind wohl noch mehr Verstärkungen nötig.

Weiterführende Artikel

Was Energie Cottbus vom Pokalabend bleibt

Was Energie Cottbus vom Pokalabend bleibt

Die Cottbuser werden nach dem Pokal-Aus mit Lob überschüttet. Das könnte helfen, die Probleme im Viertliga-Alltag zu meistern.

Der FC Energie hat ganz andere Sorgen. Er soll, wenn möglich, gleich wieder in die 3. Liga zurückkehren, obwohl der Nordost-Meister am Ende der Saison nicht direkt aufsteigt. Die nächsten Gegner im Stadion der Freundschaft sind der VfB Auerbach und der ZFC Meuselwitz. Dann ist wieder Alltag in Cottbus.

Mehr zum Thema Sport