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Crystal-Dealer erhält nur einen Schuss vor den Bug

Weil er mit größeren Mengen Drogen gehandelt hat, wurde ein 29-jähriger Crostwitzer jetzt zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Von Stefan Schramm

Es war ein später Start in die Drogenkarriere: Ende 2009 wird einem Crostwitzer auf einer Party Rauschgift angeboten. Damals ist der Mann 25 Jahre alt. Er greift zu und kommt dadurch eigenen Angaben zufolge erstmals mit Crystal in Kontakt. So schnell lässt ihn dieser Stoff auch nicht mehr los. Deshalb besorgt er sich ab Anfang 2010 etwa im Zwei-Wochen-Rhythmus bei einem Bekannten in Bautzen je ein Gramm der Droge zum Eigenbedarf. Auch von anderen Personen bezieht er Crystal, fährt dafür bis nach Kamenz und Wittichenau. Nach einigen Monaten beginnt er, mit der Droge zu handeln. Bis man seinem Lieferanten auf die Schliche kam. Dadurch flog die ganze Sache auf. Und der mittlerweile 29-Jährige landete auf der Anklagebank des Bautzener Landgerichtes.

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Dort räumte er am Dienstag die Taten ein. Die umfassten zwölf Fälle des vorsätzlichen Erwerbs von Betäubungsmitteln, 14-mal handelte er damit. Letzteres wiegt schwerer, besonders zwei Fälle vom Juli 2010. Damals soll der gelernte Maler je 100 Gramm Crystal bei seinem Lieferanten Sandro D. auf Kommission gekauft haben. Das heißt: Er zweigte sich einen Teil des Stoffs für den Eigenbedarf ab und verkaufte den Rest gewinnbringend weiter. Von den Einnahmen beglich er die Schulden aus dem Ankauf bei Sandro D.: 4 500 Euro für 100 Gramm. Oder 4 500 Schrauben für eine Hunderter-Trennscheibe, wie die Dealer im SMS-Kontakt ihre Handelsgüter bezeichneten. Doch der Crostwitzer geriet ins Visier anderer Dealer, die den neuen Konkurrenten nicht duldeten. Er wurde geschlagen, Unbekannte stahlen aus seiner Wohnung einen Tresor mit 600 Euro.

Doch auch danach besorgte sich der Crostwitzer alle paar Wochen Crystal. Insgesamt setzte er über 10 000 Euro um, bestritt damit teils seinen Lebensunterhalt. Die Droge nahm er fast täglich. Für den 5. Februar 2011 war die Übergabe von 25 Gramm geplant, doch sie scheiterte. An jenem Tag wurde Lieferant Sandro D. festgenommen. Per Telefonüberwachung kamen die Ermittler schnell auf die Fährte von dessen Abnehmern. Eine Spur führte nach Crostwitz. Dort klickten vier Wochen später die Handschellen. In den zwei Monaten U-Haft war der junge Mann geständig, nannte auch Namen aus seiner Kundschaft.

Dann verzögerte ein Schicksalsschlag den Gerichtsprozess: Inzwischen wieder auf freiem Fuß, war der heute 29-Jährige im Oktober 2011 in einen Verkehrsunfall verwickelt. Er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und weitere Knochenbrüche, lag tagelang im Koma und kämpft bis heute mit Spätfolgen, darunter Erinnerungslücken und mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Seit Mai 2012 ist er vorübergehend verrentet und wohnt bei seinen Eltern.

Die ahnten nichts von der Drogenkarriere. Seit dem Unfall ist er Drogentests zufolge clean. Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten für eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Dem schloss sich das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsidentin Ulrike Becker an. Bei dieser wohlwollenden Strafe kam dem Angeklagten sein völlig blankes Vorstrafenregister ebenso zugute wie sein Geständnis, die U-Haftzeit, seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch den Unfall und das lange Zurückliegen des Tatzeitraums. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.