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Bautzen

Crostauer Kantor geht nach Leipzig

Lucas Pohle verlässt die Oberlausitz. Vor allem eines wird ihm sehr fehlen.

Kurz vor seinem Abschied von der Gemeine Crostau trifft man Lucas Pohle noch immer an der Silbermann-Orgel in der Crostauer Kirche. Derzeit nimmt er an dem Instrument eine CD auf, die ab Sommer diesen Jahres erhältlich sein wird.
Kurz vor seinem Abschied von der Gemeine Crostau trifft man Lucas Pohle noch immer an der Silbermann-Orgel in der Crostauer Kirche. Derzeit nimmt er an dem Instrument eine CD auf, die ab Sommer diesen Jahres erhältlich sein wird. © SZ/Uwe Soeder

Crostau. So richtig mag Lucas Pohle ans Kistenpacken noch gar nicht denken: „Vorher habe ich noch jede Menge Arbeit zu erledigen. Der Umzug muss warten.“ Nach fast zehn Jahren als Kirchenmusiker in den Gemeinden Crostau, Schirgiswalde und Kirschau nimmt der 33-Jährige derzeit Abschied von der Heimat. Am 1. März tritt er seine neue Stelle an – wieder als Kantor, diesmal in der Leipziger Nikolaikirche.

„Es ist schon ein schmerzhafter Abschied. Man kennt und versteht die Menschen, hat täglich mit ihnen zu tun. Die Oberlausitz ist einfach wunderschön“, gibt der gebürtige Ebersbacher unumwunden zu. Auf die Frage nach dem Grund für den Wechsel hat Lucas Pohle gleich zwei Antworten parat: „Der Ruf nach Leipzig ist eine Ehre, die man nicht einfach ablehnt.“ Und: „Die Zukunftssorgen der Region sind auch meine. Mein Arbeitsplatz hier war nicht so richtig sicher.“

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Enge Verbindung zu Bach

Bei der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Crostau war Lucas Pohle, der kürzlich zum dritten Mal Vater wurde, lediglich in Teilzeit angestellt. „So eine große Stadtkirche wie die Nikolaikirche ist finanziell natürlich viel besser aufgestellt als wir“, sagt Pohle. Und schließlich sei da ja noch die enge Verbindung zwischen dem Komponisten Johann Sebastian Bach, der bis zu seinem Tod in Leipzig wirkte, und dem Orgelbauer Gottfried Silbermann. Die tröste ihn über den Abschied hinweg.

Wenn Lucas Pohle von der Silbermannorgel in der Crostauer Kirche spricht, wenn er ihre Qualität lobt und von ihrem Klang schwärmt, dann merkt man ihm die Leidenschaft für das fast 290 Jahre alte Instrument deutlich an. Ebenso, dass ihm das Gespräch darüber viel näher liegt, als der Wirbel um die eigene Person: „Die Orgel zu spielen war neben all der anderen Arbeit immer etwas ganz Besonderes für mich. Ein so berühmtes Instrument prägt den ganzen Ort. Crostau ist wirklich sehr musikalisch. Ich hoffe, ich darf auch in Zukunft immer mal wieder auf ‚meiner‘ Silbermann-Orgel spielen.“

Keine Schmeichelei

Dass diese Hingabe nicht vorgeschobene Schmeichelei ist, lässt sich deutlich an der beeindruckenden Bilanz ziehen, die Crostaus Pfarrer Karl-Friedrich Kottmeier unter Pohles fast zehnjähriges Schaffen zieht: „Herr Pohle hat den Standort der Silbermann-Orgel in seiner Bedeutung enorm angehoben.

Er hat drei Orgeln restauriert, sich um den Förderverein gekümmert, das Schild an der Autobahn organisiert. Außerdem hat er die Arbeit mit den Chören ausgeweitet, die Posaunenchöre betreut, unsere Konzerttätigkeit intensiviert und viele Fördermittel in die Gemeinde geholt.“

Pohles Erklärung für seinen Einsatz klingt ungleich bescheidener. Er begriff ihn als seine Pflicht: „Die Anwesenheit dieser besonderen Orgel in diesem kleinen Crostau hat mir immer den Eindruck vermittelt, dass man das Instrument und damit den Ort bekannter machen muss.“ Gleichwohl sei es nicht immer leicht gewesen, gibt der mehrfache Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe zu: „In diesem Instrument steckt schon sehr viel Lebensenergie von mir drin. Ich hoffe, dass mein Nachfolger nicht vergisst, welcher Gewinn die Orgel für die Region ist.“

Gegenwärtig arbeite man an der Ausschreibung der vakanten Stelle, sagt Pfarrer Kottmeier: „Voraussichtlich im September wollen wir mit der Suche nach einem neuen Kantor beginnen, ganz sicher noch in diesem Jahr.“ Bei einem Vorspiel müssen sich die Bewerber dann beweisen.

Unstrittig ist laut Kottmeier, dass der neue Kirchenmusiker in der Gemeinde nicht unmittelbar in Pohles Fußstapfen treten muss: „Wir werden einen Teil des Aufgabengebietes zurückschrauben müssen, um den neuen Kantor nicht direkt zu überfordern. Klar ist aber, dass er eine Mitverantwortung für die Kirchenmusik in dem gerade entstehenden Kirchgemeindebund von Cunewalde, Wilthen, Großpostwitz und Schirgiswalde-Kirschau bekommen wird.“

Dritte CD wird aufgenommen

Bis es so weit ist, hat Lucas Pohle noch einiges zu tun. Derzeit nimmt er eine neue CD mit der Silbermann-Orgel auf. Es ist bereits das dritte Projekt dieser Art, das er mithilfe von Fördermitteln umsetzt. Nachdem auf den letzten beiden Tonträgern die Crostauer Orgel gemeinsam mit dem Dresdner Barockorchester zu hören war, erklingt sie dieses Mal allein. Das große Thema: Advents- und Weihnachtsmusik.

Auch über iTunes und Spotify werden die Aufnahmen erhältlich sein. Mit dem Verkaufserlös refinanziert die Gemeinde den Eigenanteil der Förderung. Im konkreten Fall sind das 2.000 Euro. 10.000 Euro kostet die Produktion insgesamt. Die Abrechnung der Fördermittel wird Lucas Pohle noch einige Zeit kosten. Bevor er sich dann doch ans Kistenpacken macht, will er ‚seiner‘ Orgel noch einmal etwas Gutes tun und sie gegen den Schimmel imprägnieren.

Ob er die 1862 erbaute Orgel der Leipziger Nikolaikirche ebenso lieb gewinnen wird? Er klingt zuversichtlich: „Sie ist in einem sehr guten Zustand und wird mich musikalisch sehr fordern.“

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