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Cunewalde: Verein will kultige Hütte retten

Das Holzhaus im Freibad wäre beinahe abgerissen worden. Stattdessen soll es jetzt in Schuss gebracht werden - zu einem besonderen Anlass.

Als Mitglied des Fördervereins engagiert sich Badleiter Rico Koslowski über seine Arbeitszeit hinaus für das Cunewalder Erlebnisbad. Derzeit wird die Sanierung des Schwimmerhäusls geplant, vor dem er hier mit seiner Kollegin Julia Schäfer steht.
Als Mitglied des Fördervereins engagiert sich Badleiter Rico Koslowski über seine Arbeitszeit hinaus für das Cunewalder Erlebnisbad. Derzeit wird die Sanierung des Schwimmerhäusls geplant, vor dem er hier mit seiner Kollegin Julia Schäfer steht. © Steffen Unger

Cunewalde. Wer sich im Cunewalder Erlebnisbad heute auf die Suche nach dessen Ursprung machen will, der sollte hinter der Kasse geradeaus gehen, vorbei an Wasserlandschaft und Spielplatz. Auf einem kleinen Hang im letzten Eck der mehr als einen Hektar großen Anlage thront ein unscheinbares Holzhäuschen.

Das sogenannte Schwimmerhäusl, erklärt Badleiter Rico Koslowski, sei kurz nach der Eröffnung des Bades vor 89 Jahren in Eigenleistung durch schwimmbegeisterte Cunewalder als Umkleidehäuschen errichtet worden. "Drinnen hängen sogar noch die alten Haken", erzählt er. 

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Die kleine Holzbaracke ist das einzige Überbleibsel von fast 90 Jahren wechselhafter Badgeschichte – und wäre bei der umfassenden Sanierung der Anlage 1993 und 1994 fast dem Abriss zum Opfer gefallen. Damals verwandelte sich das typische Volksbad mit seinem großen Betonbecken in die edelstählerne Wasserlandschaft von heute

Vom Umkleide- zum Vereinshaus

Das Schwimmerhäusl trotzte den Veränderungen und dient inzwischen dem Förderverein Erlebnisbad Cunewalde als Vereinshaus und Lager. Dessen 18 Mitglieder, erzählen Rico Koslowski und Sören Trillenberg, die sich beide im Vorstand des Vereins engagieren, hätten das Schwimmerhäusl zwar mehrmals gestrichen, aber: "Die alte DDR-Farbe wollte immer wieder durch", erklärt Koslowski.

Und auch sonst hat der Zahn der Zeit spürbar an dem Häuschen genagt. Sören Trillenberg zählt auf: "Das Dach ist undicht, die Holzverkleidung marode, die Treppe muss erneuert werden, die Fenster und Türen auch." Die Sanierung des Schwimmerhäusls stünde deshalb schon auf der Agenda, seit der Verein sich am 1. Januar 2017 im Rahmen des ersten Cunewalder Eisbadens offiziell gründete. Jetzt, in Vorbereitung des 90-jährigen Badjubiläums, soll das Vorhaben umgesetzt werden.

Mit den Vorbereitungen beschäftigt sich der Förderverein bereits seit vergangenem Winter. Am Anfang aller Planungen habe die Frage nach der Finanzierung gestanden, so Trillenberg. 52.000 Euro sollen investiert werden. Davon soll nicht nur das Schwimmerhäusl repariert werden, sondern gleich nebenan eine überdachte Aufenthaltsfläche entstehen.

Grillplatz und Badmuseum geplant

"Gerade für Klassenausflüge brauchen wir einen abgeschlossenen Platz", erklärt Sören Trillenberg. Außerdem plant der Förderverein eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bades an der rückwärtigen Wand des Grillplatzes. Die alte Ligusterhecke wird dafür weichen müssen.

Genauere Vorstellungen haben die Vereinsmitglieder noch nicht, aber sie reichten aus, um eine Förderzusage über reichlich 36.000 Euro von der EU zu erhalten. Die fehlenden 15.000 Euro muss der Verein selbst erwirtschaften und hofft auf die Spendenbereitschaft der Badgäste.

Helfen soll das Sparkassen-Projekt "99 Funken". Über die Crowdfunding-Plattform wirbt der Verein seit 1. Juli um Unterstützung. 460 Euro sind bislang an Spenden eingegangen, die Hälfte davon von der Sparkasse selbst, die bis zu einem Viertel der Spendensumme finanziert. Werden bis zum 23. August mindestens 12.000 Euro an Spenden eingesammelt, kommt das Projekt zustande. Andernfalls erhalten alle Unterstützer ihr Geld zurück.

Koslowski und Trillenberg gehen dabei so optimistisch ans Werk, dass sie sogar schon über die nächste Investition nachdenken: Rico Koslowski träumt von einem dreitägigen Bad- und Vereinsfest im kommenden Jahr – alles zu Ehren der dann 90-jährigen Erlebniswelt. 20.000 bis 25.000 Euro würde das Vorhaben kosten, schätzt der Vereinsvorstand.

Auch für diese Summe hofft der Förderverein vor allem auf private Spenden: "Aufgrund von Corona spenden gerade viele Firmen nur ungern Geld. Deshalb ist die Frage, ob es ein Badfest geben wird, eine zwischen Daumen und Zeigefinger", sagt Rico Koslowski.

Als typisches Volksbad wurde das Cunewalder Bad 1911 an seinem jetzigen Standort eröffnet. Damals erfrischten sich Badegäste noch in einem großen Becken aus Beton. Angewärmt wurde das Wasser aus dem nahen Bach durch einen großen, schwarz gestrichenen Vorwärmer.
Als typisches Volksbad wurde das Cunewalder Bad 1911 an seinem jetzigen Standort eröffnet. Damals erfrischten sich Badegäste noch in einem großen Becken aus Beton. Angewärmt wurde das Wasser aus dem nahen Bach durch einen großen, schwarz gestrichenen Vorwärmer. © Gemeindeverwaltung Cunewalde
In den Jahren 1993 und 1994 wurde das Erlebnisbad zum ersten Mal umfassend saniert. Das alte Betonbecken wich modernen Schwimmbecken aus Edelstahl. 
In den Jahren 1993 und 1994 wurde das Erlebnisbad zum ersten Mal umfassend saniert. Das alte Betonbecken wich modernen Schwimmbecken aus Edelstahl.  © Gemeindeverwaltung Cunewalde
Im Jahr 2010 wurde das Erlebnisbad vom Hochwasser schwer getroffen. Erneut gab es Fördermittel. Diesmal wurde bei der Sanierung auch darauf geachtet, künftig weniger Energie zu verbrauchen. Dreieinhalb Jahre blieb das Bad geschlossen. 
Im Jahr 2010 wurde das Erlebnisbad vom Hochwasser schwer getroffen. Erneut gab es Fördermittel. Diesmal wurde bei der Sanierung auch darauf geachtet, künftig weniger Energie zu verbrauchen. Dreieinhalb Jahre blieb das Bad geschlossen.  © Gemeindeverwaltung Cunewalde
Im Zuge der Sanierung wandelte sich auch das Erscheinungsbild des Bades: Die alte Rutsche wurde saniert; die Breitrutsche installiert. Das Nichtschwimmerbecken wurde in die Wasserlandschaft integriert. So entstand Platz für einen neuen Spielplatz.
Im Zuge der Sanierung wandelte sich auch das Erscheinungsbild des Bades: Die alte Rutsche wurde saniert; die Breitrutsche installiert. Das Nichtschwimmerbecken wurde in die Wasserlandschaft integriert. So entstand Platz für einen neuen Spielplatz. © Uwe Soeder
Das Schwimmerhäusl am Rand des Badgeländes konnte während all dieser Umbaumaßnahmen erhalten werden und dient heute dem Förderverein Erlebnisbad Cunewalde als Lager und Vereinshaus.
Das Schwimmerhäusl am Rand des Badgeländes konnte während all dieser Umbaumaßnahmen erhalten werden und dient heute dem Förderverein Erlebnisbad Cunewalde als Lager und Vereinshaus. © Gemeindeverwaltung Cunewalde

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