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Cunewalde: Mehr Platz im Pflegeheim

Zu klein, zu unsicher, nicht mehr zeitgemäß – ein Anbau soll die Missstände im Haus am Czorneboh beseitigen.

Schon lange wünscht sich Silke Tietz, die Leiterin des ASB-Pflegeheims am Czorneboh in Cunewalde, Veränderungen im Haus. Jetzt entstehen bis Jahresende zwei neue Aufenthaltsräume für die Bewohner.
Schon lange wünscht sich Silke Tietz, die Leiterin des ASB-Pflegeheims am Czorneboh in Cunewalde, Veränderungen im Haus. Jetzt entstehen bis Jahresende zwei neue Aufenthaltsräume für die Bewohner. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Ganz still ist es im Aufenthaltsbereich im Erdgeschoss des Pflegeheimes am Czorneboh. Aufmerksam sitzen die Bewohner da. Ihre Blicke sind nach draußen gerichtet. Wo bis vor Kurzem noch der Eingangsbereich zum Pflegeheim war, werkeln jetzt Arbeiter in einer Baugrube. Ihr Auftrag: eine deutliche Vergrößerung der beiden Aufenthaltsbereiche im Erd- und Obergeschoss des Cunewalder Heimes.

"Das ist wie im Kino für unsere Bewohner", sagt Pflegeheimleiterin Silke Tietz. Insbesondere an den ersten Tagen seien die Arbeiten etwas laut gewesen. Und auch bis Jahresende wird es für die Bewohner immer mal wieder Einschränkungen im gewohnten Alltag geben. Etwa dann, wenn eine Staubschutzwand aufgestellt oder der Fußboden verlegt wird.

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Immer mehr demente Bewohner

Aber das sei erträglich. Insbesondere, weil die Vergrößerung der Gemeinschaftsbereiche ein Vorhaben ist, dass Silke Tietz schon länger umtreibt. Als sie 2015 die Stelle als Heimleiterin antrat, erzählt sie, habe es diesbezüglich bereits Pläne gegeben. Denn als das Heim Mitte der neunziger Jahre geplant wurde, sahen die gesetzlichen Vorgaben anders aus als heute. Der geförderte Bau ließ in der Einrichtung keine größeren Gemeinschaftsflächen zu. 

Die seien in der vergangenen Zeit aber immer notwendiger geworden. In der Pflege gebe es seit einigen Jahren einen Trendwechsel, erzählt Tietz. Im Vordergrund stehen inzwischen nicht mehr nur Wohnen und Pflege, sondern zunehmend auch Qualität von Betreuung und Beschäftigung der Menschen. Neben gesetzlichen Vorgaben änderte sich außerdem die Bewohnerstruktur der Einrichtung. Immer mehr Menschen benötigen einen Rollstuhl oder einen Rollator.

All das braucht Platz. Mit 40 Bewohnern ist das Pflegeheim am Czorneboh voll ausgelastet. Neben 24 Einzelzimmern gibt es auch acht Doppelzimmer – "viel zu wenig Privatsphäre", sagt Silke Tietz, "wenn die Bewohner sich in aller Ruhe mit ihrem Besuch unterhalten wollen".

Abgesehen davon nennt die Heimleiterin noch eine ganze Handvoll weiterer Probleme, die der Anbau lösen soll: Im Foyer etwa halten sich stets viele Leute auf. Das sei allein schon problematisch, weil der Rettungs- und Fluchtweg genau hier entlang führt.

Der Raum sei aber auch nicht das ideale Umfeld für die steigende Zahl dementer Bewohner. "Die brauchen Ruhe, Geborgenheit und Fürsorge", sagt Tietz. Für deren Wohlergehen sei es nicht hilfreich, wenn sie ständig mitten im Treiben säßen. Hilfreich sei es auch nicht für die Besucher, die sofort nach Zutritt ins Gebäude von etlichen Augenpaaren beobachtet werden. Und nicht zuletzt erschwere die Vielzahl von Bewohnern hinter der Eingangstür die Einhaltung des  Datenschutzes: "Jeder bekommt hier immer sofort alles mit – egal ob Besuch, der Postbote oder das Bestattungsunternehmen hereinkommt", sagt Silke Tietz.

Möbelschleppen fällt künftig weg

Um die Situation zu entspannen, räumt sie ihr Büro. Dort hindurch führt künftig der  Eingang. Nebenan entsteht zwischen zwei hervorstehenden Gebäudeteilen der neue Aufenthaltsraum. Um die 50 Quadratmeter soll er groß sein, abgeschottet vom Eingangsbereich und nach gültigen Standards eingerichtet.

Das gilt auch für sein Pendant eine Etage weiter oben. Hier sei die Situation derzeit sogar noch beengter als im Erdgeschoss, sagt Tietz und erklärt: "Oben wohnen eher immobile Menschen." Und dann, erzählt sie, seien da noch die Brandschutztüren. "Was, wenn hier aufgrund der Enge im Notfall wirklich mal ein Bewohner im Rollstuhl steht und sich die Tür schließt?", fragt sie.

Die Enge und der Platzmangel sollen Ende des Jahres der Vergangenheit angehören; genau wie das Möbelschleppen für die Angestellten. 40 Menschen arbeiten in dem Unternehmen, rund die Hälfte in der Pflege. Jede größere Veranstaltung, erzählt Silke Tietz, sei für das Personal eine Herausforderung: "Der einzige Veranstaltungsraum, den wir haben, ist unser großer Speisesaal. Dort müssen wir jedes Mal die Tische und Stühle rausräumen und irgendwo zwischenlagern. Das ist ein logistisches Problem."

Und außerdem, erzählt sie weiter, sei der Raum schon knapp bemessen, wenn man alle Bewohner dort unterbringen will. "Wenn dann in der Weihnachtszeit noch der Volks- oder der Kinderchor kommen, hat man schon seine Bedenken, das zu genehmigen", sagt sie.

Neue Möglichkeiten im Speiseraum

Das glaubt man, wenn man den rund 50 Quadratmeter großen Speiseraum betritt. Weil Veranstaltungen aber schon bald in den neu entstehenden Aufenthaltsbereichen stattfinden können, erfährt auch er ein paar Neuerungen. Ein neuer Fußboden ist geplant, eine lichtere Tür, eine neue Kochzeile. "Das gibt uns ein paar mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung mit den Bewohnern. Ich denke an Kochen und Backen", sagt Silke Tietz.

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